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Object Description

Das beidseitig dekorierte Rundrelief reproduziert auf der Vorderseite die Komposition des sogenannten Martelli-Spiegels im Victoria and Albert Museum in London. Das norditalienische Original des späten 15. Jahrhunderts – möglicherweise ein Werk Cristoforo Foppas, genannt Caradosso – bildete ursprünglich die Rückseite eines Spiegels. Ein alter Satyr und eine junge Bacchantin oder Personifikation der nährenden Natur sitzen einander inmitten von Weinlaub, Gefäßen und Fruchtbarkeitssymbolen gegenüber. Die Frau drückt Milch aus ihrer Brust in ein Rhyton, während der Satyr mit der erhobenen Hand die apotropäische mano cornuta formt. Die Inschrift NATURA QVAE FOVET / NECESSITAS QVAE VRGET verweist auf die nährenden und zeugenden Kräfte der Natur und hat zu der Vermutung geführt, der ursprüngliche Spiegel könne als Hochzeitsgeschenk gedient haben.

Das Berliner Exemplar ist keine funktionale Spiegelkapsel, sondern eine spätere, zu einem zweiseitigen Schaustück umgestaltete Reproduktion. Seine Rückseite zeigt inmitten fein gravierten Rankenwerks ein kosmologisches Diagramm mit Erde, Sonne, Mond und sich überschneidenden Bahnen. Eine nahezu identische Fassung befindet sich im Hood Museum of Art in Dartmouth. Die Wiederholung beweist, dass die astronomische Darstellung nicht als individuelle Ergänzung eines einzelnen Besitzers entstand, sondern zu einer eigenen Reproduktionsgruppe des Martelli-Spiegels gehört. Funktion und genaue Bedeutung des Diagramms sind bislang ungeklärt.

Die Herstellungsweise des Berliner Stücks bedarf noch der technologischen Untersuchung. Die Nähe zu den im 19. Jahrhundert weit verbreiteten musealen Reproduktionen des Martelli-Spiegels legt eine Entstehung in dieser Zeit nahe. Anders als die ausdrücklich als Galvanoplastik ausgewiesene Kopie im Metropolitan Museum besitzt das Berliner Exemplar jedoch eine vollständig ausgearbeitete Rückseite. Ob es sich um einen Bronzeguss oder um eine aus mehreren galvanoplastischen Schalen zusammengesetzte Reproduktion handelt, lässt sich ohne Untersuchung von Rand, Gewicht und innerem Aufbau nicht entscheiden. Das Vergleichsstück in Dartmouth wird als Bronzeguss des 19. Jahrhunderts geführt.

(Alexander Röstel, August 2026)