Logo

Der Redner Nr. I Otto Rühle (Fragment)


FacebookShare on Facebook

Object Description

Otto Rühle (1874–1943) hatte als Abgeordneter von 1912 bis 1918 dem Reichstag angehört. Aufgrund seiner rätekommunistischen Überzeugungen verließ er 1916 die SPD und war Ende 1918 ein Mitbegründer der KPD. Nach dem dortigen Ausschluss wegen seiner linksradikalen Positionen im Februar 1920 trat er der Kommunistischen Arbeiterpartei Deutschlands (KAPD) bei, bis er im Oktober 1920 auch diese verlassen musste. Felixmüller porträtierte den revolutionären Redner im April/Mai 1920 beim Agitieren gegen die Beteiligung an Wahlen und Gewerkschaften sowie für den aktiven Kampf gegen den bürgerlichen Staat. Neun Jahre später, am 4. September 1929, bot der Maler das Bild der Nationalgalerie an: „Dieses bekannte Gemälde […] stellt den bekannten Führer der Revolution dar – während einer seiner hinreissenden Reden im Dresdner Kristall-Tanzpalast. […] ich kann sagen, dass es das einzige unmittelbare künstlerische Zeugnis der Revolution während der Revolution ist. Für dieses Bild haben zahlreiche Sammler lebhaftes Interesse – ich habe aber dieses Werk immer zurückgehalten u[nd] wünsche es an öffentlicher Stelle zu sehen, entsprechend seiner zeitgeschichtlichen u[nd] künstlerischen Bedeutung. Die Nationalgalerie scheint mir der richtige Ort“ (SMB-ZA, I/NG 931, Bl. 633). Das Gemälde verblieb jedoch beim Künstler und wurde 1933 aus Vorsicht vor den Nationalsozialisten zerschnitten. Felixmüller versteckte das Fragment und malte das Bild 1946 nach Fotografien neu. Sein Sohn Titus schenkte die Zweitfassung, „Der Agitator“, 1977 der Nationalgalerie (Ost; A IV 372), das Originalfragment folgte 2019 als Schenkung der Erbengemeinschaft Felixmüller. | Dieter Scholz