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Object type: Bauausstattung / Installation (Architekturrekonstruktion)
Fassade des Innin-Tempels des Karaindasch (Ausschnitt)
Vorderasiatisches Museum
Im Verlauf der Arbeiten entlang der Ziegelmauer um das Heiligtum Eanna in Uruk stießen die Ausgräber auf einen Mauerwinkel, in dem unvermutet Reste eines kleinen Tempels zutage traten. Der rechteckige Bau mit kleinem Vorhof und größerer Cella hatte die Maße von etwa 22,5 zu 17,5 Metern, besaß stark betonte Gebäudeecken und war an den Außenwänden mit einer Nischenfassade versehen. In unmittelbarer Umgebung fanden sich Reste vieler Formziegel, deren erkennbare Einbindung ins Mauerwerk sie als Zierstücke der Außenwand auswies. Beim Zusammenfügen ergab sich so eine Art nischenartig gegliederte Blendfassade, deren vorspringende Teile mit halbrunden Symbolen und geschlängelten Bändern verziert waren, während in den Nischen Figuren gestanden hatten. Einer der Ziegel gab inschriftliche Auskunft über den Bauherrn. Ein König Kara-indasch hatte den Tempel für die Göttin Inanna von Uruk errichten lassen. Überlieferte Königslisten gestatten die Datierung des Bauwerks um das Jahr 1413 v. Chr. Kara-indasch gehörte zur Dynastie eines „Kassiten“ genannten Bergvolkes, das damals über Babylonien herrschte, aber weitgehend assimiliert wurde und die babylonischen Traditionen aktiv fortführte. Ein Ausdruck dieses Traditionswillens ist letztlich auch der hier beschriebene Tempel, der der schon seit dem Beginn des 3. Jahrtausends v. Chr. verehrten Göttin geweiht war. Die eine Berglandschaft wiedergebenden gerundeten Symbole an der Wand und auf den Gewändern der Figuren weisen noch auf die Herkunft der Dynastie hin. Die Figuren selbst, durch Hörnerkronen als Götter kenntlich, stehen ganz in mesopotamischer Tradition. Es sind abwechselnd nicht namentlich bekannte weibliche und männliche Götter, deren Hände Wasserflaschen halten, aus denen belebendes Nass in Strömen zur Erde fließt. Der groben Struktur der Ziegel angemessen, erscheint die Darstellung der Götter schematisch und vereinfacht. Das Wesentliche des Ausdrucks einer göttlichen Gewalt ist aber erfasst und erstaunlich gut in den Proportionen mit den Erfordernissen der Fugentrennung in Einklang gebracht. Kappe, Gesicht, Schultern und Arme werden durch die Fugen nicht gestört. Andere Details, wie der Fluss der Haare, sind kaum beeinträchtigt. Bemerkenswert ist die Verbindung des der Flasche entströmenden Wassers beim Übergang von der Halbplastik zur Fläche der Wand. Es wird deutlich, dass der Ausführung eine wohldurchdachte Modellplanung zugrunde lag. Wandverzierungen mit Formziegeln sind seit altbabylonischer Zeit nachweisbar. In figürlicher Gestaltung, wie überhaupt in Verbindung mit der Bauform des Tempels, ist dieses Architekturbeispiel jedoch in Vorderasien bisher der früheste Beleg. [Joachim Marzahn]
Modell der Prozessionsstraße und des Ischtar-Tores von Babylon, (Maßstab 1:100)
Vorderasiatisches Museum
Dieses Modell, vor 1930 gefertigt von der Berliner Firma Hummel und bemalt von Elisabeth Andrae (1876–1945), zeigt anschaulich den in der Ausstellung selbst nicht nachvollziehbaren Zusammenhang der Straßenmauern mit den den Torvorplatz einrahmenden Bastionen sowie deren Anbindung an den Torbau, wie er durch die Grabungsbefunde nachweisbar ist. Erst hier wird dem Betrachter deutlich, welch gewaltiger Baukörper das doppelt ausgeführte Ischtar-Tor einst war, wie seine bautechnische Eingliederung in den zweifachen Stadtmauerring vorgenommen wurde und wie – jeweils an den Straßenschnitten angedeutet – die Geländeaufschüttungen die Gesamterhöhung der Anlage in drei Phasen nach sich zogen. [Joachim Marzahn]
Rekonstruktion Partherfassade Assur
Vorderasiatisches Museum
Die hier gezeigte Hoffassade eines parthischen Palastes aus Assur ist eine detailgetreue Nachbildung, die auf Grundlage der umfangreichen Ausgrabungsergebnisse angefertigt werden konnte. Nach der Eroberung und Zerstörung der einstigen assyrischen Hauptstadt Assur um 614 v. Chr. erlangte die Stadt unter den Parthern wieder an Bedeutung. Der Statthalter ließ im Süden Assurs eine imposante Palastanlage errichten, welche um einen zentralen viereckigen Hof herum angelegt wurde. An den vier Hofseiten befand sich je ein Langraum (sog. Liwan), dessen jeweilige zum Hof gewandte Front mit eindrucksvollen Stuckfassaden geschmückt war. Die westliche Fassade wurde hier im Museum rekonstruiert. Die Fassade enthält Elemente der griechisch-hellenistischen und orientalischen Baukunst. Im Gegensatz zum Ischtar-Tor, das sich besonders durch figürliche Darstellungen und intensive Farbigkeit auszeichnet, sind an der Palastfassade zahlreiche geometrische Ornamente zu erkennen.
Ischtar-Tor (III. Baustufe)
Vorderasiatisches Museum
In der Rekonstruktion enthalten sind folgende originale Tierreliefs und Dekorelemente: Ident.Nr. VA Bab 01408-VA Bab 01456 und VA Bab 07661. Gleichermaßen als architektonischer Höhepunkt wie als Hauptbollwerk der gesamten Anlage bot sich das Ischtar-Tor dem Betrachter dar, eingegliedert in den doppelten Mauerring der Stadtbefestigungen und insofern wie die anderen Tore als zweiteiliger Komplex errichtet; hier gelangte der damalige Bewohner zum Eingang der Stadt. Jedoch erst nach etwa 48 Metern Wegstrecke durch die Bäume des Vortores, des Zwischenplatzes und des Haupttores erreichte man das Stadtinnere. Allein schon dieses Maß mag Auskunft darüber geben, welch gewaltiger Baukörper dieser vor Feinden und nachts mit Türen verschließbare Stadteingang war. Durch je zwei Türme gedeckt und bekrönt mit treppenförmigen Zinnen, bot das Tor hinreichenden Schutz vor jedem Angreifer: Zudem besaß das Bauwerk im Inneren Räume für das Wach- und Verteidigungspersonal sowie eine eigene Zisterne, die eine unabhängige Wasserversorgung garantierte. Die Ausmaße sind heute nur noch schwer vorstellbar, zumal sich die Rekonstruktion des Tores an die vorgegebenen Museumsräume zu halten hatte. Demzufolge konnte hier nur das kleinere Vortor viedererrichtet werden, hinter dem der Betrachter sich mit Hilfe seiner Phantasie und unter Vergleich mit dem Modell das weitaus größere Haupttor ergänzt denken muss. Beeindruckend ist jedoch noch heute die dank der angewendeten Glasurtechnik erhaltene Farbigkeit der Wände, auch wenn nur die Tierreliefs und einige Ornamentbänder aus Originalfragmenten wieder zusammengefügt wurden. Der restliche Gesamtaufbau ist aus modernen Ergänzungen, die man leicht unterscheiden kann, gefertigt. Im Gegensatz zu den Wänden der Prozessionsstraße ist nun das gesamte Tor mit farbigen Ziegeln verkleidet. Der Vergleich der Anzahl der bei der Grabung gefundenen Bruchstücke mit den Maßen der Mauern sowie der Gestaltung der unteren Bauphasen rechtfertigt diese Rekonstruktion. Ebenso wie an der Straße, so bilden auch hier Tierdarstellungen die Hauptmotive und dienten als symbolisches Erscheinungsbild von Göttern und deren Verehrung. In alternierenden Reihen übereinander, gerahmt von Ornamenten mit zur Bedeutung des Neujahrsfestes passenden Blütenreihen, erscheinen nun schreitende Stiere und Drachen. Während der Wildstier – ein seit Jahrtausenden verehrtes Fruchtbarkeitssymbol – dem die Naturgewalten lenkenden Wettergott Adad heilig war, erregte das andere Tier – augenscheinlich ein Mischwesen – zur Zeit Nebukadnezars sicher gleichermaßen Entsetzen und Ehrfurcht, wie es noch heute Verwunderung erzeugt. Es ist der Drache des Marduk, des Reichsgottes der Babylonier und himmlischen Beherrschers von Babylon. Ursprünglich um die Gebäudeecken herum um jeweils eine Ziegelhöhe differierend angebracht, sind heute 42 Stiere und Drachen zu sehen. Im Original waren nach Berechnungen der Ausgräber einst etwa 575 solcher Tierdarstellungen angebracht Nicht genug dieser Prachtfülle, gehörte außerdem zur Ausstattung des Tores weit mehr. Leider ist davon nichts mehr erhalten gewesen. Der Bauherr Nebukadnezar II. sagt in seiner Gründungsinschrift darüber: „Gewaltige Zedern legte ich zur Bedachung der Länge nach hin. Türflügel aus Zedernholz, mit Bronze bekleidet; eine Schwelle und Angeln, aus Erz gegossen, befestigte ich an allen Türöffnungen. Unbändige Stiere und ergrimmte Drachen stellte ich im Torraum auf . . .“ Ein Auszug aus dieser Inschrift, ebenfalls in Glasurziegeltechnik, ist heute neben dem linken Torturm angebracht. [Joachim Marzahn]
Prozessionsstraße von Babylon (Gesamtansicht des rekonstruierten Teils)
Vorderasiatisches Museum
Wer im 6. Jahrhundert v. Chr., sich von Norden der Stadt nähernd, Babylon betreten wollte, musste sich zunächst in eine durch hohe Mauern mit vorspringenden Türmen eingeengte Straße begeben. An ihrem Ende erst, empfangen von einem durch Bastionen geschützten Vorplatz, erreichte er das Tor in den Mauern der Stadt – eines der sieben nachgewiesenen Tore im Befestigungsgürtel Babylons. Während des Durchschreitens dieser etwa 250 m langen und über 20 m breiten Anlage konnte der gewiss beabsichtigte tiefe Eindruck empfangen werden, den der Bauschmuck bei jedem Betrachter hinterlassen musste. Auf einer Teilstrecke von ca. 180 m vor dem Torplatz war den eigentlichen, mehr als sieben Meter starken Mauern eine farbige, reliefierte und zusätzlich mit Farbbändern versehene Verkleidung der Sockelzone vorgeblendet. Ziegelreliefs schreitender Löwen in leicht verminderter natürlicher Größe und farbig unterschiedlicher Gestaltung bildeten den Blickfang des Baukörpers. Diese Tiere gaben nicht nur einen Widerschein der Macht und Größe des Reiches und seiner Hauptstadt, sie symbolisierten auch – als ihre heiligen Tiere – eine der wichtigsten Gottheiten der Babylonier, die kriegerische und Zeugungskraft verkörpernde Göttin Ischtar. Der offizielle Name der Straße lautete: Aj-ibur-schapu, „nicht habe Bestand der Feind“. Denn diese Anlage war gleichermaßen als Wehranlage vor dem Torzugang zur Stadt wie auch als ein einer Gottheit angemessener kultischer Verehrungsort errichtet worden. Auf dem Höhepunkt seiner Macht hatte der neubabylonische (chaldäische) König Nebukadnezar II. (604–562 v. Chr.) die Stadt Babylon zur Errichtung eines Palastkomplexes außerhalb der Mauern nach Norden erweitern lassen. Die östliche Außenmauer dieses Palastes sowie die westliche Mauer eines Befestigungsbaus („Vorwerk“) bildeten zugleich die Einfassungsmauern der Straße. Mehrere Terrainaufschüttungen hatten allerdings zur rampenförmigen Anhebung der Straße geführt, die vor dem Tor eine Höhe von etwa 15 m über dem umgebenden Stadtniveau erreichte. Den Verlauf der Straße hatte Nebukadnezar, wie er in einer Bauinschrift selbst bekundet, nicht anzutasten gewagt. War dies doch der Weg, den während des bedeutendsten religiösen Festes des Landes – dem Neujahrsfest zum Frühjahrsanfang – die gewaltige Prozession der Götter des Reiches entlangzog. Als krönender Abschluss des elftägigen Festes kehrten die Statuen des Reichsgottes Marduk und die der in die Hauptstadt gebrachten anderen Landesgötter vom Neujahrsfesthaus in den Haupttempel zurück. Damit konnte das kultische Jahr der Babylonier seinen Lauf nehmen. Dieses Ereignis lag der prachtvollen Ausgestaltung des Baukörpers mit glasierten Ziegelreliefs zugrunde. Sowohl die Straße als auch das Tor hatten damit gegenüber den anderen Stadtzugängen eine einzigartige Gestaltung bekommen. Die Rekonstruktion im Museum hält sich an die bei der Ausgrabung festgestellten Gebäudemaße und zeigt nur etwa 30 m des Straßenverlaufs in auf ein Drittel verminderter Breite. Bauform und Gestaltung wurden ausgeführt sowohl nach den Grundmauerbefunden als auch nach Abbildungen babylonischer Bauwerke auf assyrischen Palastreliefs. Aus Tausenden Bruchstücken der im Laufe der Zeit zerstörten Ziegel wurden 1928 bis 1930 wichtige Teile des Löwenfrieses wiederhergestellt. Der restliche Aufbau, so die oberen Wandteile in Form von Lehmverputz, die farbigen Mauerkronen mit Treppenzinnen, aber auch Teile des Schmuckfrieses selbst, sind aus modernen Ergänzungen gefertigt. [Joachim Marzahn]
Kultisches Wasserbecken
Vorderasiatisches Museum
Dieses ursprünglich aus einem monolithischen Block herausgearbeitete Becken wurde völlig zersplittert in einem der Höfe des Assur-Tempels gefunden. Unter Verwendung vieler Originalteile konnte es im Museum rekonstruiert werden. An den Ecken und in der Mitte jeder Seite sind Wassergötter mit übersprudelnden Gefäßen nachgebildet. Die Wasserstrahlen kommen von oben – aus dem Himmel – und enden unten – in der Erde. In den Zwischenräumen stehen mit Fischhäuten bekleidete Priester, die Eimer und kleine Kultgeräte in den Händen tragen. Die Innenflächen des Beckens, das vermutlich zur Verrichtung kultischer Handlungen diente, blieben dagegen unverziert. Eine mehrfach wiederholte Keilinschrift nennt den Namen des assyrischen Königs Sanherib (704–681 v. Chr.).
Stiftmosaik- Wandverkleidung; Teil einer Podestfassade des Innenhofs des Eanna-Tempels
Vorderasiatisches Museum
Südöstlich und südwestlich der Zikkurat des Königs Urnammu wurden im Tempelbezirk von Eanna in Uruk bei den Ausgrabungen mehrere große Kultgebäude entdeckt, die in ihren architektonischen Überresten unmittelbar übereinanderliegend der Schichtengruppe VI-IV zuzurechnen sind. Bereits diese Relikte großartiger Architekturschöpfungen kennzeichnen die den Schichten VI-IV gleichzusetztende Periode als einen Höhepunkt einer der ältesten Stadtkulturen Mesopotamiens. Ebenfalls in die späte Uruk-Zeit mit ihrer bemerkenswerten Monumentalarchitektur gehört im Zusammenhang mit einem administrativen Rechnungswesen die Erfindung eines Schriftsystems, das Zahl- und Bildzeichen verwendete und auf Tontafeln fixiert wurde. Bestandteil einer mehrgliedrigen Kultanlage in Eanna, dem Tempelbezirk der Stadtgöttin Inanna, ist ein rechteckiger Hof, der auf der SW- und NW-Seite von höher gelegenen Terrassen flankiert wird. Auf der sogenannten Pfeilerterrasse im NW erhob sich eine offene quergelagerte Halle mit vier Paar gewaltigen Rundpfeilern und vier Halbrundpfeilern. In der Achse des dritten Interkolumniums war die Terrasse zu einem Podest erweitert worden, von dem aus man über zwei seitliche Treppen den Hof erreichen konnte (Schicht IVb). Diese Podestfassade betont die Mitte der nordwestlichen Hofseite und ist zwischen den (in der Rekonstruktion auf der Abbildung nicht berücksichtigten) Treppen zum Hof hin reich gegliedert: Die Schauseite wird von doppelt abgetreppten Nischen dominiert, die Pfeiler dazwischen waren mit jeweils zwei senkrechten Ritzlinien geschmückt. Stiftmosaiken füllen die Nischenspiegel mit bunten geometrischen Mustern aus. Den oberen Abschluss der Podestfassade bilden vier durchlaufende Reihen von ungefärbten Tonstiften mit dekorativen Grubenköpfen, in den Abmessungen deutlich größer als das übliche Format (Durchmesser 3,0 cm). Die Dekorationsmuster der acht verschiedenen Stiftmosaikfelder in den Nischen dürften ihr Vorbild in einer Flechtwerktechnik haben. Nach dem Ausgrabungsbefund folgen, von links beginnend, die flächenfüllenden Muster Zickzack (in horizontaler Orientierung), Rauten (unten als Dreiecke beginnend), Dreiecke, Dreiecke, Rauten, Dreiecke, Zickzack (in vertikaler Orientierung, unten als Dreiecke beginnend) und Rauten. Die Kompositionsregeln der Dekoration, die Abfolge und der Wechsel von statisch und dynamisch empfundenen Mustern können als Vorstufen zur Stiftmosaikdekoration der jüngeren Pfeilerhalle in Uruk (Stufe IVa) gelten. [Ralf-Bernhard Wartke]