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Fischverkäuferin I


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Object Description

Schon während seines Studiums hatte Ticha ein 1967 im VEB Verlag der Kunst Dresden veröffentlichtes Bändchen zu Fernand Léger in die Hände bekommen. Er adaptierte dessen Formenarsenal der 1920/30er-Jahre und schuf ebenfalls vereinfacht stilisierte Figuren vor monochromem Hintergrund. Mit seiner flächig-plakativen Darstellungsweise hatte Ticha Erfolg in der DDR, insbesondere als Buchillustrator und Gebrauchsgrafiker. War Légers Stil wegen seiner Vorliebe für zylindrische Formen „Tubismus“ genannt worden, so titulierte der Künstler und Publizist Herbert Sandberg die Rundungen bei Ticha scherzhaft als „Kugelismus“ (zit. nach Günter Feist, Tönendes, in: WVZ Ticha, S. 8). Durch Vermittlung Sandbergs erhielt Ticha 1976 seine erste Einzelausstellung im Club der Kulturschaffenden in Berlin. Im Jahr zuvor war die „Fischverkäuferin“ entstanden. Als Kugeln sind Kopf und Brust herausgearbeitet, dazu zwei Kreise, die wohl Schürzenknöpfe sein sollen, auf dem Oberkörper aber wie Augen aussehen oder wie eine Brille. Die Brust wird dabei zur Nase, denn wie im Kubismus erscheint die Figur zugleich im Profil (in Weiß) und in Frontalansicht (in Schwarz). Diesen Vexiereffekt ergänzt eine Spiegelung: Die Buchstaben „FIS“ als Ausruf der lispelnden Verkäuferin sind seitenverkehrt gemalt, möglicherweise als Verweis auf die Druckgrafik, bei der die Schrift spiegelverkehrt angelegt werden muss, um richtig lesbar aus der Presse zu kommen. | Dieter Scholz