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Object type: Becher
Glasbecher mit Szenen aus der kalydonischen Jagd mit Atalante und Meleager.
Kunstgewerbemuseum
Zylindrischer Gefäßkörper mit eingestochenem Boden. Auf der Wandung umlaufende Szene, Atalante übergibt Meleager den Pfeil, im Wald zwei Amoretten und ein Wildschwein. MAKR
Becher aus Rubinglas
Kunstgewerbemuseum
Kleiner, sich konisch weitender Becher aus dickwandigem Rubinglas von himbeerroter Farbe, Boden hohl geschliffen mit Standring, die Wandung ist zehnfach vertikal facettiert und am Ansatz mit vertieften und polierten Rundbögen in Schälschliff versehen, der Mündungsrand plangeschliffen. Das Glas ist krank. Die Becherform ist mehrfach für die Potsdamer Glashütte in der Zeit ab 1680 bis um 1700 belegt, überwiegend aus farblosem Glas (vgl. Keisch/Netzer, Herrliche Künste und Manufacturen, 2001, Kat. 140, 142, 143, 145, 149; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 12.1). Die Veste Coburg sowie die Schatzkammer der Münchner Residenz verwahren je ein sehr ähnliches Glas, mit knapp 11 cm Höhe lediglich ein wenig größer (Kerssenbrock-Krosigk, Rubinglas, 2001, Kat. 84, 85, S. 174, 175). Die Facetten lassen den Farbton des Rubinglases je nach Wandungsstärke mal Tiefrot, mal Rosa erscheinen. Diesen hellen Ton hat ebenfalls ein anderer sehr ähnlicher Becher im Naturalienkabinett Waldenburg mit einer Höhe von 11,7 cm, der sich direkt mit dem Glasmacher, Alchemisten und ersten Leiter der Potsdamer Hütte Johann Kunckel (um 1635–1703 in Verbindung bringen lässt (Theuerkauff-Liederwald, Becher-Gläser, 2007, Abb. 2, S. 182). [Verena Wasmuth] MAKR
Becher mit mecklenburgischem Wappen
Kunstgewerbemuseum
Becher aus dickwandigem, farblosem Glas, graustichig, Bodenkugel, der Standrand trägt Vertiefungen im Schälschliff, darüber am Ansatz der Wandung ein Fries aus großen, geblänkten Kugelungen. Die Schauseite der Wandung ist mit einem bekrönten Medaillon in Mattschnitt geschmückt, umlaufend mit der Inschrift: HERTZOG ZU MECKLENBURG V. G. G. ADOLPH FRIDERICH; darin das siebenfeldrige Wappen Mecklenburgs, beidseitig gehalten von einem stehenden Stier und einem stehenden Greifen, darunter die Jahreszahl "1715". Die Gegenseite trägt einen großen mattierten Kreis mit zahlreichen großen, polierten Kugelungen, die in der Durchsicht interessante optische Reflexe erlauben, den beiden dazwischen liegenden Seiten sind einfache Ranken eingeschnitten. Der verwärmte Mündungsrand ist mit liegenden Oliven dekoriert. Der geblänkte Kugelschliff ist charakteristisch für die Potsdamer Glashütte. Der stilistische Vergleich macht eine Verortung nach Böhmen ebenso wahrscheinlich, doch spricht die Abbildung des mecklenburgischen Wappens eher für eine norddeutsche Herkunft dieses Vivatglases auf Adolf Friedrich III. Mecklenburg [-Strelitz] (1686–1752). Weder die Provenienz noch das anlassstiftende Ereignis im Jahr 1715 lassen sich vorbehaltslos ausmachen. [Verena Wasmuth] MAKR
Becher mit Kinderbacchanten
Kunstgewerbemuseum
Konischer Becher aus farblosem, dickwandigem Glas mit Standring im Brilliantschliff (später Steinelschliff), darüber ein versenkter und mattierter Spitzbogenfries, große Bodenkugel. Die Wandung ist umlaufend mit der mattgeschnittenen Darstellung des Triumphzugs des Bacchus auf seinem leopardengezogenen Wagen dekoriert, begleitet von Kinderbacchanten und einem flötespielenden Satyr auf einem baumbestandenen Landschaftssockel. Den beschliffenen Mündungsrand ziert ein geblänkter Perlfries. Ein ehemals wahrscheinlich zugehöriger Deckel fehlt. Das Glas ist fortgeschritten krank. Das Sujet findet sich mehrfach auf brandenburgischen Gläsern und variiert lediglich in der Anordnung der dargestellten Akteure und darin, ob der Wagen von Leoparden oder Bacchanten gezogen wird (vgl. Stiftung Stadtmuseum Berlin, Inv. Nrn. II 60/229 A und II 62/517 A; Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Inv. Nr. XIII 1022; Schade, Deutsches Glas, 1968, Kat. 60–62; Berckenhagen, Berliner und märkische Gläser, 1956, Kat. 15, 24). Eine Nähe zur Werkstatt Gottfried Spillers (um 1663–vor 1728) ist im Vergleich stilistischer Merkmale denkbar. [Verena Wasmuth] MAKR
Becherglas mit Reiterfigur und Inschrift
Kunstgewerbemuseum
Zylindrischer Gefäßkörper mit eingestochenem Boden. Der Fußrand mit weißer Strichzeichnung, auf der Wandung eine Reiterfigur. Dem gegeüber Inschrift: "Hap, hap daß megtlein ist knap, und obes mir gleich nicht werdten kan, so hab ich doch mein Freutt daran 1685" MAKR
Becher mit Kriegstrophäen und Sprüchen
Kunstgewerbemuseum
Sehr schwerer Becher aus bernsteinfarbigem bzw. gelbem Glas, leicht grünlich, Bodenkugel mit spiegelbildlicher Umschrift, die beim Blick in den Becher gelesen werden kann: Ich liebe dich gleich wie nach. Die Schauseite der Wandung ist mit einem von einem Helm mit Federn bekrönten Medaillon geschmückt, in dem ein Soldat mit Degen an der Seite und Flinte über der Schulter dargestellt ist. Gerahmt wird das Medaillon von reichen Kriegsarmaturen. Die Gegenseite trägt die Inschrift: VIVANT AMICI FIDELES / VICTORIA / VICTORIA / VICTORIA (Es leben die treuen Freunde, Sieg, Sieg, Sieg), Mündungsrand verwärmt. Das Glas war zerbrochen und wurde geklebt. Der berühmte Alchemist Johann Kunckel (um 1635–1702) beschrieb in seinem Standardwerk zur Glasmacherkunst gleich mehrere Verfahren, um gelbes Glas herzustellen, beispielsweise durch die Zugabe von Blei (Kunckel, Ars vitraria experimentalis, 1679, S. 58–60). Die besondere Schwere dieses Bechers lässt die Vermutung zu, dass er nach dieser Rezeptur in der Potsdamer Glashütte entstand, möglicherweise noch zu Kunckels Anwesenheit in Potsdam, also vor 1692. Der Spruch am Becherboden zeigt sich erst nach dessen Leeren und mag gelesen werden als Freundschaftsversprechen. [Verena Wasmuth] MAKR
niedriger Becher mit Adler und Greif
Kunstgewerbemuseum
Niedriger, leicht gebauchter Becher aus dickwandigem, graustichigem Glas, Boden hochgestochen, Mündungsrand verwärmt. Die Wandung ist umlaufend mit einem Landschaftssockel mit Blumen in feinem Tiefschnitt sowie Häusern und Bäumen in zartem Diamantriss dekoriert, darauf – gegenübergestellt – ein großformatiger Adler sowie Greif. Während der Adler ganz naturalistisch abgebildet ist, auf einem Ast sitzend und dabei den Kopf wendend, schreitet der Greif nach heraldischen Grundsätzen voran. Der Adler personifiziert als brandenburgisch-preußisches Wappentier, der Greif sehr wahrscheinlich Hinterpommern, das mit dem Westfälischen Frieden 1648 an Brandenburg-Preußen gefallen war. Die Form dieses schweren Glases spricht für eine Datierung noch ins 17. Jahrhundert. Sie lässt im Grunde keine regionale Einordnung zu, allerdings verweist das Sujet auf Brandenburg. Als Hersteller infrage kommen die Potsdamer Glashütten in Drewitz, die von 1674 bis 1688 aktiv war, und jene auf dem Hakendamm, ab 1679 unter der Leitung von Johann Kunckel (um 1635–1703). Beide Hütten lieferten Hohlgläser mit Schnittdekor. Mit dem Diamanten gerissene Dekore hingegen sind gänzlich untypisch für brandenburgische Gläser. Diese Veredelungsmethode war in den Niederlanden verbreitet und ist ebenfalls aus Nürnberg, in den Arbeiten Schwanhardt-Schwinger-Schule aus der Zeit um 1680 überliefert. Allerdings sind diese Beispiele ausnahmslos auf dünnwandigen Hohlgläsern zu finden und selten in Kombination mit Tiefschnitt, wie hier. Möglicherweise besteht hier ein Ansatz für die Zuschreibung an Dessauer Glasschneider, die in Drewitz arbeiteten. [Verena Wasmuth] MAKR
Blauer Becher mit allegorischen Szenen in Emailmalerei
Kunstgewerbemuseum
"Es ist ein 11 cm hoher, tiefblauer Becher mit hohlem Fußring und leichtem Bodenstich. Oben zieht sich ringsherum eine feine Goldborte aus der die Worte SOLI DEO GLORIA LAUS ET ONOR ETC ausgespart sind. Den Körper schmückt nicht wie gewönlich eine geschlossene Dartsellung, sondern einzelne Szenen reihen sich ohne erkennbaren Zusammenhang aneinander: 1. Eine Frau, in der Rechten einen blutigen Krummsäbel, in der Linken ein bärtiges Männerhaupt tragend. Also zweifellos Judith. 2. Eine sitzende nackte Frau, die mit der Linken auf eine vor ihr kniende, nur mit leichtem Schleier bekleidete Frau weist, deren Arme auf dem Rücken gefesselt sind. Die sitzende Frau hält in der Rechten ein Spruchband: IRE AMANTIUM REINTEGRATIO AMORIS EST. Man mag die Gruppe auf Venus deuten, die eine erzürnte Liebende zurechtweist. 3. Zwei Reiter auf weißen Rossen, scheinbar in Kampf verstrickt. Die Szene undeutlich, weil der eine Pferdekopf die Figuren zum größten Teil verdeckt. Hinter ihnen eine Portikusarchitekrur mit großen halbrund geschlossenen Giebeln und zwei weißen Greifen auf den Ecken. Eine exakte Deutung dieser Szene ist unmöglich, jedenfalls soll der Kampf zweier Nebenbuhler dargestellt werden. 4. Eine kniende Frau, die eine Vase in den Händen hält, auf der Amor mit verbundenen Augen kniet, in der Rechten einen Pfeil, in der Linken ein Glas mit rötlicher Flüssigkeit (Liebestrank?) haltend. Davor kniet ein bärtiger Mann, die Hände flehend erhoben. Daß er der Macht Amors erlegen ist, beweisen die Worte des von dem drachenförmigen Hals der Vase ausgehenden Spruchbandes: SIC FATA IUBENT. Für diese Szene läßt sich eine Deutung vorschlagen: jedenfalls wird man in dem knienden Paar Jason und Medea zu suchen haben." aus; R. Schmidt, Die venezianischen Emailgläser des 15. und 16. Jahrhunderts, in: Jahrbuch der Königlich-Preußischen Kunstsammlungen, Bd. 32, Berlin, 1911 Das Glas wurde sehr wahrscheinlich während des II. Weltkrieges zerstört und gilt als verschollen. MAKR
Becher
Kunstgewerbemuseum
Silberbecher, innen vergoldet, mit breitem, godroniertem Stand und leicht eingezogenem konischen Gefäßkörper. An der Wandung vor punktpunziertem Grund Akanthus- und Muschelornamentik. Gemarkt mit dem Ohlauer Beschauzeichen Rosenberg Nr. 4327 und dem Meisterzeichen des Gottfried Kittel Rosenberg Nr. 4333. LL
Grüner Becher mit mythologischen Figuren in Emailmalerei
Kunstgewerbemuseum
Inventareintrag: "Becher von grünen Glas, Emailmalerei. Auf grüner Wiese 2 Paare gegenübersitzender Sphinge über den Flügeln zusammengebunden, zwischen den Sphingen je 2 Genienköpfe. Die Sphingpaare getrennt durch 2 Gruppen, im Blumenkelch spielender Genien, über und unter dieser Gruppe Genienköpfe. Am Rand des Bechers Vergoldung mit weißen Emailperlen. (Boden geborsten)." Lit.: R. Schmidt, Das Glas, 1922, Abb. 57 Das Stück wurde vermutlich während des II. Weltkrieges zerstört und gilt als verschollen. MAKR
Becher mit Wappen des Fürstbischofs Johann von Ermland
Kunstgewerbemuseum
Zylindrischer Becher aus farblosem Glas, Eisboden mit ausgekugeltem Abriss und Strahlenkranz aus Oliven auf mattiertem Grund in der Art schlesischer Gläser, der unten mit einem Strahlenfacettenkranz verziert ist. Die Wandung trägt das fein geschnittene und gevierte Wappen der Grafen von Hohenzollern, das Stammwappen Zollern und springende Hirsche, im Schild die gekreuzten Zepter des Reichserbkämmereramts, vor einem Wappenmantel, gehalten von einer Fürstenkrone unter einem Bischofshut. Der verwärmte Mündungsrand ist beidseitig vergoldet. Dieses Glas aus der Königlichen Kunstkammer bildete Robert Schmidt 1914 in dem Band "Brandenburgische Gläser" zusammen mit zwei weiteren Erzeugnissen der Zechliner Glashütte ab, nicht ohne seine "schlichte Form" zu betonen und das "leidlich gut geschnittene Wappen". Das Wappen ist Johann Nepomuck Karl von Hohenzollern-Hechingen (1732–1803) zuzuordnen, der von 1795 bis zu seinem Tod Fürstbischof von Ermland war. Daher lässt sich das Glas präzise datieren. [Verena Wasmuth] MAKR
Becher mit Adler und Inschrift
Kunstgewerbemuseum
Sich konisch weitender Becher aus dickwandigem, farblosem Glas mit Manganstich, der Abriss am Boden ist ausgekugelt, der Mündungsrand verwärmt. Die Schauseite der Wandung ist mit einem geschnittenen Oval dekoriert, in dem der brandenburgische Adler mit ausgebreiteten Schwingen, in der rechten Klaue ein Zepter, in der linken ein Palmzweig, über einem Landschaftssockel mit Häusern und Blumen dargestellt ist; darüber der Spruch "SUB UMBRA ALARUM TVARUM" (unter dem Schatten deiner [Schwingen]), darunter die Jahreszahl "1708". Die Gegenseite trägt ebenfalls ein Oval, efeuumrankt, darin die Inschrift "Unter Ho / hem Adlers Schat / ten höflich wieder / umb die Waffen". Dieses Vivatglas auf das preußische Königtum könnte anlässlich mehrerer Anlässe im Jahr 1708 entstanden sein. Infrage kommt die dritte Eheschließung König Friedrichs I. (1657–1713) mit Herzogin Sophie Luise von Mecklenburg-Schwerin (1685–1735). Der militärische Bezug könnte auf das siegreiche Gefecht der preußischen Armee bei der Festung Orsoy gegen die Franzosen am 28. August 1708 verweisen. Die Darstellung Preußens als Schutzmacht mag als Hinweis auf ein weiteres historisches Ereignis gedeutet werden: Am 25. April 1708 brannte nahezu die gesamte Stadt Crossen a. d. Oder (heute Krosno Odrzańskie) nieder. Auf Vermittlung von Kronprinz Friedrich Wilhelm (1688–1740) zahlte die Feuerkasse schließlich die schuldige Summe für den Wiederaufbau aus. Als Hersteller des Bechers infrage kommen neben der Potsdamer Hofglasmanufaktur zwei neumärkische Glashütten, die ihre Waren 1708 mit Schnitt veredelten: Marienwalde und Tornow. Die eher einfache Qualität macht letztere wahrscheinlicher. [Verena Wasmuth] MAKR
Zylindrischer Becher mit Blütenband
Kunstgewerbemuseum
Zwölf verschiedene, sorgfältig gemalte Blüten von zarter Farbigkeit umziehen in lockerer Anordnung diesen Becher. Auf einem Rosenblatt sitzt eine große Fliege, darunter befindet sich die Signatur. Das Blütenarrangement könnte ein Akrostichon bilden, ein verstecktes Wort, das aus den Anfangsbuchstaben der Blumen einen Orts- oder Personennamen ergibt. »Durch die Blume zu sprechen« war, popularisiert durch Bücher, Almanache und Kalender, ein Gesellschaftsspiel der Biedermeierzeit, das gegen 1840 wieder aus der Mode kam. Die Blume war eines der häufigsten Motive dieser Epoche. Die Herausforderung für den Glasmaler lag weniger in der Malerei als in der chemischen Entwicklung einer reichen Farbpalette, um die Blumen möglichst naturgetreu wiedergeben zu können. SN
Becherglas mit den Brustbildern Friedrich I. und Sophie Charlotte von Preußen
Kunstgewerbemuseum
Zylindrischer Becher aus farblosem Glas mit einigen Einschlüssen, leicht hochgestochener Boden mit Abriss, die Wandung ist umlaufend mit polychromer Emailmalerei dekoriert: Der Bodenrand in opakem Amethyst, darüber eine Fiederblattbordüre in Weiß mit schwarzen Details sowie eine breitere Bordüre aus einem opakgelben, roten und blauen Streifen zwischen weißen Zackenlinien, ebenfalls mit einem schwarzen Akzent, ein Ornament aus ovalen Ringen. Das mittlere Register ist auf der Schauseite mit dem kurbrandenburgischen Zepter auf rotem Grund zwischen gekreuzten Zweigen mit feiner Binnenzeichnung in Schwarz geschmückt, bekrönt von dem Kurhut. Zu beiden Seiten verläuft folgende Inschrift in Weiß: ANNO DOMINI / 1693 / CHUR BRANDEN/BURCK. Die Gegenseite zeigt nebeneinander zwei große Medaillons mit den polychromen Bildnissen eines Mannes mit Allongeperücke sowie einer Frau mit seitlich am Kopf hochgesteckten Locken auf weißem Grund. Darüber befindet sich eine weitere breite Bordüre aus weißer Wellenlinie, schwarzer, roter sowie gelber Linie, erneut mit dem schwarzen Ornament aus ovalen Ringen, sowie einem weißen Zackenband. Der Mündungsrand ist mit einem weißen Blattkranz mit blauen Blüten dekoriert, akzentuiert in Schwarz und Rot. Im unteren Register verläuft ein durchgängiger Sprung. Die angegebene Jahreszahl macht als Hersteller dieses Bechers entweder die kurfürstliche Glashütte in Grimnitz oder in Marienwalde (heute Bierzwnik) wahrscheinlich, die beiden einzigen brandenburgischen Manufakturen, die damals mit Malerei veredelten (Friese, Glashütten in Brandenburg, 1992, S. 6, 7, 45; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, S. 15). Dargestellt sind sicherlich der damalige Kurfürst Friedrich III. (1657–1713) und seine Gemahlin Sophie Charlotte von Hannover (1668–1705), die er 1684 geehelicht hatte. Es handelt sich um idealisierte Bildnisse. Welches Ereignis Anlass zu dem Glas gegeben hat, bleibt Spekulation: 1693 gründete Friedrich III. die Universität in Halle (Saale), im gleichen Jahr begann der Bau des Berliner Zeughauses. [Verena Wasmuth]
Becher mit brandenburgischem Kurzepter
Kunstgewerbemuseum
Sich konisch weitender, schwerer Becher aus dickwandigem, farblosem Glas mit einzelnen Luftblaseneinschlüssen, Boden mit ausgekugeltem Abriss, die Wandung ist mit zwölf Längsfacetten beschliffen. Über einer umlaufenden Fiederblattbordüre ist die Schauseite der Wandung mit einem Wappenschild in Mattschnitt dekoriert, die das Kurzepter zeigt, darüber die Umschrift: VIVAT CHUR BRANDENBURG. Zu den Seiten wurden einfache Blumenstauden platziert, alle anderen Facetten sind mit je vier übereinandergesetzten großen, polierten Kugelungen geschmückt. Den verwärmten Mündungsrand ziert ein dünnes Band aus nebeneinandergesetzten, mattierten Halbkügelchen. Die Facettierung der Wandung, die Blumenstauden sowie die großen Kugelungen sind typisch für böhmische Gläser, allerdings auch auf brandenburgischen überliefert (vgl. Keisch/Netzer, Herrliche Künste und Manufacturen, Kat. 136, 137, 139, 142, 161). Dekor und Umschrift sprechen für letzte Provenienz. Infrage als Hersteller aus kurfürstlicher Zeit kommen die Potsdamer Glashütten in Drewitz bzw. auf dem Hakendamm sowie die neumärkische Hütte in Marienwalde (heute Bierzwnik). [Verena Wasmuth] MAKR
Ranftbecher mit Kornähren und Schmetterlingen
Kunstgewerbemuseum
"Zart und stimmungsvoll wirkt die in Transparentemailfarben auf das klare Glas gemalte Darstellung eines Kornfeldes. Die Kornähren scheinen sich im Wind zu wiegen, blaue Kornblumen und roter Klatschmohn setzen Farbakzente. Fünf Schmetterlinge fliegen über das Feld. Die Transparenz des Glases und der aufgetragenen Farben führt zu dem reizvollen Effekt, dass der Dekor der gegenüberliegenden Wandung durch das vordere Motiv hindurchscheint, so dass Dichte und Bewegung des Kornfeldes fein nachempfunden werden. Der untere breite Rand (Ranft) der vorkragenden Fußplatte ist mit einem geschliffenen Goldkantendekor versehen. Den oberen Lippenrand ziert ein schmales, gelbgeätztes Band mit einer Abfolge aus Vergissmeinnicht und liegenden, dreizackartigen Ornamenten. Glas ist ein Material mit vielfältigen Gestaltungs- und Wirkungsmöglichkeiten. Es kann opak wie ein Halbedelstein wirken oder zart und fragil. In heißem Zustand kann es geformt und überfangen, in kaltem Zustand geschliffen und bemalt werden. Der Becher könnte eine Gemeinschaftsarbeit des Wiener Porzellan- und Glasmalers Anton Kothgasser (1769–1851) und des böhmischen Malers Joseph Havlic[z]ek (Hablischek, Lebensdaten unbekannt) gewesen sein. Kothgasser war zunächst ab 1784 an der Wiener Porzellanmanufaktur als Dessin- und Goldmaler tätig, widmete sich ab 1816 jedoch zunehmend der Glasmalerei, wobei er mit anderen Malern, wie Havlic[z]ek, zusammenarbeitete. Die Motivik des Ährenfeldes mit Schmetterlingen findet sich auch in der gleichzeitigen Porzellanmalerei. Botschaften in Form von Natursymbolen zu überbringen, war in der Biedermeierepoche beliebt. Bisweilen integrierte man in den Dekor erläuternde Bildunterschriften. So standen Ähren und Feldblumen für Fruchtbarkeit, Schmetterlinge für Flatterhaftigkeit, aber auch Unsterblichkeit." (Claudia Kanowski, in: Details! 100 Lieblingswerke im Kunstgewerbemuseum, Dresden, Berlin 2018, S. 161) ClKa
Sturzbecher in Form einer Neidfeige
Kunstgewerbemuseum
Der Sturzbecher ist aus Elfenbein gearbeitet in Gestalt eines langen Lederhandschuhs, der eine Faust bildet, wobei der Daumen zwischen Zeige- und Mittelfinger gesteckt ist. Man bezeichnet dies als Neidfaust, Feigenhandschuh oder Neidfeige (Fica). Die Geste diente als Abwehrzeichen gegen z. B. den bösen Blick, Dämonen und Verwünschungen. Als erotisches bzw. obszönes Symbol wird sie ebenfalls verwendet. MAKR
Museum Europäischer Kulturen
Becher mit Henkel, weiß glasiert mit blauer Bemalung (Pflanzen, in der Mitte eine männliche Figur mit einer Fahne) Im äußeren Becherfuß "J. Roig G. Espanol"
Ethnologisches Museum
Kleine, tiefe Schale mit hohlem Standfuß und leicht konkaver Wand. Das Objekt wurde beidseitig geglättet, geschlämmt, grundiert, bemalt und poliert. Grundierung und Bemalung sind partiell erodiert. Das Gefäß besitzt eine kleine Bruchstelle. Die Keramik hat eine orange-braune Grundfarbe, die schwarz, schwarz-braun und rot bemalt ist. Am Rand verläuft beidseitig ein rotes Band. Auf der Außenseite der Gefäßwand befindet sich ein umlaufender Fries, der ineinander verflochtene Linien zeigt. Ihre Schlaufen bilden Dreiecke und Rhomben, die mit Punkten verziert wurden. Die Motive scheinen Textil oder Flechtwerk zu imitieren. Die tiefständigen Körperpartien werden durch ein umlaufendes, rotes Band dekoriert. Der Standfuß ist rot bemalt. Auf der Innenseite der Schalenwand verlaufen drei unterrandständige, schwarze Bänder. Das oberste Band besitzt ein Strich-Punkt-Dekor. Nach Lothrop 1926: Nicoya polychrome ware. Kulturelle Bedeutung: die Keramik der Mora-Gruppe wurde im Nordwesten von Costa Rica hergestellt und nach dem Zentralen Hochland und der Atlantikregion des Landes gehandelt. Sie verwendet darstellerische Elemente (sitzende anthropomorphe Figuren mit Kopfschmuck, Matten-Motiv, Kan-Kreuz), die auch aus der Maya-Keramik (Copador-Gruppe) des Clásico Tardío (900-600d.C.) bekannt sind. Die Variante wurde sowohl in Bestattungen als auch in Siedlungskontexten dokumentert. Lange (1971) verbindet die Mora-Keramik mit dem Typ Bramadero Policromo (1520-1200d.C.), der im Policromo Tardío (1520-1350d.C.) auftritt. Die Gefäßform und die Verzierung der Innenseite korrespondieren mit der Variante Mora. Das Dekor der Außenwand charakterisiert dagegen die Variante Guabal (1200-800d.C.). (Künne 2004)