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Im Café. Frau in Rot


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Object Description

Mit aufgestütztem Arm, an den der Kopf gelehnt ist, den anderen Arm hinter den Rücken gelegt, sitzt eine junge Frau hell beleuchtet direkt vor uns. Der Hintergrund zeigt im Dämmer distinguierte Herren, auch eine Dame mit Hut, die in Zeitungen und Büchern lesen – das Bild stellt den Innenraum eines Berliner Cafés dar, vielleicht eines derer, die zugleich als Treffpunkt der Literaten und Künstler dienten. Die junge Frau aber liest nicht, wohl am Fenster sitzend schaut sie ungeniert in die Weite, das rote ausgeschnittene Kleid und der burschikose Pagenkopf-Haarschnitt weisen sie als moderne, emanzipierte Frau aus. Zu dieser Zeit befanden sich allein in einer Gaststätte sitzende Frauen noch in einer mehrdeutigen Situation, konnten doch hier sowohl private Kontakte angebahnt werden als auch professionelle. Unbegleitete Frauen in scheinbar müßiger Tätigkeit an den öffentlichen Orten der Stadt waren ein neues soziales Phänomen und ein beliebtes Motiv impressionistischer, auch noch expressionistischer Maler (vgl. Ernst Ludwig Kirchner, „Potsdamer Platz“, NG 7/99). Die Femme fatale wandelte sich zur Kokotte. Ury hat überwiegend Passanten und Flaneure auf der Straße dargestellt (vgl. „Berliner Straße bei Nacht“, 1889, NG 10/12, und „Nollendorfplatz bei Nacht“, 1925, A II 496), solche nahsichtige Konfrontation mit einem Modell ist für sein Werk eher ungewöhnlich. | Angelika Wesenberg