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Object type: Grabstein
Grabplatte von Ramón de Cardona
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Skulptur von Ramón de Cardona. Teil eines seinerzeit von Margarita de Bellera als Grabstätte in der Kirche Sant Gil in Torà de Riubregós, Segarra (Spanien), für sich und ihren Ehemann Ramón de Cardona beauftragten Grabmals. Zugehörige Reliefs befinden sich in der Walters Art Gallery in Baltimore (Inv. Nr. 2711). Die drei Objekte wurden identifiziert und veröffentlicht von Francesca Español Beltrán, "El sepulcre de Ramon de Cardona i Margarida de Bellera de Torà de Riubregós: El retorn des de la diàspora al seu escenari primitiu", Lambard. Estudis d'art medieval, Vol. XXV (2013-2014), S. 197-216.
Grabplatte von Margarita de Bellera
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Skulptur von Margarita de Bellera. Teil eines seinerzeit von Margarita de Bellera als Grabstätte in der Kirche Sant Gil in Torà de Riubregós, Segarra (Spanien), für sich und ihren Ehemann Ramón de Cardona beauftragten Grabmals. Zugehörige Reliefs befinden sich in der Walters Art Gallery in Baltimore (Inv. Nr. 2711). Die drei Objekte wurden identifiziert und veröffentlicht von Francesca Español Beltrán, "El sepulcre de Ramon de Cardona i Margarida de Bellera de Torà de Riubregós: El retorn des de la diàspora al seu escenari primitiu", Lambard. Estudis d'art medieval, Vol. XXV (2013-2014), S. 197-216.
Grabstein des Heinrich IV. Beyer von Boppard (gest. 1355)
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die große und für ein Einzelgrabmal relativ breite Platte zeigt eine Randleiste mit umlaufender Inschrift zwischen Linien, einen aufwendigen architektonischen Rahmen und in einer eingetieften Nische die in voller Rüstung dargestellte Figur Heinrichs IV. Über dem Bogen der rahmenden Architektur und seitlich der Kreuzblume befinden sich zwei Wappen: rechts das Familienwappen mit nach links steigendem und gekröntem Löwen und links zwei gekreuzte Schlüssel als Symbol des königlichen Burggrafenamts, das Heinrich seit 1331 am Bopparder Königshof innehatte. Der Ritter hat seinen Kopf auf einen prachtvoll mit gekröntem Löwen (Anspielung auf das Familienwappen) verzierten Kübelhelm gebettet, der bei Turnieren über die Beckenhaube gezogen und im Nahkampf nach hinten abgeworfen werden konnte. Seine Füße ruhen auf zwei nach innen gewandten kleinen Hunden. Heinrich ist vollständig gerüstet, über einer Kettenrüstung trägt er einen knielangen Waffenrock und eine spitze Beckenhaube mit Kettenbrünne. Am ledernen Goller sind Ketten angebracht, an denen der Dolch und das Schwert hängen. Die Umschrift in gotischer Majuskel lautet: + ANNO • DOMINI Mº • CCCLV / IN • DIE • B(EA)TI • IOH(ANN)IS • EW(ANGELISTE)/ OBIIT • STRENVVS • VIR • D(OMI)N(V)S • HENRI/CUS • DICTUS • BEYER • DE • BOPARDIA • / MILES • CUIUS • ANIMA • REQVIESCAT • IN • PACE • AMEN • („Im Jahr des Herrn 1355 am Tag des heiligen Johannes Evangelist [27. Dezember] starb der gestrenge Mann Herr Heinrich genannt Beyer von Boppard, Ritter. Seine Seele möge in Frieden ruhen, Amen“). Mit Heinrich IV. erreichte das Adelsgeschlecht derer von Beyer – seit dem mittleren 13. Jahrhunderts kontinuierlich die Schultheißen Boppards – einen ersten Höhepunkt seiner Machtentfaltung. Heinrich IV. war der erste, der den Beinamen seiner Stadt in den Familiennamen integrierte. 1312 erstmals nachgewiesen, hatte er 1322–42 auch das Schultheißenamt in Oberwesel, das des Burggrafen in kurtrierischen Diensten zu Sterrenberg sowie das eines Vogts zu Hirzenach und Amtmanns zu Bacharach inne, verfügte also über beste Beziehungen zu mehreren mittelrheinischen Städten und zum Trierer Kurfürsten. Etwas voreilig ging die Forschung bislang davon aus, dass die drei mittelalterlichen Rittergrabmäler der Beyer von Boppard ursprünglich im Kapitelsaal gestanden hätten. Von dort waren sie wohl bald nach 1838, wie die erst seitdem möglichen Verwitterungsspuren zeigen, an die Wand der südlichen Vorhalle des ehemaligen Kreuzgangs des Benediktinerinnenklosters vor den Mauern Boppards versetzt worden. Im Kapitelsaal dürften sie sich auf jeden Fall zum Zeitpunkt der Klosteraufhebung 1802 befunden haben, da sie den Abriss der Kirche in den Jahren danach überstanden. Sie werden wohl auch bereits 1773 bzw. seit der Renovatio des Klosters 1738–70 an diesem Ort gestanden haben. Es ist anzunehmen, dass es sich bei dem Grabstein zunächst um Tumbenplatten gehandelt hat. Ihr guter Erhaltungszustand zeigt zudem, dass sie erhöht gelegen hat, also keinen Fußtritten ausgesetzt war. Der gesamte Aufbau des Grabdenkmals mit der architektonischen Rahmung (hohe, zweigeschossige Seitenblenden, krabbenbesetzter und kreuzblumenbekrönter Kielbogen mit Kleeblattmaßwerk) stimmt weitgehend überein mit der bereits erwähnten 1352 entstandenen Grabplatte des Grafen Günther von Schwarzburg († 1349) im Frankfurter Dom. Hier ist jedoch der Rahmen plastischer, und in den seitlichen Blenden stehen Heiligenfiguren. Es fällt nicht schwer, hierin eine Weiterentwicklung des Typs des Grabmals Heinrichs IV. Beyer von Boppard zu sehen. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Grabstein des Conrad Beyer von Boppard (gest. 1421) und seiner Frau Merga von Parroy (gest. 1395)
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die Rahmung der Platte mit äußerer Linie und Umschrift entspricht fast genau der der wenig älteren von Heinrich VI. und Lisa von Pyrmont (AE 364), nur die gekehlte Schräge zum inneren Bildfeld fehlt. Auch die allgemeine Komposition der Flachreliefs folgt weitgehend dem Grabstein der Eltern Conrads, dem die Platte aufgrund der zu vermutenden räumlichen Nähe offensichtlich angeglichen werden sollte. In den oberen Ecken befinden sich die Wappen der Verstorbenen: über Conrad ein quadriertes Schild mit den Wappen seiner Eltern Beyer von Boppard und Lösnich, über Merga das der Parroye (drei 2:1 gestellte Löwen). Dazwischen werden sie in zwei jeweils von einem Löwen gehaltenen Standarten wiederholt. Unter den Figuren befinden sich außen jeweils ein Wappen (links Lösnich, rechts ein unbekanntes mit horizontalem Balken) und innen ein Tier, hier unter Conrads linkem Fuß ein Löwe und unter Margas rechtem ein Hund. Conrad trägt einen knielangen Waffenrock mit modischen Bauschärmeln und einer blanken Brustplatte mit angedeutetem Mittelgrat, deren unterer Rand buckelförmige Nieten aufweist. Der Rock ist vorn in der Mitte und seitlich über den Schenkeln geschlitzt und gibt somit den Blick frei auf die eng anliegende, vorn oberhalb der Knie endende und hinten bis in die Kniekehlen reichende Hose aus Panzergeflecht. Darunter trägt Conrad eiserne Beinröhren und schnabelförmige Schuhe mit Sporen. Merga von Parroye trägt einen stoffreichen Mantel, der nur unter dem linken Unterarm eingeklemmt und somit gerafft wird. Darunter sind ein gegürtetes Kleid und lediglich die äußersten Fußspitzen sichtbar. Der Schleier liegt über einem Krüseler und einem nur knapp das Kinn bedeckenden Gebende, dessen unterer Saum gleichfalls stark gekräuselt ist. Die Umschrift in gotischer Minuskel mit Versalien lautet: Anno • d(omi)ni • m° • cccxv° • / vi • die • mensis • noue(m)bris • o(biit) • d(omi)na • merga • de • parroye • vxor • d(omi)ni • conradi • beyer • de • bop(ar)d(ia) • cui(us) / • a(n)i(m)a • requiescat • in • pace • Anno • d(omi)ni • m° • ccccxxi° / • vicesi(m)a • vi • die • mensis [•] octobris • obiit • nobilis • d(omi)n(u)s • conradus • beyer • de • bopardia • cui(us) • / a(n)i(m)a • requiescat • in • pace („Im Jahr des Herrn 1395 am sechsten Tag des Monats November starb Frau Merga von Parroye, Ehefrau des Herrn Conrad Beyer von Boppard, deren Seele in Frieden ruhen möge. – Im Jahr des Herrn 1421 am 26. Tag des Monats Oktober starb der edle Herr Conrad Beyer von Boppard, dessen Seele in Frieden ruhen möge“). Conrad, Sohn Heinrichs VI. Beyer von Boppard und Lisas von Lösnich, ist seit 1383 als Ratgeber seines Onkels, des Metzer Bischofs Dietrich bezeugt. Durch die Heirat mit Merga (Maria) von Parroye fiel ihm umfangreicher lothringischer Besitz zu. In dieser Region machten dann auch ihre Söhne Karriere, einer wurde Landvogt im Elsass, ein weiterer Metzer Bischof. Kurz vor seinem Tod im Jahr 1421 ist Conrad in den erblichen Freiherrenstand erhoben worden. Wichtig, nicht zuletzt für die Datierung des Steins, ist der Umstand, dass Conrad ein zweites Mal heiratete, und zwar 1411 Johanna von Pulligny, womit er sich endgültig in Ostfrankreich etablierte. Wie schon beim Grabstein der Eltern Conrads muss man aufgrund der umlaufenden Schrift und vor allem der entsprechenden Bearbeitung der Rückseite davon ausgehen, dass es sich um einen liegenden Grabstein und nicht um ein an der Wand aufgestelltes Epitaph gehandelt hat – auch wenn die beiden Figuren eher stehend als liegend dargestellt wurden. Conrad und Merga haben sich in der von Heinrich IV. um die Mitte des 14. Jahrhunderts begründeten und wahrscheinlich durch Lisa von Lösnich in den 1390er-Jahren ausgebauten, mit Ausnahme der Grabsteine leider vollständig zerstörten Familiengrablege im Benediktinerinnenkloster Marienberg in Boppard bestatten lassen. Diese könnte sich im Westen der einschiffigen Kirche befunden haben. Die Anfertigung von Grabplatten oder Epitaphien für hochstehende Geistliche und zunehmend auch Mitglieder des Hoch- und mittleren Adels war um 1400 eine der wichtigsten bildhauerischen Aufgaben am Mittelrhein, wo die großen Familien der Katzenelnbogen, Dalheim, Sayn oder Nassau ihre Ambitionen durch zahlreiche Stiftungen unterstrichen. Das Grabmal und vor allem die Tumba mit aufwendigem Dekor und den erst seit Kurzem auch für weltliche Personen üblichen plastischen Figuren in einer als Familiengrablege fungierenden Klosterkirche war dabei das Herzstück. Werkstätten, die einen solchen Auftrag ausführen konnten, dürften am ehesten in Mainz, dem künstlerischen Zentrum am Mittelrhein, zu vermuten sein. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Grabstein des Heinrich VI. (der Junge) Beyer von Boppard (gest. 1376) und seiner Frau Lisa von Pyrmont (gest. 1399)
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die große Platte zeigt im Flachrelief das verstorbene Ehepaar mit vor der Brust gefalteten Händen, in einer unklaren, Motive des Stehens und Liegens gleichermaßen enthaltenden Position. Über- bzw. hinterfangen werden beide Figuren von jeweils einem spitz dreieckigen Wimperg, der nach innen leicht profiliert und außen von Krabben besetzt und von einer Kreuzblume bekrönt wird. Links und rechts in den Zwickeln sind Wappen platziert, links das der Beyer von Boppard und rechts das der Familie Lösnich. Links unten, wo eigentlich das Wappen der Mutter Heinrichs (Elisabeth von Rhens) zu erwarten wäre, erscheint das zwölffach geständerte der Waldbott von Bassenheim, das sich auch bei einem Bruder Heinrichs (Reinbold, † 1364, Domkustos in Worms, Grabstein im dortigen Dom) findet. Das fünfmal horizontal (sonst vertikal) geteilte Wappen rechts unten ist das der Familie Bruch, der die Mutter Lisa von Lösnichs angehörte. Minutiös und bis ins Detail exakt ausgeführt ist die Kleidung der Verstorbenen, bei der selbst die Nahtstellen der Rüstung nicht vergessen wurden. Besonders prachtvoll ist der Waffenrock mit aufgenähtem gekröntem Löwen aus dem Familienwappen. Unterhalb des breiten Gürtels ist der Rock vorn mittig geschlitzt; sogar auf den Schnürriemen ist an dieser Stelle nicht verzichtet worden. Das Schwert steckt in einer strahlenförmig umrandeten Öffnung im Waffenrock, bei der es sich um eine zunächst in Burgund auftauchende modische Kriegstracht handelt, die die Körperrüstung weitgehend verdeckt und beim Grabstein Heinrichs VI. Beyer von Boppard zum ersten Mal am Mittelrhein rezipiert wurde. Auch Lisa von Lösnich ist ausgesprochen höfisch gekleidet. Über einem langen Kleid, das an den Ärmeln eng geknöpft ist, trägt sie einen Mantel, der oberhalb der Brust von einer blütenförmigen Schließe gehalten wird und infolge der beidseitigen Raffung in fast spiegelbildlich verlaufenden Falten gelegt ist. Ihr typisiertes, makelloses Gesicht wird von einem über die Schulter fallenden Kopftuch und einem bis über das Kinn reichenden Gebende gerahmt. Die Umschrift in gotischer Minuskel mit wenigen Versalien lautet: + Anno • d(omi)ni • mº • cccº • lxxº • sexto • in • / Crastino • b(ea)ti • bartholomei • ap(osto)li • o(biit) • nobili[s et str]e(n)uus • miles • d(omi)n(u)s • henricu[s • bey]er • de • / bop(ar)dia • cui(u)s • a(n)i(m)a • req(ui)escat / • in • pace • amen • + Anno • / • d(omi)n[i m ccc xcix pridie nat]iuitat(is) • gl(ori)ose • virg(in)is • marie • o(biit) • nobilis • d(omi)na • lisa • de • pirremont • vxor • p(re)d(ic)ti • d(omi)ni • heinrici • Beyer • cui(us) • r(equiescat) i(n) p(ac)e („Im Jahr des Herrn 1376 am Tag des hl. Apostels Bartholomäus [25. August] starb der edle und gestrenge Ritter Herr Heinrich Beyer, dessen Seele in Frieden ruhe, Amen. – Im Jahr des Herrn 1399 am Tag vor dem Fest der Geburt der glorreichen Jungfrau Maria [7. September] starb die edle Frau Lisa von Pyrmont, Ehefrau des vorgenannten Heinrich Beyer, deren (Seele) in Frieden ruhe“). Heinrich VI. war der Enkel Heinrichs IV. (AE 363). Als ältester der vier Söhne Simon Beyers von Boppard war er wie sein Vater und die ältesten der vorherigen Generationen Schultheiß in Boppard, außerdem kurtrierischer Amtmann zu Stolzenfels und Niederlahnstein. Mit ihm und seinen Brüdern, vor allem Dietrich, der Bischof von Worms (amt. 1359–65) und Metz (amt. 1365–84) war, erreichte die Familie einen Höhepunkt der Machtentfaltung. Dazu trug nicht unwesentlich die Heirat Heinrichs mit Lisa, Erbtochter derer von Lösnich und in erster Ehe mit Kuno VII. von Pyrmont verheiratet, bei, die reichen Besitz an der Mosel und ein erhebliches Vermögen mitbrachte. Nach Heinrichs Tod trat sie als großzügige Stifterin des Klosters Marienberg auf. Der Stein befand sich in der nicht mehr erhaltenen Familiengrablege im Benediktinerinnenkloster Marienberg in Boppard. Diese könnte von Heinrich IV., dem Großvater Heinrichs VI., kurz vor 1350 begonnen worden sein, aber möglicherweise erst durch eine Stiftung der Witwe, Lisa von Lösnich, in den 1390er-Jahren eine repräsentative Form erhalten haben. Infrage kommt neben dem Chor in erster Linie der westliche Bereich der zerstörten einschiffigen Klosterkirche. Vielleicht gab es einen Zusammenhang mit den erwähnten Altarstiftungen 1393/94. Die hohe Qualität der Grabplatte von Heinrich VI. und Lisa Beyer von Boppard und ihre herausragende Stellung in der mittelrheinischen Skulptur um 1400 sind seit Langem erkannt. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Grabstein des Passauer Chorvikars Friedrich
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Umgeben von einer breiten Randleiste mit Umschrift zwischen Linien befindet sich das Relief eines Geistlichen unter einem in Ritzzeichnung ausgeführten Spitzbogen mit Maßwerkfüllung und Dreipässen in den oberen Zwickeln. Der in der Umschrift genannte Geistliche Friedrich trägt ein Messgewand (Kasel) über der Albe, sein unbedeckter Kopf ist tonsiert. Das sehr flache Relief vertieft sich merklich im Kopfbereich, wodurch den gekräuselten Haaren und der Kontur von Hals und Kinn Plastizität und ursprünglich wohl auch eine (durch spätere Abnutzung verloren gegangene) gewisse Individualität verliehen wurde, die der ansonsten standardisierten Darstellung fehlt. Die nicht vollendete, fragmentarisch erhaltene Umschrift in gotischer Majuskel lautet: ANNO • D(OMI)NI • M • CCc • ‹---/---› FRIDR[ICVS (VICARIVS CHO?)]RI • PATAUIEN(SIS) • et • FVNDATOR • HUIUS • LOCI • O(BII)t („Im Jahre des Herrn 13-- starb Friedrich (Vikar in?) Passau und Stifter dieses Ortes“). Eine zweite Inschrift befindet sich auf einem wie ein Pallium vertikal von den gefalteten Händen abwärts und vom unteren Rand im spitzen Winkel nach recht laufenden Band: H(AEC) • REQ(UI)ES • MEA • I(N) S(E)C(U)L(U)M • S(E)C(U)LI • HI(C) • HABITAB[O // QUONIAM] ELEGI • EAM („Dies ist der Ort meiner Ruhe in Ewigkeit, hier werde ich wohnen, denn ich habe ihn erwählt“; Transkription, Ergänzung und Übersetzung nach Christine Steininger (Red.), Die deutschen Inschriften, Bd. 67 (Münchner Reihe, 10. Bd.): Die Inschriften der Stadt Passau bis zum Stadtbrand von 1662, Wiesbaden). Der Wortlaut der Inschrift lässt darauf schließen, dass die Platte für eine vom Dargestellten gestiftete Kirche oder Kapelle in oder außerhalb der Stadt Passau geschaffen wurde. Der abgetretene Zustand weist auf eine Platzierung im Fußboden, was auch ursprünglich der Fall gewesen sein könnte. Von einer sekundären Verwendung oder eher von einer Veränderung im Boden zeugt die regelmäßige v-förmige Abarbeitung im unteren Bereich. Nicht zuletzt deshalb ist es wahrscheinlich, dass die Platte bis zu ihrer Entfernung aus der Kirche, vielleicht erst im späten 19. Jahrhundert, stets gelegen hat. Reduzierte Architekturrahmungen und Flachreliefs sind typisch für Passauer Geistlichengrabmäler des 14. Jahrhundert, wie insbesondere die zahlreichen erhaltenen Platten zeigen, die heute im ehemaligen Kreuzgang und in den Kapellen des Ostflügels des Passauer Doms aufgestellt sind. Das auffälligste Merkmal des Berliner Stücks ist der viel tiefer als die übrige Oberfläche ausgehauene Grund hinter dem Kopf. Solche unentschiedenen Vorgehensweisen zwischen Ritzzeichnung und partiell tieferer Gestaltung lassen sich im 14. Jahrhundert häufig beobachten. Damals waren die geistlichen Stifter einerseits zur bescheidenen Variante verpflichtet, hatten aber zugleich die immer aufwendigeren und plastischer ausgeführten Adels- und Rittergrabmäler – zum Teil in der eigenen Kirche – vor Augen. Dass die Platte eher in der ersten Hälfte des durch das vorgemeißelte MCCC gesicherten 14. Jahrhunderts, keinesfalls aber weit nach 1350 entstanden sein dürfte, zeigen die sehr verknappte Rahmenarchitektur, die stark reduzierten Falten und vielleicht auch die Frisur des Dargestellten. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)
Grabkreuz, Fragment
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Bei dem Objekt handelt es sich um den oberen Teil eines Grabkreuzes. Das Ende des Kreuzarms schmückt eine fünfblättrige Rosette, die Außenkontur des Kreuzes fährt die rosette in sanften Wellen nach. Auf der glatten Fläche unterhalb der Rosette haben sich die nach einem Kreuz mit doppelter Querhaste die lateinischen Worte "HOC EST SEPULCRUM", übersetzt "Dies ist das Grab" erhalten. Der Rest des Textes, der den Namen des oder der Verstorbenen genannt haben muss, ist abgebrochen. Das Fragment eines Grabkreuzes stammt aus der Kathedrale von Tyros (heute Libanon). Die westlichen Kreuzfahrern eroberten Tyros 1124 und herrschten dort, bis sie 1291 von den Mamelucken verdrängt wurden. Zwischen 1124 und 1291 nahmen die Kreuzfahrer in der Kathedrale verschiedene romanische und gotische Ein- und Umbauten vor, von denen unter anderem das vorliegende Grabkreuz stammt. Es zeugt damit - wie andere Architektur- und Ausstattungsteile - von dem Export mitteleuropäischer Bauformen in den Nahen Osten in der Kreuzfahrerzeit.