Otto Dix malt
Object Description
Als Otto Dix (1891–1969) im Januar 1919 nach der Soldatenzeit im Ersten Weltkrieg zurückkam, konnte ihn Felixmüller für die in Gründung befindliche Dresdner Sezession Gruppe 1919 gewinnen. Im Folgejahr porträtierte er den befreundeten Kollegen in zwei Gemälden: „Bildnis Otto Dix“ (Von der Heydt-Museum, Wuppertal) und „Otto Dix malt“. Vor dem Ausblick des Atelierfensters auf den Dresdner Antonsplatz ist Dix mit erhobenem Pinsel und Palette in theatralischem Ausfallschritt dargestellt. Zusammengekniffene Augen und ein gelängter, kantig vorgeschobener Kiefer verleihen der Physiognomie eine primatenhafte Wildheit. Felixmüller stilisierte Dix zu einem maskulinen Berserker, der sich am Motiv eines halbnackten Frauenkörpers abarbeitet. Das Bild-im-Bild spielt auf eine Puppe an, die sich Oskar Kokoschka 1918/1919 als Ersatz für die verlorene Geliebte Alma Mahler hatte herstellen lassen (vgl. „Mann mit Puppe“, B 1058). Auch Dix soll eine Gliederpuppe besessen haben. Als Besessener wurde er 1919 von Hugo Zehder beschrieben: „Er ist ein Indianer, ein Sioux-Häuptling. Immer auf dem Kriegspfad. Wie eine Axt schwingt er den Pinsel und jeder Hieb ist ein Farbenschrei“ (Neue Blätter für Kunst und Dichtung, 2. Jg. [1919], H. 6 [Sept.], S. 119). Felixmüller und Dix waren in der Radikalität ihrer antibourgeoisen künstlerischen Auffassungen verbunden, den Agitationsversuchen Felixmüllers soll sich Dix aber entzogen haben mit den Worten: „[…] lassen Sie mich mit Ihrer dämlichen Politik in Ruhe – ich gehe lieber in den Puff“ (zit. nach Conrad Felixmüller. Werke und Dokumente, Ausst.-Kat., Nürnberg, 1981, S. 75). | Dieter Scholz