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Object type: Figürlicher Leuchter
Figürlich gestalteter Leuchter mit Faunsknaben und Schlangen
Kunstgewerbemuseum
Auf ovaler Plinthe ist ein hockender Faunsknabe dargestellt, der zwei Schlangenköpfe in den Händen hält. Der Griff des Leuchters ist aus den Schlangenkörpern gebildet, die vor den Knien des Jungen ineinander verschlungen sind. Der Tragekorb auf dem Rücken des Jungen bildet die Kerzentülle. Blaue und grüne Scharffeuerbemalung. Der Entwurf geht auf Wilhelm Süs zurück, dem technischen und künstlerischen Leiter der Karlsruher Majolika Manufaktur // ClKa
Samson-Leuchter
Kunstgewerbemuseum
Der 1834 im Schaalsee gefundene Leuchter zählt zu einer etwa ein Dutzend Werke umfassenden Gruppe figürlicher Leuchter aus dem 12. und 13. Jahrhundert, die den Löwenbezwinger Samson darstellen. Dieser gilt in der christlichen Typologie, der Lehre von den Entsprechungen zwischen Altem und Neuem Testament, als alttestamentliches Vorbild für Christus. Der Löwenkampf des Samson, der dem Untier mit bloßen Händen das Maul auseinanderreißt (Richter 14, 6), ist Gleichnis für den Sieg des Guten über das Böse, des Lichtes über die Finsternis. Der Berliner Samson-Leuchter macht diesen Triumph in bildhafter Weise sinnfällig: Der Kampf ist entschieden, der noch immer furchterregende Löwe ist, wie seine kraftlos eingeknickten Hinterläufe verdeutlichen, bezwungen. Samson kann sich ganz dem Schultern des Kerzenhalters widmen. Sein demonstrativer Griff mit der Linken an das Ohr des Tieres ist eine bedeutungsvolle Geste, die im Mittelalter leicht verstanden wurde: „testes sunt per aures tracti“ („die Zeugen sind beim Ohr genommen worden“) ist eine weit verbreitete Schlussformel zeitgenössischer Notariatsurkunden. Samson macht damit den besiegten Löwen zum Zeugen seiner eigenen Stärke. Zum Reittier gebändigt, wird der Unhold in den Dienst des Lichtes gezwungen. Stilistisch ist der Leuchter durch die flache Modellierung der Figur des Samson, den eigentümlichen Kopftypus des Löwen mit den naturfernen Augenbögen, die sich zu Knoten einrollenden Locken der Mähne und den reichen ornamentalen Schmuck aus geperlten Streifen und punzierten Linien gekennzeichnet. Während die Forschung zunächst wegen des Fundorts eine Entstehung im nahegelegenen Lübeck vermutete, wurde später mit Verweis auf stilistisch verwandte Türzieher und Aquamanilien auch Magdeburg als Herstellungsort des Samson-Leuchters in Erwägung gezogen. LL
Ritter-Leuchter
Kunstgewerbemuseum
Dem Rücken eines Ritters in voller Rüstung mit kegelförmigem Spangenhelm, Kettenhemd, Stachelsporen und "normannischem" Schild - seine einst mit der Rechten geführte Lanze ist verloren - entwächst ein vegetabiler Stängel mit einer vierblättrigen Kelchblüte, die als Tropfschale dient. Die Beine des Pferdes sind unnatürlich nach vorne gebogen, wahrscheinlich ist diese eigentümliche Haltung das Resultat eines Fehlers bei der Ausführung des Gusses. Unter den wenigen erhaltenen Ritter-Leuchtern des Mittelalters ragt dieses Exemplar durch seine äußerst lebhafte Formgebung heraus. Ungewöhnlich ist auch die Art der Verbindung von Figur, Tropfschale und Dorn, die ihre nächste Parallele bei der Leuchterfigur einer Reiterin im Pariser Louvre findet. Lothar Lambacher
Altarleuchter in Gestalt eines Bergmanns
Kunstgewerbemuseum
Die Leuchterfigur erscheint in der Bergmannstracht des 17. Jahrhunderts mit Hemd und Kniehose sowie einem ausladenden Arschleder, das zusammen mit der seitlichen Tasche für das Tscherpermesser von einem Leibriemen gehalten wird. Das Haupt des Häuers ist mit Schachthut und Schweißtuch bedeckt. Mit der Linken schultert der Bergmann eine flache Erzmulde, in der Rechten hält er den Griff der Tropfschale. Es handelt sich um ein Exemplar eines als Altarleuchter dienenden Leuchterpaares (der andere Leuchter, Inv. Nr. 1885,1, ist beschädigt). Durch Stadtmarke und Meistermarken auf einem zweiten, aus der gleichen Form gegossenen Exemplar (ebenfalls im Kunstgewerbemuseum der Staatlchen Museen zu Berlin, Inv.Nr. 1885,1) ist der Bergmannsleuchter als Werk des Schneeberger Kannegießers Johann George Junghans (um 1661-1728) gesichert. Das dem Zinnguss zugrunde liegende Figurenmodell stammt wahrscheinlich aus der Werkstatt des Schneeberger Bildhauers Andreas Petzold (1628-1703). Lothar Lambacher (Hintze I, Nr. 1194)
Leuchterfigur auf Adlerfuß sitzend
Kunstgewerbemuseum
Auf einm Adlerfuß sitzende männliche Figur, die Linke in die Hüfte gestemmt, mit der Rechten einen auf den Schultern aufliegenden Kelch aus Akanthusblättern haltend. Das als Tischleuchter dienende Gerät ist aus einem Stück gegossen, die Einzelheiten - bis auf den als Kerzentülle dienenden Blätterkelch - wenig durchgebildet. Die sehr einfache Arbeit gibt sich als das Werk eines schwachen Nachahmers des Riccio zu erkennen. Unbeholfen wirkt zumal die Art der Verbindung der verschiedenen Bestandteile, von denen die ornamentale Kerzentülle am besten gelungen ist. Auf Grund der dem Leuchter Inv. Nr. 1890,216 verwandten Gestaltung der Tülle soll hier die Leuchterfigur diesem Stück angeschlossen werden. Klaus Pechstein
Dreiflammiger Leuchter mit Elfenbeinfigur, welche von Stängeln einer Silberdistel umschlungen wird
Kunstgewerbemuseum
Den mystischen Naturbezug des Symbolismus, ähnlich wie bei Gallé (siehe Nr. 88), spiegelt auch dieses Werk des belgischen Jugendstils wider. Eine elfenbeinerne Frauengestalt wird umschlungen von den über sie hinauswachsenden Stengeln einer Silberdistel. In ihrer zurücklehnenden Haltung folgt sie dem bewegten, aufstrebenden Wuchs der Distel, wird fast zu einem Teil der Pflanze, während diese in der agressiv erscheinenden, sie fesselnden Umarmung etwas Animalisch-Lebendiges verkörpert. Mensch und Pflanze stehen in einem kreatürlichen Wechselspiel und verschmelzen trotz der stark kontrastierenden Materialien zu einer Einheit, werden zu Symbolen der sie verbindenden Lebenszyklen von Werden und Vergehen. Im Lichterspiel brennender, flackernder oder verlöschender Kerzen, die in den Distelköpfen gehalten werden, mag sich die symbolistisch-philosophische Dimension des Ästhetizismus vom Fin de siècle eindrücklich offenbart haben. Barbara Warncke aus Kunstgewerbemuseum Berlin, Prestelführer, 1998, Kat. Nr. 90 MAKR