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Straße am Wedding Verso: Windmühlen bei Rotterdam (Studie) von Lesser Ury


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Object Description

Der Maler und Grafiker Heinrich Zille, der wie kein anderer vor ihm das Berliner „Milljöh“ sowohl satirisch als auch sozialkritisch festgehalten hat, schrieb im Juni 1924: „Erschütternd – grau in grau – düster –, Berlin N[ord]. Dort lebt O. Nagel und erlebte es von klein an“ (zit. nach Diether Schmidt [Hrsg.], Manifeste, Manifeste, Dresden 1965, S. 321). Tatsächlich ist die Straße im Wedding, die Nagel auf diesem Werk festgehalten hat, in einem schmutzigen Grau-Gelb gehalten. Passanten bevölkern vor einem Leihhaus die mit Schneehaufen und Matsch bedeckten Gehwege, die kahlen, mageren Bäume tragen zur winterlichen Ödnis bei. Anders als bei den meisten anderen seiner Arbeiten hob Nagel hier keine Personen hervor, vielmehr erzeugte er ein Stimmungsbild jenes Bezirks, in dem er selbst lebte. 1925/1926 stellte er das Gemälde für eine Tombola der Künstlerhilfe der Internationalen Arbeiterhilfe (IAH) zur Verfügung, die er 1922 zusammen mit dem Berliner Theaterintendanten Erwin Piscator initiiert hatte. Danach verläuft sich die Spur des Bildes. Erst Ende der 1950er-Jahre tauchte das Gemälde an der Hochschule für Ökonomie „Bruno Leuschner“ in Berlin-Karlshorst wieder auf und wurde 1963 der Nationalgalerie (Ost) übergeben. Auf der Rückseite der Darstellung befindet sich eine Studie von Lesser Ury („Windmühlen bei Rotterdam“, ebenfalls A IV 23). Dieser war 1918/1919 für kurze Zeit Lehrer an einer Künstlerinnenschule im Bezirk Tiergarten gewesen, an der damals auch der junge Nagel unterrichtete. Möglicherweise hatte Ury dem mittellosen Kollegen die von ihm ausgesonderte Leinwand mit der verworfenen Studie als Arbeitsmaterial überlassen. | Maike Steinkamp