Die Braut
Object Description
Alvermann umkreiste die Themen Sexualität und Konvention immer wieder. „Die Braut“ (NG 11/13) ist eine fast nackte Schaufensterpuppe in hochhackigen schwarzen Schuhen. Bedeckt wird sie nur durch einen billig wirkenden Brautschleier und eine himmelblaue Blechwanne mit der Aufschrift „ich will dir mein herze schenken“ über der Brust. Gleichzeitig wird die Sexualität durch übertrieben viele Schamhaare betont. Auch die Arbeit „Lied einer Jungfrau – sie ist Nonne geblieben“ (NG 3/13) nimmt den Status der Frau zum Ausgangspunkt. Beide werden auf Objekte reduziert, egal, ob als Verheiratete oder als Nonne, und ihnen fehlt das Persönliche: die Nonne besteht aus Werkzeugen, einer Uhr, einer verkürzten Klaviatur und weiteren Objekten. Als Alvermann die beiden Werke schuf, war der Personenstand durch die Anrede als (Ehe-)Frau bzw. Fräulein (der Begriff wurde 1971 in der BRD aus dem Amtsdeutsch gestrichen) noch für alle erkennbar. Die Zuordnung von Frauen in eine von zwei Gruppen imitierte er mit der Braut und der Jungfrau. Alvermann lud in mehreren Werken dazu ein, den damals üblichen Blick infrage zu stellen: „Man entdeckte, dass die Sexualität im Kapitalismus zum bloßen Gebrauchsgegenstand und zur Ware geworden ist, und bezog das selbstverständlich nur auf die weiblichen Warenangebote.“ (Hans Peter Alvermann, SMB-ZA, II A/NG 0281, Werkkommentar zu „Black Majesty“, NG 5/13) Die Übertreibung dessen, was ohnehin in Kultur und Gesellschaft geschieht, soll ein Weckruf sein. | Emily Joyce Evans