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Object type: Deckelhumpen
Personifikationen der Frühlingsmonate
Kunstgewerbemuseum
An der Wandung dieses Deckelhumpens mit Henkel im Knorpelwerkstil befinden sich drei aus Akanthuslaub gebildete Kartuschen. Sie enthalten Darstellungen geflügelter Putten in antikischer Tracht mit Schild und Blumenstrauß, im Hintergrund gravierte Landschaften. Auf den Schilden der Putten erscheinen die Tierkreiszeichen Widder, Stier und Zwillinge. Mit seinen reichen Blumendarstellungen und den Tierkreiszeichen symbolisiert der Deckelhumpen den Frühling. Zugehörig ist ein ähnlicher Humpen mit Darstellungen der Sommermonate im Danziger Nationalmuseum. Beide sind im Auftrag des Danziger Bürgermeisters Nicolaus von Bodeck (1611-1674) entstanden. Dessen Wappen und Monogramm sind beim Berliner Exemplar in die Innenseite des Deckels graviert. Lothar Lambacher
Tobias und der Erzengel Raphael
Kunstgewerbemuseum
Der laut Meistermarke von dem Danziger Goldschmied Hieronymus II Holl angefertigte Deckelhumpen zeigt zwei Szenen aus dem Buch Tobit, einem deuterokanonischen Buch des Alten Testaments. Tobias ist der fromme Sohn des erblindeten Tobit. Der Erzengel Raphael begleitet Tobias auf einer Reise nach Ekbatana, nimmt sich seiner an und hilft ihm, seinen Vater von der Blindheit zu heilen. Auf Raphaels Weisung ergreift Tobias einen Fisch, dessen Herz, Leber und Galle er als Heilmittel bewahrt und damit seinen Vater von der Blindheit heilt. Das Fischerlebnis des Tobias wird wegen der christologischen Deutung der Buchstaben des griechischen Wortes "Fisch" auf Christus bezogen. Am Deckelhumpen des Hierinymus II Holl erscheinen an den Seiten der Wandungen zwei Szenen aus der Tobias-Geschichte nach grafischen Vorlagen aus Matthäus Merians Bilderbibel Icones biblicae (Frankfurt/Main 1627): Jeweils in Begleitung des Erzengels Raphael ergreift Tobias den Fisch, in der anderen Darstellung schultert er ihn. Lothar Lambacher
Walzenkrug mit silbervergoldeter Montierung
Kunstgewerbemuseum
Humpen aus dickwandigem, farblosem, etwas graustichigem Glas, die Bodenkugel ist von einer tiefgeschnittenen Blütenrosette gerahmt, auf eine runde Platte mit Standring gesetzt, nicht gestaucht, der Standring mit feiner Montierung aus vergoldetem Silber, die Kantenverzierung aus erhabenen Jakobsmuscheln, angesetzter Ohrenhenkel, der an einer Manschette die Deckelmontierung hält, die aus Spangen und einem naturalistisch geformten Adler als Bekrönung gebildet wird. Der Ansatz des walzenförmigen Humpens ist mit einem versenkten und mattierten Spitzblattdekor verziert. Die Wandung zeigt umlaufend große Blüten- und Früchtefestons mit vereinzelten fliegenden Vögeln und Insekten, den verwärmten Mündungsrand schmückt ein Bogenfries in Schälfschliff. Der Deckel ist ebenfalls aus Glas geformt, gerahmt von einer getreppten Montierung in Anlehnung an den Fuß. Auf dem Deckel findet sich das bekrönte, großformatige Monogramm FR für Fridericus Rex zwischen gekreuzten Palmzweigen. Die Wandung hat einen durchgehenden Sprung gegenüber des Henkels. Da außer einem Tremolierstrich keine Punzen vorhanden sind, lässt sich kein Goldschmied zuordnen. Sehr wahrscheinlich datiert dieser repräsentative Walzenkrug in die Regierungszeit König Friedrichs I., in die Jahre 1701 bis 1713. Die hängenden Frucht- und Blumenbündel waren ein wiederkehrendes Motiv der Werkstatt von Martin Winter (um 1640–1702), die nach seinem Tod von seinem Neffen Gottfried Spiller (um 1663–1728) weitergeführt wurde. Dieses Glas glorifiziert mit seinem Bildprogramm die neugewonnene Königswürde des Hauses Hohenzollern: das bekrönte Monogramm dominiert das Gefäß, wird flankiert von Palmzweigen, Symbol für Sieg, Triumph, Frieden und ewiges Leben; Früchte und Blumen stehen für Wohlstand und Fruchtbarkeit, der imposante Adler des königlichen Hausordens wirkt, als ob er jeden Moment in die Lüfte steigt. [Verena Wasmuth] MAKR
Darstellung der Taufe Christi
Kunstgewerbemuseum
Der Deckelhumpen zeigt an seiner Wandung die Darstellung der Taufe Christi im Jordan. Zu Seiten von Christus und Johannes dem Täufer erscheinen zwei Paare von Assistenzfiguren: links im Rücken Jesu ein aus dem Fluss steigender Mann in mittleren Jahren und ein am Ufer stehender Alter mit Bündel, rechts am Ufer eine stehende Frau und ein vor ihr sitzender unbekleideter Jüngling. Im Bereich des Griffs ist die Szene durch einen Baum geteilt. Am Deckel erscheinen abwechselnd Muscheln und Puttenköpfe, am Griff eine groteske Blattmaske. Kugel und Kreuz in der Mitte des Deckels sind offenbar erst später hinzugefügt. Dies könnte womöglich als Hinweis auf eine Um-Nutzung des Humpens als protestantische Abendmahlskanne angesehen werden. Bereits 1688 ist das Gefäß im Bestand der Churfl. Raritäten Cammer - der Kunstkammer des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm - in Berlin nachweisbar: "[...] eine gantz Elffenbeine Kanne worauff die Tauffe Johannis geschnitzt." LL
Reliefzonen mit Kampf- und Triumphszenen
Kunstgewerbemuseum
Zylindrischer Körper mit drei umlaufenden, durch glatte Bänder getrennte Reliefzonen. Leicht gewölbter Deckel mit drei Rundmedaillons mit Köpfen en profil, dazwischen Blattranken. Gewirtelter Deckelknauf, Deckeldrücker als Halbfigur eines Engels sowie Bandhenkel. Schmaler, profilierter Fußring auf drei Engelsköpfen. Reliefzonen: In der Mitte zwischen gerahmten Rundmedaillons kämpfende Männer vor einem auf einem Thron sitzenden Herrscher sowie in Wiederholung ein von drei Pferden gezogener Triumphwagen mit einer Achse. Die Rundmedaillons sind Abgüsse der Vorder- und Rückseite einer 1545 entstandenen Medaille von Conze Welcz mit der Geburt Christi und der Umschrift "DEVS HOMO FACTUS EST" sowie der Anbetung der Könige und der Umschrift "15 G 45 GENTES IN CHRM SPERANT". Oben und unten spielende Putten zwischen vier Rundmedaillons mit Köpfen en profil bzw. einem Fries mit Kinderfiguren, deren Unterkörper in eine Wellenranke übergeht. Ohne Marken. GR (Hintze I, Nr.1432 h)
Bauchiger Humpen mit Schild und Trophäen
Kunstgewerbemuseum
Inventareintrag: "Humpen, bauchig, weiß Fayence, blau gemalt mit Schild von Trophäen umgeben, darauf Mühlig 1780. Mit Zinndeckel. Fh[ligiert, unterstrichen, darunter:] H [ergänzt:] Frankfurt a/O. Fabrik F.C. Heinrich. Vgl. Falke, Altberliner Fayencen Abb. 56 c. Deutschland 1780. H." Der Deckelhumpen ist seit dem II. Weltkrieg verschollen. MAKR
Darstellung der Bekränzung des Herakles
Kunstgewerbemuseum
Der Humpen folgt in seiner Form der natürlichen, leicht gekrümmten und im Querschnitt ovalen Form des Elefantenstoßzahns. Die Hauptszene ist in eine der beiden breiten Seiten geschnitzt, sodass sie betrachtet werden kann, während man den Griff des Gefäßes mit der Rechten fasst: Herakles, bekleidet mit dem Fell des Nemeischen Löwen, wird durch eine bekrönte weibliche Figur mit Lorbeer bekränzt. Der Held hat die Keule abgelegt und stellt seinen linken Fuß darauf – die zwölf Herkulestaten sind geleistet, der Heros ist in die Welt der Götter auf den Olymp entrückt und hat Unsterblichkeit erlangt. Nach der Versöhnung mit seiner ewigen Verfolgerin Hera, der Gemahlin des Zeus, gaben ihm die Götter deren Tochter Hebe, die Göttin der Jugend, zur Frau. Der Figurenfries an der Wandung des Deckelhumpens zeigt den gealterten Herakles umgeben von reizvollen Nymphen, jugendlichen Satyrn und verspielten Putten. Das Thema der Darstellung zielte offenbar bewusst auf jene herrschaftlichen Käufer solcher Prunkgefäße ab, die sich mit dem antiken Helden identifizieren wollten. Die Reliefs führen das Schönheitsideal des mittleren 17. Jahrhunderts anschaulich vor Augen. Die ihnen gewiss zugrunde liegenden grafischen Vorlagen konnten bislang noch nicht identifiziert werden. Der Elfenbeinschnitzer, wohl der Augsburger Ferdinand Murmann (1604–1675) aus dem Umkreis des Bildhauers Georg Petel (1601/02–1634), hat es – wie die Rückenfigur in der Detailabbildung zeigt – nicht immer vermocht, die gezierten Körperwendungen der Figuren anatomisch korrekt auszuführen. Das Werk zählt zu einer kleinen Gruppe eng verwandter Elfenbeinhumpen mit Silbermontur, deren Entstehung in der Mitte des 17. Jahrhunderts in Augsburg durch die Stadtmarke und das Meisterzeichen des Goldschmieds Andreas I Wickert (1600–1661) gesichert ist. LL