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Object type: Gewebe verziert
Breiter Zierstreifen mit figürlichen und geometrischen Motiven
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Der Zierstreifen aus Seide ist auf ein Leinengewebe aufgenäht. Vermutlich handelt es sich um einen Clavus (Längsstreifen), der einst eine Tunika schmückte. Eingefasst durch schmale Streifen mit gereihten Zackenmotiven ist in der breiten Mittelbahn ein aus verschiedenen Komponenten zusammengesetztes Muster zu sehen, das Rätsel aufgibt: Nach den überlieferten Beschreibungen ist es in Blau, Rot, Gelb, Weiß und Grün ausgeführt. Rechts sind drei menschliche Halbfiguren, vermutlich um einen Tisch sitzend zu erkennen, darunter ein nach links laufendes Tier mit volutenartigen Körper. Über der mittleren Figur schwebt eine weitere Figur mit nach links ausgestreckten Händen und nach rechts gestrecktem, nur teilweise erhaltenem Körper. Diese Szene ist links durch einen senkrechten Streifen mit Rautenstab begrenzt. Weiter links schließen sich geometrisch stilisierte, nicht identifizierbare Tiere an, eines davon schlangenähnlich. Links außen ist ein mit einer gegürteten Tunika bekleideter Mann in Frontalansicht mit erhobenen Armen dargestellt, rechts von ihm ein am Boden liegendes großköpfiges Tier, möglicherweise Löwen. Darüber sind kleine, bizarr verformte menschliche Gestalten wiedergegeben. Die Szenen scheinen in einem narrativen Kontext zu stehen, doch erschließt sich ihre Bedeutung aufgrund der stark stilisierten Wiedergabe der einzelnen Motive nicht. Oskar Wulff und Wolfgang Fritz Volbach zogen den Besuch der drei Engel bei Abraham nach dem Buch Genesis 18,15 und Daniel in der Löwengrube nach dem Buch Daniel aus dem Alten Testament in Erwägung. Zugehörige Stücke befinden sich im Röhsska-Museum in Göteborg, in der Eremitage in Petersburg, im Musée de l'Homme in Paris und im Musée des Tissus in Lyon. Der Zierstreifen wird seit dem 2. Weltkrieg vermisst.
Gewebefragment mit Vögeln auf Vase
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Auf ein schlichtes leinenes Grundgewebe ist ein großer Kelch mit konusförmigen Fuß gestickt. Der bauchige Gefäßkörper ist im unteren Teil mit Kanneluren versehen; den oberen Teil zieren drei senkrechte, mit Wellenbändern bzw. Winkelmotiven gefüllte Streben in der Mitte und beidseitig dazu Kreuzblüten aus je vier kleinen Herzblättern mit Punkten in den Zwickeln. S-geschwungene Henkel setzen außen an. Den unteren Teil des Kelches begleiten feine Weinranken an den Außenseiten. Auf dem oberen, von Zickzacklinien umspielten Rand sitzen zwei einander zugewandte Vögel. Sie picken an einer Traube, die zwischen ihnen aus dem Gefäß herauszuwachsen scheint. Das Motiv entspricht dem auf der Wirkerei Inv. 6982 des Museums für Byzantinisch Kunst und geht auf das gleiche Vorbild zurück. Die Stickerei, vor allem das Gefäß, ist handwerklich souverän ausgeführt. Die Wirkerei befindet sich heute im Puschkin-Museum in Moskau und ist dort unter Inv. KT 559 erfasst. Literatur: O. Wulff und W. F. Volbach, Spätantike und koptische Stoffe aus ägyptischen Grabfunden, Berlin 1926, S. 137, Taf. 85; O. Lechitskaya, Coptic textiles, The Pushkin State Museum of Fine Arts, Moskau 2010 (russisch), S. 334-335, Nr. 177.
Fragment einer quadratischen Wirkerei mit Christusmonogramm
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die einst quadratische Wirkerei stammt vermutlich vom Dekor einer Tunika. Das quadratische mittlere Bildfeld enthält einen hellen Kreis, den ein großes Christusmonogramm einnimmt. Es besteht aus einem gleicharmigen ockergelben Kreuz mit geschweiften Enden und grünem Mittelpunkt sowie einem roten und einem grünen, sich zu den Enden verbreiternden Diagonalbalken. Zwischen den Kreuzarmen liegen rote und grüne Punkte. Die Zwickeln außerhalb des Kreises füllt je ein weiß-gelber Kreispunkt. Ein breiter Rahmen mit einer stilisierten Weinranke aus grünen Blättern in ockergelber Umrandung auf rotem Grund umläuft das zentrale Quadrat. Den äußeren Rand bilden gereihte, durch schmale Linien voneinander getrennte Punkte auf dunkelviolettem Grund. Die Wirkerei befindet sich heute im Puschkin-Museum in Moskau und ist dort unter Inv. KT 556 erfasst. Literatur: O. Wulff und W. F. Volbach, Spätantike und koptische Stoffe aus ägyptischen Grabfunden, Berlin 1926, S. 111, Taf. 33 und 85; O. Lechitskaya, Coptic textiles, The Pushkin State Museum of Fine Arts, Moskau 2010 (russisch), S. 338-339, Nr. 179.
Fragmente einer quadratischen Wirkerei mit pflanzlichen Motiven
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die Mitte der quadratischen Wirkerei, die vermutlich einst zum Dekor einer Tunika gehörte, nimmt eine große, aus vier gelb-grünen Blüten und länglichen Blättern in Rottönen zusammengesetzte Kreuzrosette ein. Sie ist von einem dunklen Kreis umschlossen, den wiederum ein quadratischer, schlichter dunkler Rahmen fasst. In den Zwickeln liegen kleine rote Blattmotive. Die außen umlaufende Randzone, ebenfalls in dunkler Rahmung, ziert ein rot-weißer Herzblütenstab auf ockergelbem Grund. Zwischen den Herzblüten liegen jeweils zwei grüne Punkte. Die Wirkerei befindet sich heute im Puschkin-Museum in Moskau und ist dort unter Inv. KT 557 erfasst. Literatur: O. Wulff und W. F. Volbach, Spätantike und koptische Stoffe aus ägyptischen Grabfunden, Berlin 1926, S. 112-113, Taf. 85; O. Lechitskaya, Coptic textiles, The Pushkin State Museum of Fine Arts, Moskau 2010 (russisch), S. 138-139, Nr. 59
Quadratischer Einsatz mit dionysischen Gestalten
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Der quadratische Einsatz könnte sowohl zu einem Kleidungsstück als auch zu einem Ausstattungstextil gehört haben. Außen begrenzt ihn eine umlaufende Reihe gestielter Punkte. Das quadratische Bildfeld in der Mitte ist von einer breiten Rahmenborte umgeben, die ein Kreisband enthält, in dessen Medaillons sich springende Tiere befinden (Hunde, Hasen, Löwen und Greif). Die Zwickel zwischen den Medaillons füllen pfeilblattförmige Weinblätter. Im zentralen Bildfeld sind auf hellem Grund zwei menschliche Gestalten aus dem Umkreis des Dionysos inmitten von Weinranken in Frontalansicht wiedergegeben: rechts ein nackter Jüngling mit angewinkeltem rechten Arm und erhobener Linken, mit der er einen Zweig hält; links von ihm eine Mänade in langer Tunika und Manteltuch mit einem Apfel in der erhobenen Linken und einem Füllhorn im rechten Arm. Der Einsatz wird seit dem Zweiten Weltkrieg vermisst. Literatur: O. Wulff und W. F. Volbach, Spätantike und koptische Stoffe aus ägyptischen Grabfunden, Berlin 1926, S. 43, Taf. 69
Gewebefragment mit Baum
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
In ein helles Leinengewebe ist ein Bäumchen mit welligem Umriss und grünem Blattgrund in feinen Schattierungen eingewirkt. Aus dem dünnen Stamm wachsen an feinen gelben Zweigen vier rosafarbene Knospen mit hellen Kelchblättern in kreuzförmiger Anordnung hervor. Mit ähnlichen Motiven wurden im spätantiken Ägypten Wandbehänge, Decken oder große Tücher verziert. Die Wirkerei befindet sich heute im Puschkin-Museum in Moskau und ist dort unter Inv. KT 552 erfasst. Literatur: O. Wulff und W. F. Volbach, Spätantike und koptische Stoffe aus ägyptischen Grabfunden, Berlin 1926, S. 11, Taf. 9; O. Lechitskaya, Coptic textiles, The Pushkin State Museum of Fine Arts, Moskau 2010 (russisch), S. 144-145, Nr. 64.
Quadratische Wirkerei mit Wachtel in Kranz
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Im quadratischen roten Feld, das von einer blauen und orangefarbenen Linie eingefasst ist, ist ein Kranz aus weißen, gelben und rosa Blüten auf dunkelgrünem Blattgrund mit hellgrünen und blauen abstehenden Blättchen an den Rändern wiedergegeben. In die Zwickel wachsen vom Kranz ausgehend links oben eine weiße achtblättrige Blütenrosette mit gelbem Kern, recht oben und links unten eine weiße Lilien hinein. Der Blütenkranz rahmt einen Vogel in der Bildmitte, vermutlich ein Rebhuhn oder eine Wachtel mit feinen, violettgrauen Flügeln und blauen, sichelförmigen Brustfedern. Wahrscheinlich gehörte die Wirkerei zum Schmuck einer Tunika. Die Wirkerei befindet sich heute im Puschkin-Museum in Moskau und ist dort unter Inv. KT 551 erfasst. Literatur: O. Wulff und W. F. Volbach, Spätantike und koptische Stoffe aus ägyptischen Grabfunden, Berlin 1926, S. 11, Taf. 10; O. Lechitskaya, Coptic textiles, The Pushkin State Museum of Fine Arts, Moskau 2010 (russisch), S. 281-283, Nr. 150.
Runder Besatz mit Löwendarstellung
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
In der Mitte des großen runden Besatzes ist auf rotem Grund ein nach links springender Löwe mit voller Mähne und langem, zwischen den Hinterläufen unter den Körper geschwungenen Schwanz dargestellt. Die Rippen des Tieres sind mit dunklen Linien gezeichnet, das Fell auf den Füßen und Läufen ist durch grüne Zackenlinien angedeutet. Die Tatzen sind mit langen weißen Krallen in schwarzer Kontur versehen. Direkt unter dem Löwenkörper verläuft ein blautes Band mit weißen Perlen. Stilisierte pflanzliche Motive füllen den Hintergrund vor dem Löwenkörper und über dem Rücken. Die äußeren Bahnen der dreiteiligen Randzone sind mit bunten Chevrons gefüllt, die breite mittlere Bahn schmücken gereihte herzförmige Blüten mit grünen Kelchblättern, die mit der Spite auf drei kleine, dunkel umrandete Kästchen treffen, die eine Art Körbchen bilden. Zwischen den Blütenmotiven liegen jeweils zwei grüne Punkte. Oben und unten, sowie mittig an den Seiten treffen die Blüten auf blaue kreuzförmige Motive mit dunkler Umrandung und hellem Kern. Dort wechselt jeweils die Laufrichtung der Blüten. Runde Besätze in unterschiedlichen Größen sind ein typisches Dekorelement für Tuniken. Die Wirkerei befindet sich heute im Puschkin-Museum in Moskau und ist dort unter Inv. KT 560 erfasst. Literatur: O. Wulff und W. F. Volbach, Spätantike und koptische Stoffe aus ägyptischen Grabfunden, Berlin 1926, S. 145-146, Taf. 37; O. Lechitskaya, Coptic textiles, The Pushkin State Museum of Fine Arts, Moskau 2010 (russisch), S. 273-275, Nr. 146.
Kleine Decke mit Rautenmuster
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die kleine Decke ist bis auf einen umlaufenden Rahmen flächendeckend mit einem Rautengitter verziert, das stellenweise beschädigt ist. Die großen Rauten sind durch sich kreuzende Diagonalen gebildet, in die Ton-in-Ton ein feineres Rautenmuster gewebt wurde, das wiederum durch Linien aus kleinen gereihten Quadraten, abwechselnd in gelb und rot, eingefasst ist. Die Rautenfelder enthalten gelbe Fruchtkörbe mit hellroten Früchten auf grünem ausgezackten Blattwerk in der ersten und dritten Reihe, in der zweiten Reihe und vierten Reihe Rosetten. Ein doppelter Rahmen aus wiederum Ton-in-Ton eingearbeiteten Streifen umsäumt das verzierte Innenfeld. Zwischen den Rahmenlinien liegen kleine broschierte Kreuzmotive in unterschiedlichen Farben. Literatur: O. Wulff und W. F. Volbach, Spätantike und koptische Stoffe aus ägyptischen Grabfunden, Berlin 1926, S. 14-15, Taf. 47
Quadratisches Zierelement mit Reiter auf Biga
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Ein Blütenstab mit roten Herzblüten und grünen Kelchblättern auf hellem Grund rahmt das zentrale Bildfeld der Wirkerei auf drei Seiten. In den oberen Ecken liegen Kreuzrosetten, die untere Kante ist nicht erhalten. Im Innenfeld ist in Frontalansicht auf schwarzblauem Grund eine menschliche Gestalt in einem kelchförmigen Wagen abgebildet, der beidseitig von je einem nach außen springenden Panther mit zurückgewendetem Kopf begleitet wird. Die Figuren sind in Weiß mit blau-schwarzer Binnenzeichnung wiedergegeben. Der Wagenlenker trägt eine ockerfarbene (= goldene) Krone auf dem Kopf. Mit seiner ausgestreckten Rechten hält er einen goldenen Ring, der entsprechend auf der anderen Seite zu ergänzen ist. Ein ebenfalls goldener Gürtel fixiert seine Tunika in der Taille. Der goldene Wagen, der sich über einem Rad mit roten und blauen Einlagen erhebt, ist mit nachempfundenen Edelsteinen (rechteckigen Smaragden und einem runden Rubin) und weißen Perlen geschmückt. Die Panther, deren Hals ein rotes Band ziert, scheinen den Wagen zu ziehen. Die Darstellung geht zurück auf den Himmelsflug Alexanders des Großen. Hier ist sie stark verkürzt wiedergegeben und nur in Kenntnis anderer Denkmäler mit Himmelfahrtsdarstellungen zu deuten. Die Apotheose, die Vergöttlichung eines Menschen, versinnbildlicht durch die Himmelfahrt, ist eines der beliebtesten Motive in der spätantiken und mittelalterlichen Kunst. Es war sowohl im Osten als auch im Westen verbreitet. Die Wirkerei befindet sich heute im Puschkin-Museum in Moskau und ist dort unter Inv. KT 555 erfasst. Literatur: O. Wulff und W. F. Volbach, Spätantike und koptische Stoffe aus ägyptischen Grabfunden, Berlin 1926, S. 16.17, Taf. 46; O. Lechitskaya, Coptic textiles, The Pushkin State Museum of Fine Arts, Moskau 2010 (russisch), S. 318-320, Nr. 170.
Fragment einer Wirkerei mit figürlicher Darstellung
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das Wirkereifragment - vermutlich Teil eines Clavus (Längsstreifens) oder einer Borte einer Tunika - zeigt eine figürliche Darstellung in zwei Bildzonen, die durch eine helle Ornamentlinie aus arabischen Pseudoschriftzeichen voneinander abgesetzt sind. Oben sind zwei nach links schreitende Figuren mit gelben Nimben wiedergegeben. Sie tragen ein grünes, im Brustbereich verziertes Oberteil, gelbe Hosen und dunkelgrüne Stiefel. Mit ihrer Linken schultern sie lange grün-gelbe Stäbe, von denen dreistreifige Wedel nach rechts flattern. Ornamentale Motive füllen die Zwischenräume. Unten sind dicht gedrängt drei gleichförmige, offenbar sitzende Gestalten zu sehen. Auch sie sind sind mit Nimben ausgestattet, blicken aber nach rechts. Soweit erkennbar sind sie in eine ähnlich orientalisierende Tracht gekleidet wie die beiden oberen Figuren. Die linke hält wieder einen diagonal vor den Körper geführten, zweifarbigen Stab. Ikonographisch gibt die Darstellung Rätsel auf. Die Tatsache, dass mehrere, zueinander in Beziehung stehende Figuren wiedergegeben sind, spricht jedenfalls für einen narrativen Zusammenhang. Bereits vorgeschlagen wurde eine Deutung der oberen Figuren als Kundschafter (Num 13, 1-30) und der Besuch der Engel bei Abraham (Gen 18) unten. Doch lässt sich diese Interpretation nicht untermauern. Paarweise angeordnete Figuren in ähnlicher Tracht wie bei den Personen im oberen Register finden sich zum Beispiel auf den Clavi einer Tunika in Stuttgart oder einem der Clavi der Tunika in Chicago (siehe Inv. 4678) in Verbindung mit Krippensszene, Christus- und Heiligendarstellungen, aber auch in diesem Kontext bleibt ihre Deutung offen. Die Dreiergruppe im unteren Register erinnert an drei gleichgroße und in dieselbe Richtung blickende Gestalten, die in Verbindung mit einer gelagerten Figur auf einigen großen runden Besätzen z. B. in Riggisberg und in Manchester, vorkommen, auf denen wahrscheinlich Szenen aus dem zweiten Teil der Josefsgeschichte wiedergeben sind (siehe dazu Inv. 9838). Wen sie konkret darstellen, kann jedoch nicht gesagt werden.
Zierstreifen mit Flechtbandranke, Kreuz und Tieren
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Der hier waagerecht ausgerichtete Zierstreifen (clavus) bildete einst einen von zwei Längsstreifen einer Tunika, in deren Grundgewebe er direkt eingewirkt wurde. Die rahmenden Streifen an den Längsseiten bestehen aus einem nach außen geöffneten Zinnenfries mit Punkten in den Lücken. Die breitere mittlere Bahn nimmt ein Band aus sieben miteinander verschlungenen Medaillons ein, von denen dreilappige Weinblätter zwischen Punkten nach außen abzweigen. Die Medaillons umschließen von rechts nach links eine Antilope, eine Vase, aus der verschlungene Weinranken wachsen, einen Hasen und ein weiteres vierbeiniges Tier mit getupfter Fellzeichnung. Die Tiere laufen auf ein Medaillon zu. In dieses ist als einziges farbiges Element im ansonsten auf dem für die Spätantike typischen Hell-Dunkel-Effekt basierenden Dekor ein gleichschenkliges gelbes Gemmenkreuz eingefügt. Dessen geschweifte Arme schmücken grüne, blaue und rote Juwelen imitierende Quadrate. Ein purpurfarbener Kreis mit hellem Kern liegt jeweils über und unter den Kreuzarmen. Nach dem Gemmenkreuz ändert sich die Laufrichtung der Motive, die sich in den beiden folgenden, noch erhaltenen Medaillons spiegelbildlich wiederholen. Das Grundgewebe oberhalb des Kreuzes weist eine antike Reparatur auf. Es ist die Stelle, an der die Halsöffnung der Tunika ansetzt. Das Gewebe ist dort oval beschnitten, mit einem Flicken unterlegt und sauber gesäumt worden. In dem Zierstreifen wurden wie bei einer Reihe vergleichbarer clavi typische Motive der klassischen Antike wie Jagdtiere, Weinranken und oft auch dionysische Figuren mit dem christlichen Symbol des Gemmenkreuzes kombiniert – ein in spätantiker Zeit nicht ungewöhnliches Phänomen. Als Ausdruck allgemeiner Lebensfreude standen sie nicht im Widerspruch zu christlichen Glaubensauffassungen, hier bekundet durch das Kreuz, das ursprünglich an markanter Stelle auf Schulterhöhe der Tunika saß.
Quadratische Wirkerei mit Kantharos und Vögeln
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die quadratische Wirkerei ist von einem doppelten Rahmen außer einem schlichten schwarzblauen Rand außen und einer durch feine helle Linien abgesetzten Bahn mit einem Zickzackmuster gefasst. Die Zacken bestehen aus abwechselnd ockergelben und roten Balken, dazwischen liegen weiße Dreiblätter. Das Innenfeld, ebenfalls in dunkler Umrandung zeigt auf hellem Grund ein mit nachgeahmten rechteckigen Edelsteinen (ein Saphir und zwei Rubine auf einem goldenen Band) verziertes Gefäß mit Henkeln. Zwei Vögel sitzen auf dem oberen Gefäßrand (grün und blau) trinken aus dem mit Wasser gefüllten Kelch. In den unteren Ecken liegen tropfenförmige rote Blüten mit grünen Kelchblättern. Das Bildmotiv geht auf griechische Vorbilder zurück. Der Historiker Plinius (23/24-79 n. Chr.) beschreibt zum Beispiel ein Mosaik aus Pergamon mit aus einem Kantharos trinken Tauben, das als Vorbild für viele spätantike Werke, u. a. ein Mosaik im Mausoleum der Galla Placidia in Ravenna (ca. 440 n. Chr.) diente. Die Wirkerei befindet sich heute im Puschkin-Museum in Moskau und ist dort unter Inv. KT 558 erfasst. Literatur: O. Wulff und W. F. Volbach, Spätantike und koptische Stoffe aus ägyptischen Grabfunden, Berlin 1926, S. 15, Taf. 15; O. Lechitskaya, Coptic textiles, The Pushkin State Museum of Fine Arts, Moskau 2010 (russisch), S. 332-333, Nr. 176.
Quadratischer Einsatz mit dionysischer Gestalt
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Den quadratischen Einsatz umläuft außen eine Weinranke mit Blättern in den Windungen. Dem mittleren Quadrat ist ein Kreis eingeschrieben, in dem aus hellem Grund ein nackter Eros sich nach rechts bewegt. In seiner erhobenen Linken hält er eine große herabhängende Traube, in der gesenkten Rechten ein hakenförmiges Werkzeug, mit dem eventuell ein Messer gemeint ist. Kleinere Blätter füllen den Hintergrund. In die Zwickeln um den Kreis sind Rosetten in feiner Fadenzeichnung eingearbeitet. Ähnliche Motive finden sich bei einer Reihe von Wirkereien wieder, die in Achmim gefunden wurden, so zum Beispiel bei Inv. 4675 und 9002 des Museums für Byzantinische Kunst. Weitere Parallelen besitzt unter anderem das Koninklijke Musea voor Kunst en Geschiedenis in Brüssel.
Quadratische Wirkerei mit Büste
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die handwerklich in höchster Qualität ausgeführte Wirkerei ist in ein leinenes Grundgewebe eingearbeitet, von dem nur noch Reste unmittelbar um das Bildmotiv erhalten sind. Sie wurde ausgeschnitten und auf ein anderes antikes, aber nicht zugehöriges Leinengewebe aufgenäht. In dem ringsum von einfachen dunklen Randlinien umgebenen quadratischen Rahmen des Bildeinsatzes ist ein kleineres, ebenso eingefasstes Quadrat eingeschachtelt. Darin ist eine weibliche Büste in Dreiviertelwendung nach rechts auf rotem Grund wiedergeben. Sie trägt ein rotes, auf der rechten Schulter fixiertes Manteltuch (chlamys, pallium), unter der ein blaues Gewand sichtbar wird. Das am Hinterkopf in großen Wellen herabhängende dunkle Haar schmückt ein grünlicher Stirnreif oder eine Binde mit rotem Zierglied in der Mitte. Im breiten Rahmenstreifen sind auf gelbbraunem Grund Edelsteine nachgeahmt: in der Mitte recht und links je ein blaues Rechteck (Saphir) mit weißer Mittellinie, über und unter der Büste je ein grünes Rechteck (Smaragd), gelb (oben) und purpurfarben (unten) gefasst; in den Ecken liegt je ein roter Kreis (Rubin) mit purpurfarbenem Rand. Zwischen den Edelsteinimitaten sind jeweils für weiße Punkte (Perlen) zu einem Quadrat angeordnet. Der Einsatz könnte sowohl von einem Kleidungsstück als auch von einem Ausstattungstextil stammen. Die Wirkerei befindet sich heute im Puschkin-Museum in Moskau und ist dort unter Inv. KT 554 erfasst. Literatur: O. Wulff und W. F. Volbach, Spätantike und koptische Stoffe aus ägyptischen Grabfunden, Berlin 1926, S. 15, Taf. 16 unter ÄM Inv. 11444; O. Lechitskaya, Coptic textiles, The Pushkin State Museum of Fine Arts, Moskau 2010 (russisch), S. 207, Nr. 105.
Einsatz mit Reiter
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die meisterlich gefertigte Wirkerei gehörte zum Dekor einer Tunika. Gerahmt von Vasen, aus denen Weinranken wachsen, ist im zentralen Bildfeld ein Reiter mit zurückgewendetem Kopf und erhobenem Arm auf seinem nach rechts galoppierenden Pferd zu sehen. Das Motiv geht auf ein oft kopiertes Reiterbildnis Alexanders des Großen (356-323 v. Chr.) zurück. Der schraffierte Bildgrund hinter den Motiven scheint das Merkmal einer Weberei in der mittelägyptischen Stadt Achmim zu sein, die seit pharaonischer Zeit bis in die Gegenwart eines der bedeutendsten Textilproduktionszentren Ägyptens ist. Literatur: O. Wulff und W. F. Volbach, Spätantike und koptische Stoffe aus ägyptischen Grabfunden, Berlin 1926, S. 46, Taf. 72.
Gewebefragment mit Einsatz
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Feine Flechtbandmuster und Hell-Dunkel-Kontraste wie bei dem ovalen Einsatz in Blattform sind charakteristisch für die Kunst der Spätantike. Das große Blatt hängt an einem leicht gewundenen Stiel, der in zwei symmetrisch eingerollten Voluten endet. Den Blattrand kennzeichnen runde Lappen mit jeweils einer zarten Rosette. Der untere Blattlappen läuft in einem kleinen gestielten Kleeblatt aus. Im Blattinneren ist ein dreistreifiges Bandgeschlinge wiedergegeben, das eine große Rosette formt. Sie umschließt eine kleine Rosette in der Mitte sowie Weinblätter in vier darum angeordneten hellgrundigen Kreisen. Vergleichbare Motive schmückten häufig große Tücher.
Einsatz mit zwei reitenden Jägern
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Im Innenfeld der quadratischen Wirkerei sind auf fein schraffiertem Grund zwei Reiter bei der Jagd mit Geschossen in den weit zum Wurf ausholenden Armen dargestellt. Die gejagten Tiere, ein Panther und ein Löwe, sind unter den galoppierenden Pferden abgebildet. Die Szene ist außen von einer umlaufenden Ranke mit verschiedenen Tieren - darunter Löwen, Hasen, Panther und Hunde - in den Windungen umrahmt. Die Wirkerei besticht durch ihre äußerst feine Ausführung in höchster handwerklicher Qualität. Sie gehörte einst zum Schmuck einer Tunika mit symmetrisch angelegtem Dekor.
Rundes Gewebefragment mit Weinranke
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das rund zugeschnittene Fragment aus einem größeren Gewebe, dessen Funktion sich nicht mehr bestimmen lässt, ist mit einer konzentrisch angelegten Blattranke verziert. Die Zweige sind so miteinander verschlungen, dass in der Mitte eine Rosette entsteht. Die Äderung der Blätter entstand durch eine feine Binnenzeichnung, ausgeführt in der Technik des so genannten "Fliegenden Fadens". Eine Radiocarbonanalyse zur Altersbestimmung erbrachte einen Datierungsrahmen von 250 bis 430 n. Chr. für diese Wirkerei. (Cäcilia Fluck, 2017)
Gewebefragment mit Vogel
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
In seiner anrührenden Schlichtheit steht dieses Fragment in deutlichem Kontrast zu den zahlreichen Buntwirkereien aus Achmīm mit ihren kleinteiligen, jede noch so kleine Fläche ausfüllenden Mustern und Motiven. Dennoch ist es eines der charakteristischsten Erzeugnisse der lokalen Textilproduktion. Wie eine unbeholfene Zeichnung wirkt das aus rot-blau melierten Wollfäden in einen groben Leinenstoff eingewebte Bild, dessen Bestandteile sich aus horizontal gestrichelten Linien zusammenfügen. Inmitten eines annähernd quadratischen architektonischen Rahmens mit seitlich auslaufenden Rändern oben und unten schreitet ein Vogel nach links. Seine Schwanzfedern stehen waagerecht nach hinten ab, die in türkisfarbener Wolle ausgeführten Beine sind leicht eingeknickt. Robert Forrer deutete den Vogel als Hahn, den er in entsprechend roher und linearer Ausführung gleich mehrfach unter den Achmīmer Textilfunden bemerkt hatte. Er sah in ihm ein christliches Auferstehungssymbol auf den Totenkleidern der Armen. Einige dieser Fragmente mit übereinstimmender Darstellung in leicht variierender Farbgebung finden sich heute in verschiedenen Museumssammlungen wieder. Der Vogel erscheint auch in entgegengesetzter Laufrichtung. Zwei Exemplare weisen jeweils eine Webekante, farbige Randstreifen sowie einen Fransenabschluss auf. Dies spricht neben der Verwendung von recht grobem Grundgewebe dafür, dass die verstreuten Teile von Ausstattungstextilien wie Decken oder Vorhängen stammten und nicht wie Forrer vermutete von Kleidungsstücken. Ihre Eigentümlichkeit spricht für eine Herstellung in derselben Werkstatt.
Borte mit Reiterdarstellung und Rosette in Medaillons
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das Fragment einer Borte zeigt zwei Medaillons, die durch einen kleinen Kreis mit einem sogenannten Krückenkreuz und Palmetten voneinander abgesetzt sind. Beide Medaillons sind durch eine helle Randborte mit fortlaufender Weinblattranke gefasst. Den rechten Kreis füllt eine Rosette mit einem kleinen rotgrundigen Kreis in der Mitte, auf dem wiederum ein kleines Krückenkreuz zu erkennen ist. Der linke Kreis umschließt einen Reiter auf einem gezäumten, nach rechts galoppierenden Pferd. Der Reiter ist mit einer kurzen Tunika und einem Manteltuch bekleidet, von dem ein Zipfel hinter seinem ausholenden Arm flattert. Er richtet eine Lanze gegen eine Schlange unter den Hufen des Pferdes, während zwei geflügelte Gestalten mit Kränzen in den ausgestreckten rechten Armen über ihm schweben. Links neben dem Reiter ist ein weiteres Krückenkreuz mit zwei Kreuzanhängern wiedergegeben. Die Darstellung geht auf ein Motiv der römischen Kaiserikonographie zurück, die den Herrscher als Jäger in Begleitung zweier Victorien zeigt. Victoria, die Personifikation des Sieges, galt als Schutzgöttin der römischen Herrscher. Das Bildmotiv wurde später auf christliche Heilige übertragen. Dass es sich bei dem hier dargestellten Reiter um einen Heiligen handelt, lassen die wiederholt auf der Borte wiedergegebenen Kreuze vermuten. Ohne weitere Attribute ist er jedoch nicht zu identizieren. Ähnliche Darstellungen finden sich auf spätantiken und byzantinischen Seidengeweben wieder.