Logo

FacebookShare on Facebook

Object Description

Das Gemälde ist Grundigs erste Selbstdarstellung, sieht man von einem verschollenen Porträt als 19-Jährigem und seinem Abbild in szenischen Zusammenhängen ab. In einem dunklen, nicht näher definierten Raum hat sich der Künstler im Halbprofil wiedergegeben, eine Hälfte seines Körpers liegt im Schatten. Ernst schaut er die Betrachter:innen direkt an. Das Entstehungsjahr des Gemäldes, 1933, ist bezeichnend: Die tiefgreifenden politischen und gesellschaftlichen Veränderungen nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten bekam Grundig als Kommunist sogleich zu spüren. So kann das Bildnis vor allem als eine Selbstbefragung in Zeiten existenzieller Gefährdung interpretiert werden. Die Jury der Dresdner „Portraitausstellung“ zeichnete es 1934 mit dem 2. Preis aus, den Grundig jedoch nach Interventionen der NSDAP nicht entgegennehmen durfte. Im selben Jahr erhielt er Berufsverbot. Schon im Herbst 1933 waren zwei seiner Arbeiten in der Dresdner Femeausstellung „Entartete Kunst. Spiegelbilder des Verfalls in der Kunst“ gezeigt worden. 1940 wurde Grundig im Konzentrationslager Sachsenhausen interniert und 1944 in eine Strafdivision der deutschen Wehrmacht abkommandiert, von der er zur Roten Armee überlief. Zurück in Dresden war er ab 1946 Professor und Direktor der Kunstakademie. In jenem Jahr entstand ein weiteres Selbstporträt (A IV 2), das eng mit dem von 1933 zusammenhängt, umrissen beide doch für Grundig sinnbildhaft die Situation der jeweiligen Zeit, wobei er die Nachkriegsjahre trotz „Schwere und Schattenhaftem“ als voller Hoffnung empfand (Hans Grundig, Künstlerbriefe aus den Jahren 1926 bis 1957, Rudolstadt 1966, S. 117). | Maike Steinkamp