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Object Description

Es sind sozialkritische Bilder, die Nagel schuf. Ähnlich den Werken seiner Künstlerfreunde Heinrich Zille und Käthe Kollwitz ging es ihm darum, auf das soziale Elend, die Not zahlreicher Menschen und die Missstände in der Zeit der Weimarer Republik aufmerksam zu machen. Dies tat er jedoch ohne explizite Anklage und zumindest in seinen Gemälden meist in Form von Porträts. Mit großem Gespür für ihr Wesen und ohne jegliche Typisierung setzte er die von ihm dargestellten Personen ungeschönt, doch immer würdevoll in Szene. Auf seinem großformatigen Bild „Asylisten“ zeigt er Männer, die in Gruppen wartend zusammenstehen. Einen von ihnen hat Nagel hervorgehoben und ihm deutlich ein Gesicht gegeben. Jener Mann füllt fast die gesamte Höhe des Gemäldes aus und befindet sich leicht zusammengesunken, mit ernstem Blick den Betrachter:innen direkt gegenüber. Er trägt die für diese Jahre charakteristische Schiebermütze, die ihn als der Arbeiterklasse zugehörig ausweist, die Hände tief in den Taschen seines alten Wintermantels vergraben. Der Kritiker Alfred Durus beschrieb den Dargestellten 1928, nachdem er das Bild vermutlich auf der „Juryfreien Kunstschau“ gesehen hatte, als „hoffnungslos, grau“: „[D]ie Augen dieser obdachlosen Proleten [stieren] wie eine stumme Anklage, der niemand ausweichen kann“ (Uno [Alfred Durus], in: Die Rote Fahne [1928], Nr. 250). In der Tat lassen Nagels Personen immer die Lebensumstände erahnen, in denen sie sich befinden. Sie stehen stellvertretend für das Leid vieler, ohne ihre Individualität dabei zu verlieren. | Maike Steinkamp