"Moderne Pallas Athene" (Modellnr. 9936)
Object Description
Stehende weibliche Figur auf flacher, ovaler Bodenplatte. Die Bemalung ist in flächigen Unterglasurfarben gehalten. Die Dame ist in Schrittbewegung dargestellt. Über dem seladongrünen, weit ausgeschnittenen Untergewand, das in Pumphosen übergeht, trägt sie einen dunkelblauen, asymmetrischen Überwurf. Das linke, vorangestellte Bein lässt außer der Pumphose auch den modischen Schnallenschuh erkennen. Die Kopfbedeckung ist ebenfalls dunkelblau. Mit dem rechten, vor dem Körper angewinkelten Arm hält sie ein kleines weißes Schoßhündchen. Über der rechten Schulter hängt eine Tasche. Das 1911 entworfene Modell von Hermann Hubatsch (1878-1940) stellt eine augenzwinkernde Symbiose von antiker Mythologie und zeitgenössischer Mode dar. Die Schultertasche mit eulenartigen Augen erinnert von Ferne an die der klugen griechischen Göttin Pallas Athene zugeordnete Eule. Zugleich ist es ein modisches Accessoire. Ebenso spielt die helmartige Kopfbedeckung mit Federbusch auf Athene an, lässt aber auch die Hutmode der Zeit anklingen. Damals waren die Schöpfungen des Pariser Couturiers Paul Poiret hochaktuell. Dieser hatte es verstanden, reformerische Ansätze der Damenmode (Verzicht auf Korsett und Krinoline) mit einer eleganten Silhouette und mit extravaganten, "orientalisierenden" Details wie Pumphosen zu verbinden. Eine solche trägt eben auch die "Moderne Pallas Athene". Von Hubatsch, der als Bildhauer zahlreiche figürliche Modelle für die KPM geschaffen hat, stammen Modelle von Modedamen, von sportlich aktiven Frauen, aber ebenso Damen in retrospektiver Kleidung, zum Beispiel in Biedermeierkostümen. Auch stellte er Schauspielerinnen (Agnes Sorma) oder Kabarettsängerinnen dar. // Lit.: Bettina Zöller-Stock: Traumwelten. Porzellanfiguren zwischen Jugendstil und Art Déco aus der Porzellansammlung des Berliner Kunstgewerbemuseums, Berlin 1998, S. 16, 55 // ClKa