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Object type: Bogenhalter
Ethnologisches Museum
Während der andere hier abgebildete Bogenhalter das gemessene und vergeistigte Frauenbild zeigt, das die Kunst der Luba meist charakterisiert, ist die Gestaltung dieses Stückes sehr ungewöhnlich: Die runden Linien von Kopf, Frisur und Körper fließen ineinander, ohne von Geraden und Ecken unterbrochen zu werden, und steigern sich in der fast sphärischen Darstellung der gewölbten Stirn – ein weibliches Schönheitsmerkmal – und der Wangenknochen. Auch die v-förmig schräg stehenden Augen, die hervorgehobene, breite Nase und die deutlich gezeichneten fleischigen Lippen sind untypisch für die Formsprache der Luba. Trotz der Ferne zu jeglichem Naturalismus erreicht die Plastik im Vergleich zu den verbreiteteren Luba-Frauenskulpturen eine emotionalere, damit wirklichkeitsnähere Wiedergabe der Quintessenz weiblicher Schönheit – zu Ehren einer bestimmten Frau oder der Frauen allgemein. / P.I. [SM8HF]
Ethnologisches Museum
Eine weibliche Figur mit einem Dreizack als Kopfaufsatz und einem Erdspieß unter den Füßen. Mit Kreuzfrisur und Tatuierungen am Leib.
Ethnologisches Museum
Die Verbindung der runden, organischen Formen der weiblichen Figur mit der Symmetrie und geometrischen Musterung des krönenden Dreizacks steigert den visuellen Reiz des Bogenhalters. Manchmal auch aus Eisen hergestellt, hatten die Bogenhalter bei den Luba ihre ursprüngliche Funktion zum Aufhängen von Bogen und Köcher verloren und waren eine der heiligsten Verkörperungen der Macht der Könige und Amtsinhaber. Sie erinnerten an die Kulturheroen, Jäger und Meisterschmiede Mbidi Kiluwe und Kalala Ilunga, die den Überlieferungen zufolge das Luba-Königreich gegründet hatten, und wurden nie in der Öffentlichkeit gezeigt. Die empfindsam dargestellte Frauenfigur mit den schönen Schmucknarben weist auf die Auffassung hin, dass die Frauen aus den Herrschergeschlechtern die Garantinnen der Kontinuität des Königtums waren: Man dachte, dass sie zwischen ihren Brüsten dessen Geheimnisse hüteten – deshalb auch die Geste der Hände – und dass sie in ihren Körpern den Geist verstorbener Ahnen beherbergten. / P.I.
Ethnologisches Museum
Historischer Hauptkatalog: "Bogenhalter (Holzgabel) des Sultans 218 cm lg. Dazu Eisenschuh 16,8 cm lg. von Buddu" Vorbesitzer Rukiga, 'chief' von Buddu, Provinz des Königreichs Buganda, ein Teil davon lag durch die koloniale Grenzziehung auf deutscher, der größere Teil davon auf britischer Seite, in Uganda am Westufer des Viktoria-Sees. Der 26. ‚kabaka‘ (Titel des Königs/Herrschers) des Königreichs Buganda hatte das wohlhabende Buddu Ende des 18. Jahrhunderts annektiert. Aneignungskontext Paul Kollmann, Lieutnant der sogenannten Kaiserlichen Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika und 1896 Stationschef von Bukoba am Westufer des Viktoriasees, suchte Rukiga im November 1895 in seiner Residenz auf. Grund hierfür war, dass sich Rukiga weigerte, katholische Ganda in seinem Gebiet zu dulden bzw. anzusiedeln und sich damit Anordnungen der Deutschen wiedersetzte. Den Erwerb des Objekts beschreibt Kollmann wie folgt: "In der Empfangshütte des Sultans, welche im grossen und ganzen leer war und ebenfalls die größte Sauberkeit zeigte, war bemerkenswert ein grosser, oben gabelförmiger Stock, an welchem der Bogen des Häuptlings hing. Das Original wollte mir dieser zunächst absolut nicht geben, that dies aber nach längerem Schauri und nachdem er mehrere Geschenke erhalten hatte (siehe Fig. 7. Der Bogen war Karagwe-Arbeit)." (Paul Kollmann 1898, Der Nordwesten unserer Ostafrikanischen Kolonie, Berlin: Alfred Schall, S. 12). Quellen Paul Kollmann (1898): Der Nordwesten unserer Ostafrikanischen Kolonie, Berlin: Alfred Schall, S.11. Kollmann, Paul (ca. 1900): Auf deutschem Boden in Afrika. Berlin: Alfred Schall. Weiß, Max (1910): Die Völkerstämme in Norden Deutsch-Ostafrikas. Berlin: Verlag von Carl Marschner. Wrigley, Christopher (2010): Kingship and State: The Buganda Dynasty. Cambridge: Cambridge University Press. SMB-PK, EM, I/MV 717, E 456/1897