3 results
Object type: Gewebebahn
Samt mit Pinienapfel und Lanzettblättern
Kunstgewerbemuseum
Auf dunkelrotem Samt stehen in Reihen versetzt große Pinienzapfen, deren Ränder von feinen gezackten Blättern gerahmt werden. Die Zapfen werden von großen, lanzettförmigen Blättern fast vollständig umschlossen, in deren Innerem steht eine feine Blütenranke (stilisierte Hyazinthenblüte?). Zapfen und Lanzettblätter wachsen aus einem Wurzelmotiv, während jeder Pinienzapfen von einer Nelkenblüte bekrönt wird.
Rotes Seidengewebe mit bizarrem Muster
Kunstgewerbemuseum
Am Ende des 17. Jahrhunderts entstanden in den Seidenmanufakturen Europas für eine kurze Zeit prächtige Seidengewebe mit ungewöhnlichen Mustern. Als „komisch, exzentrisch, fantastisch“ hat man sie zunächst bezeichnet, um sich dann im frühen 20. Jahrhundert auf den Terminus „bizarr“ zu einigen. Diese kostbaren Gewebe zählen zu dem Schönsten, was in europäischen Manufakturen produziert wurde und ihre enigmatischen Motive faszinieren noch heute den Betrachter. Bizarr wirken auch die Muster dieser kräftig roten Seide mit ihren amöbenartigen Formen und gedoppelten Maiskolben. Virtuos wurden hierfür zwei unterschiedliche Metallfäden verwebt: vergoldet und glatt der eine, der andere versilbert über Friségarn und dadurch matter im Glanz. In hellblauer Seide wurde ein zartes Binnenmuster darüber gelegt, das bisweilen an Garnelenschwänze erinnert. Blatt- und Blütenranken schnellen pfeilartig aus den Formen empor, durchbohren kleine, sich verjüngende Ovale, durchschießen die nächste Frucht und neigen sich einer anderen zu. Diese seltsamen Gebilde stehen in prachtvollem Kontrast zu einem roten Grund mit gezacktem Gittermuster aus orange und rosa gestreiften Bändern. Darin finden sich kleine Ornamente, die gefassten Schmucksteinen ähneln. Stellenweise verbinden orange-rosa Bögen die parallel laufenden Bänder und verleihen dem zweidimensionalen Design eine dreidimensionale Wirkung. Kleine Rocaillen rahmen die Bänder. 1935 würdigte der Däne Vilhelm Slomanns (1885–1962), Direktor des Kopenhagener Kunstindustrimuseet von 1923 bis 1949, diese besonderen Gewebe erstmals in einer Ausstellung. Er zeigte damals elf Gewebe aus Berlin, von denen heute noch sieben erhalten sind. Auch das hier vorgestellte Gewebe zählte dazu und wurde von Slomanns zu den drei schönsten der Kopenhagener Ausstellung gerechnet. CW
Seidengewebe mit Jahreszeiten-Fächern
Kunstgewerbemuseum
Dieses prachtvolle Seidengewebe illustriert die Vollkommenheit der japanischen Seidenweber. Vor silbergrauem Fond stehen in freier, asymmetrischer Verteilung neun goldgerahmte Fächer mit unterschiedlich weit geöffneten Blättern. Jeder Fächer ist mit lilafarbenen Glücksknoten geschmückt, deren lange, lose Bänder algenartig hin- und herschwingen. Sie überkreuzen sich in lockerem Verlauf mit goldfarbenen Wellenbändern, deren aufsteigende s-förmige Schwünge eine sich kräuselnde Wasseroberfläche simulieren. Die Darstellungen auf den Fächern geben den Verlauf der Jahreszeiten wieder, von der Kirschblüte des Frühjahrs über die Schneeballblüten, die Hahn und Henne im Frühsommer begleiten, zu hochsommerlichen Schmetterlingen und über die rot-gold gefärbten Ahornblätter des Herbstes hin zur winterlichen Darstellung einer Ente auf eisigem Wasser unter von Raureif bedeckten Zweigen. Die Schönheit des Gewebes wird durch den feinfühligen Einsatz der Farben, durch die Wahl der Garne sowie durch wechselnde Bindungseffekte bestimmt. So finden sich alle kräftigen Töne in den Fächern, ausgeführt in ungezwirntem Garn, das auf der Vorderseite flottiert und dadurch besonders plastisch wirkt. Ein Bindungswechsel, Satinbindung für den Grund außerhalb der Fächer und Ripsbindung innerhalb der Fächer, führt zu unterschiedlichen Grautönen, denen jedoch dasselbe silbergraue Garn zugrunde liegt. Das Gewebe entstand als Musterprobe in den Werkstätten von Kawashima Jinbei, eines noch heute führenden japanischen Seidenherstellers. 1886 besuchte Kawashima Jinbei II (1853–1910) Berlin, zusammen mit Graf Yajiro Shinagawa (1843–1890), der von März bis Dezember 1886 als Kaiserlicher Gesandter in Berlin akkreditiert war. Bei dieser Gelegenheit überreichte der Graf die Gewebeprobe dem preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm (1831–1888, reg. 1888), der sie 1887 dem Kunstgewerbemuseum übergab. CW