Aglaia
Object Description
In der altgriechischen Mythologie ist Aglaia eine der drei Grazien, zusammen mit ihren Schwestern Euphrosyne und Thalia, Töchter von Zeus und Eurynome. Ihr Name bedeutet Glanz oder Pracht. Die Anmut der Grazie steht exemplarisch für Klimschs weibliche Akte. Aglaias Kontrapost zieht das Auge der Betrachter:innen auf den leichten Schwung der Hüfte und die Positionen ihrer Hände, die auf den Brüsten und auf dem Becken liegen und die weiblichen Formen betonen. Die Skulptur ist eine mythologische Figur in zeitgenössischem Gewand, sichtbar zum Beispiel an ihren individuellen, nicht idealisierten Gesichtszügen und der Frisur. Junge Frauen hatte für den Bildhauer offenbar per se etwas Universelles und Zeitloses. Neben der Zurschaustellung des weiblichen Körpers spiegelt die „Aglaia“ Klimschs Verehrung der altgriechischen Kunst und Mythologie wider. Hierbei ging es ihm nicht um einen konkreten Stil oder eine Technik, sondern um einen schwer definierbaren „griechischen Geist“ (Gerd Brüne, Fritz Klimsch. Aufstieg und Niedergang eines deutschen Bildhauers im 20. Jahrhundert, in: Die Bildhauer August Gaul und Fritz Klimsch, Ausst.-Kat., Frankfurt am Main, 2010, S. 159). Damit konnte der Künstler eine geistige Tradition fortsetzen, ohne sich stilistisch festzulegen. Seine Verehrung der alten Griechen und die Formung schöner junger Körper dürften Gründe dafür sein, dass Klimsch unter dem NS-Regime Erfolge feiern konnte. Er erhielt Staatsaufträge, wurde Mitglied der Fachgruppe Bildhauer in der Reichskammer der bildenden Künste und stellte 1937 bis 1944 alljährlich auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ in München aus. | Emily Joyce Evans