Blumenstück: Calla II
Object Description
Durch sein (kultur-)politisches Engagement als Organisator von zahlreichen Ausstellungen proletarischer, sozial engagierter Kunst, die Redaktion und Herausgabe der ebenfalls im linken Spektrum angesiedelten satirischen Zeitschrift „Eulenspiegel“ (1928–1932) sowie seine Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei Deutschlands war Nagel schon kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten von Restriktionen betroffen. Politische Verfolgung, Hausdurchsuchungen und Inhaftierungen prägten für ihn diese Jahre. Von einem Berufs- oder Malverbot war Nagel nicht betroffen, wenngleich drei seiner Bilder der Aktion „Entartete Kunst“ zum Opfer fielen. Er malte weiter und gründete eine private Malschule, die bis 1941 fortbestand. Allerdings änderten sich die Malweise und die Sujets seiner Arbeiten. Die sozialkritischen Werke verschwanden. Stattdessen entstanden nun Hunderte Stadtansichten und auch einige Blumenbilder, zu denen das Gemälde der Calla vor dunklem Grund gehört. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte Nagel zu seinem kulturpolitischen Engagement zurück, organisierte zahlreiche Ausstellungen, veröffentlichte Biografien über Heinrich Zille und Käthe Kollwitz und wirkte unter anderem als Präsident des Verbandes bildender Künstler und der Deutschen Akademie der Künste in der DDR. Kunstwerke schuf er nach 1945 nur noch wenige – sie waren nun weniger sozialkritisch als jene aus der Zeit der Weimarer Republik (vgl. etwa „Asylisten“, A III 452), sondern orientierten sich an dem in der frühen DDR propagierten „neuen“ Menschenbild. | Maike Steinkamp