Die schwarzen Zimmer (II. Fassung)
Object Description
Ebenso wie viele andere Bilder aus der Zeit des Nationalsozialismus ist das Gemälde „Die schwarzen Zimmer“ durchzogen von Ungewissheit, Anonymität und einer Ahnung unbestimmten Unheils. Fünf weitgehend nackte Männer posieren wie stumme Schauspieler zwischen den Kulissen einer dunklen Zimmerflucht; die Metallsprossenfenster lassen an eine Hinterhof- oder Atelierwohnung denken. Keiner interagiert mit dem anderen, jeder scheint mit seinen Gedanken und Absichten beschäftigt zu sein. Der mittig stehende Nackte, den stirnrunzelnden Blick frontal auf die Betrachter:innen gerichtet, schlägt eine um die Hüfte gebundene Trommel. Hofer malte das Bild im Jahr 1943, nachdem bei einem Bombenangriff im März sein Atelier in Berlin, wo er seit 1919 lebte, mitsamt 150 Gemälden verbrannt war. „Die schwarzen Zimmer (II. Fassung)“ ist die Replik eines hierbei verlorenen Werkes, das der Künstler 1928 geschaffen hatte. Der Aufruf des Trommlers, ursprünglich ein warnender Kommentar auf wirtschaftliche Not, soziales Elend und politische Orientierungslosigkeit in der Weimarer Republik, wird im Kriegsjahr 1943 um neue Bedeutungskomponenten erweitert. | Christina Thomson