Mutter und Kind
Object Description
Kraumann machte sich vor allem mit Medaillen und Plaketten einen Namen sowie mit einigen wenigen Denkmälern, darunter das 1911 in Breslau (heute Wrocław) enthüllte für Joseph von Eichendorff oder jenes von 1913 für Theodor Körner (zerstört) ebendort. Die erstmals 1909 als Bronzefassung auf der Wiesbadener Kunstausstellung präsentierte Gruppe „Mutter und Kind“ wurde aus der Ausstellung heraus verkauft. Ob es sich dabei um das mit „KRAUMANN 1908“ signierte Exemplar handelt, welches 1915 als Überweisung der städtischen Künstlerhilfe in das Frankfurter Städel gelangte, ist unklar, doch gibt der datierte Guss einen Anhaltspunkt für die Entstehung des zugrunde liegenden Modells. Der Erwerb der Berliner Marmorfassung erfolgte ebenfalls nach einer Ausstellungspräsentation. 1917 kaufte der preußische Staat den Marmor und stellte ihn als Leihgabe dem Regierungspräsidenten in Osnabrück zur Verfügung. Der genrehafte Charakter einer Mutter mit im Schoß liegendem Jungen, der nach ihren Haaren greift, wird unterstützt durch die wie zufällig vom Gewand freigegebene rechte Brust. Künstlerisch wenig überzeugend sind die gekrümmte Haltung sowie der Gesichtsausdruck der Mutter, deren Lächeln erstarrt und leer wirkt. Ein bereits 1903 von der Nationalgalerie erworbener „Rahmen mit sechs Plastiken“ aus Bronze von Kraumann wurde 1907 an das Münzkabinett abgegeben. | Yvette Deseyve