Für Gross-Berlin
Object Description
Als das Plakat „Für Großberlin“ entstand, war Käthe Kollwitz über die Grenzen Deutschlands hinaus als eine Künstlerin bekannt, die sich in ihrem Werk mit Fragen nach sozialer Gerechtigkeit auseinandersetzte. Im gleichen Jahr, 1912, wurde sie in den Vorstand der Berliner Seccession berufen und erfuhr so auch internationalen Ruhm. Kollwitz‘ Bilder offenbaren ihre pazifistische und politische Haltung. Das Plakat war dabei ein ideales Ausdrucksmedium: In der Kombination aus Wort und Bild entfalten ihre bedrückenden und zugleich berührenden Zeichnungen größte Wirkung. Hier wird für eine öffentliche Versammlung geworben, bei der es um die Wohnungsnot im Berlin der 1910er-Jahre geht. Als Motiv wählte Kollwitz zwei ärmlich gekleidete Kinder, die die Zustände in der Stadt zu ertragen hatten. Nach dem Ersten Weltkrieg erhielt die Künstlerin weitere Aufträge für gebrauchsgrafische Arbeiten, die sich mit ähnlichen Themen auseinandersetzten. 1930 war sie in Berlin an der vom Deutschen Staatsbürgerinnenverband organisierten Ausstellung „Die gestaltende Frau“ mit Holzschnitten beteiligt. Die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin besitzt rund 3800 Originalplakate aus den Jahren 1840 bis 1914. Insgesamt sind im Bestand der frühen Plakate 40 weibliche Gestalterinnen vertreten, gegenüber 957 Männern. (Text: Christina Thomson / Christina Dembny)