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Object type: Grabstele
Grabstele der Theodora
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die Stele wird von einer Ädikula beherrscht. Zwei Säulen auf Basen mit hohen Postamenten tragen stilisierte Blattkapitelle. Der profilierte Giebel ist mit einer aufgerichteten Muschel gefüllt und mit Akroteren bekrönt. Auf den Giebelschrägen sitzen Tauben. Die griechische Inschrift auf der Tafel darüber lautet sinngemäß: »Theodora möge in Frieden ausruhen«. Die Verstorbene ist als Beterin (Orans) dargestellt, bekleidet mit einer gegürteten Ärmeltunika und einer Palla. Über den erhobenen Händen sind zwei Kreuze angebracht. Ädikula und Beterfigur vergegenwärtigen die Verstorbene in ihrer Entrücktheit, die Muschel steht für die Wiedergeburt der Seele, die Tauben weisen auf das Paradies hin, und die Kreuze drücken die Hoffnung auf Erlösung aus.
Grabstele mit der Darstellung einer stillenden jungen Frau
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Ein Beispiel für das Fortleben traditioneller Motive in christlicher Zeit ist das Relief mit dem Abbild einer jungen Frau mit Kind. Die Mutter sitzt in einer Nische auf einer mit dicken Kissen ausgestatten Bank und reicht ihrem Kind die linke Brust. Zu Seiten ihres Kopfes sind zwei große Kreuze in den Stein gemeißelt. Wegen dieser Symbole galt das Relief lange Zeit als eines der frühestens Zeugnisse der Maria lactans, der stillenden Gottesmutter. Tatsächlich geht die Darstellung aber auf das Bild der orientalischen Muttergottheiten, in Ägypten vertreten durch Isis mit dem Horusknaben, zurück. Das Relief bildet sozusagen den Übergang vom vertrauten Bild der stillenden Göttin in einen christlichen Kontext. Die Reste einer aufgemalten Beischrift enthalten ein Sterbeformular, welches belegt, dass das Relief eine Grabstele war – womit die Deutung als Maria lactans hinfällig ist. Cäcilia Fluck (März 2017)
Grabstele der Rhodia
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die Stele weist die Form einer Ädikula auf. Auf dem Architrav, der von halbrunden Säulen mit attischen Basen und Blattkapitellen getragen wird, ist der Name der Verstorbenen eingeritzt: »Rhodia«. Die Bildung der weiblichen Figur mutet ein wenig grotesk an, doch sind alle Details wie Arme, Brüste und Beine, die Tunika mit den senkrechten Zierborten (clavi), der verknotete Gürtel, das Schleiertuch (Palla) und die Bulla am Hals vollständig wiedergegeben. Im Giebelfeld erscheint die aus der Hieroglyphe anch (Leben) abgeleitete christliche Form des ägyptischen Henkelkreuzes, gefüllt mit einer Blütenrosette. Die apokalyptischen Buchstaben Alpha und Omega weisen auf Christus als Spender des ewigen Lebens hin und belegen, dass Rhodia Christin war.
Grabstele mit Adler, Ädicula und Henkelkreuz
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das Relief erinnert an Holzschnitzereien wie Inv. 6692. Deutlich ist das Bestreben, die gesamte Oberfläche mit einem dichten Gespinst fast gleichwertiger Motive zu überziehen. Dennoch erkennt man zentrale Grabessymbole wie die von einem Dreiecksgiebel mit Palmettenakroterien und Muschelfüllung bekrönte Ädikula, zwischen deren klobige Säulen ein Henkelkreuz gestellt ist, dessen Ring wiederum mit einem griechischen Kreuz gefüllt ist. Über dem Giebel trägt ein fliegender »Seelenvogel« mit Bulla um den Hals und Kreuz im Schnabel einen Siegeskranz zum Himmel empor. Zwei weitere Kreuzchen sind in den Reliefgrund beiderseits der Giebelschrägen eingeritzt. Den äußeren Randstreifen, der zum Bildfeld hin durch ein Flechtband abgetrennt wird, schmückt eine fortlaufende Ranke mit sich anschmiegenden Trauben und Weinblättern.
Grabstele für Pusei und Kosmas
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Der obere Abschluss der Grabstele – vermutlich ein Giebel wie verwandte Steine nahe legen – ist wahrscheinlich nicht erhalten, so dass die Stele heute in zwei Blöcke gegliedert erscheint. In der unteren Hälfte steht ein Mensch unter einer Arkadenarchitektur. Er erhebt die Arme zum Gebet und ist mit einer langärmeligen Tunika bekleidet. Der Gebetsgestus drückt nicht nur die Frömmigkeit des Verstorbenen aus, sondern der Dargestellte fordert damit gleichsam die Hinterbliebenen auf, für ihn zu beten. Die in flachem Relief gearbeitete Szene spielt unter einer Blattarkade, die sich im Rundbogen über zwei Säulen spannt. Auffällig sind die sehr tief gesetzten Bohrlöcher als Augen des Verstorbenen. Auf der oberen Steinhälfte ist in griechischer Sprache zu lesen: „Gott unserer (Väter), laß die Seele deiner Diener Pusei und Kosmas ausruhen. Laß sie auch eingehen in den Schoß Abrahams und Isaaks und Jakobs. Er starb im Herrn am 15. Pharmuti, (sechs Jahre alt?), im 419. Jahr seit Diokletian. Amen +“ (übersetzt nach Effenberger). Die Jahresangabe folgt der für die ägyptischen Christen der Spätantike üblichen Zeitrechnung nach Märtyrern. Als Ausgangsjahr der Zählung gilt der Regierungsantritt Kaiser Diokletians im Jahr 284 n. Chr., der für die unter ihm durchgeführten Christenverfolgungen berüchtigt war. Demnach sind die in der Inschrift benannten Pusei und Kosmas im Jahr 703 n. Chr. verstorben. Es mag verwundern, dass nur ein Mensch dargestellt, aber von zwei Verstorbenen die Rede ist. Allerdings sind auf spätantiken Grabsteinen Bild und Schrift nicht immer aufeinander abgestimmt. Es kann aber auch sein, dass Darstellung und Grabtext hier nicht gleichzeitig entstanden sind. Falls doch, ist diese Stele eines der wenigen fest datierten Grabreliefs dieser Zeit mit figürlicher Darstellung.
Grabstele mit Nische, crux ansata und Ranken
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
In ihrem Aufbau aus einem geriefelten Rahmen, einer Zierleiste mit doppeltem Zahnschnitt in der Hohlkehle als oberem Abschluss und einer seitlich von Ranken eingefassten Nische im zentralen Bildfeld steht die Grabstele noch ganz in der Tradition des griechisch-römischen Ägypten. Statt eines Götterbildes an prominenter Stelle ist hier jedoch über der Nische eine crux ansata - ein Henkelkreuz - abgebildet. Damit zählt die Stele zu den ältesten archäologischen Zeugnissen des christlichen Ägypten. Die crux ansata ist eines der wenigen Motive mit altägyptischen Wurzeln, die bis in die Spätantike und frühchristliche Zeit überdauerten. Sie hat sich aus der Hieroglyphe ☥entwickelt, welche sich aus einem T mit einer aufgesetzter ovaler Schlaufe bzw. einem Henkel zusammensetzt, nimmt jedoch zunehmend dekorative Gestalt an. Die T-Hasten werden ausladend, manchmal geteilt und mit verschiedenen Ornamenten verziert; die ovale Schlaufe wird rund, oft umkränzt und mit Rosetten, Büsten oder Christusmonogrammen gefüllt.
Grabstele mit Palmen, Girlande, Palmwedeln und Inschrift
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Diese Grabstele erinnert in ihrem äußeren Aufbau an Grabaltäre der spätägyptischen Zeit, die aus Stein gearbeitet wurden. Lichthäuschen aus gebranntem Ton (vgl. Inv. 9427) sind aus hellenistisch-römischer Zeit bekannt und dürften die Formgebung dieses Stelentypus beeinflusst haben. Sie wurden als Grabbeigaben oder im Grabkult verwendet. Vergleichbare Grabstelen mit Lichtnischen aus christlicher Zeit werden im Koptischen Museum zu Kairo aufbewahrt. Die Kalksteinnische mit Lichtnische ist als Naos gestaltet und mit einem glatt gearbeiteten Rahmen umgeben. Im oberen Bereich ist eine Hohlkehle ausgearbeitet und im eingerahmten Innenfeld eine dreieckige Lichtnische eingeschnitten. Links und rechts dieser Nische sind jeweils ein Palmzweig eingeritzt und ein Palmstamm mit Zweigen im Hochrelief ausgeführt. Die geritzten Palmzweige, aber auch die Palmstämme beugen sich zur Spitze der Lichtnische. Am oberen Querbalken der Rahmung ist eine Girlande bogenförmig befestigt. In die Hohlkehle, auf dem Querbalken und in die Nische der bogenförmigen Girlande ist eine Inschrift in koptischer Sprache eingeritzt, die sich nicht mehr vollständig entziffern lässt. Jedoch sind die koptischen Buchstaben deutlich zu erkennen. Innerhalb des Girlandenbogens ist der Name »Martha« zu lesen. Dieser Name lässt die Vermutung zu, dass die Grabstele mit Lichtnische für eine Christin bestimmt war.
Oberteil einer Grabstele
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Dieser Rundbogengiebel einer Kalksteinstele zeigt einen sorgfältig gearbeiteten Kranz (corona civica), auf dem durch die Dekoration aus abwechselnd runden und viereckigen Motiven ein Edelsteinbesatz nachgeahmt ist, wobei die Motive doppelt gerahmte Fassungen mit Perlen in den Zwickeln andeuten. Die Bänder des Kranzes laufen nach unten und zu den Seiten hin aus. Der untere Teil der Stele ist nicht mehr erhalten. Ein vertieftes Monogrammkreuz mit Schlinge füllt die Innenfläche des Kranzes. An seinen Außenseiten links und rechts ist der Rundgiebel stark geglättet.
Grabstele mit Vogel und Kreuz
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Diese Art der Grabstelen war vor allem in Oberägypten beliebt. Ein reich gefiederter Adler ziert in flachem Relief die sich leicht nach oben hin verjüngende Stele. Er ist frontal dargestellt, blickt aber über seine rechte Schulter. Um den Hals des Tieres hängt eine Bulla. Ihm zur Seite stehen die griechischen Buchstaben Alpha und Omega. Der Adler trägt auf seinen erhobenen Schwingen einen Blattkranz, der ein Kreuz umfasst. In Verbindung mit dem Siegeszeichen aus Kreuz und Kranz verkörpert der Unsterblichkeit symbolisierende Adler den christlichen Auferstehungsgedanken. So erlangt der Bestattete erst durch seinen leiblichen Tod das ewige Leben, das ihm durch Christi Sieg über den Tod bereitet wird. Die Darstellung ist in einen Rahmen eingepasst, dessen untere Leiste als breitere Sockelzone ausgeführt ist. Obwohl hier ausreichend Platz für eine Inschrift wäre, fehlt ein Grabformular. Daher ist nicht bekannt, für wen der Stein aufgestellt worden war. Der Verzicht auf eine Inschrift ist bei Steinen dieses Dekorationstypus keine Seltenheit.
Grabstele der Theodote
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Deutlich erkennt man die Aufrißlinien, mit deren Hilfe der Steinmetz die Darstellung auf der glatten Steinoberfläche vorgezeichnet hatte. Zwei Säulen mit zweiteilig skulptierten Schäften und plumpen Kapitellen tragen ein geschlossenes Giebeldreieck mit Palmettenakroterien und einer Halbpalmette als Füllung. Unter der Ädikula erhebt sich über einem dreistufigen Unterbau ein Kreuz. Die Darstellung geht auf monumentale Kreuze zurück, die in Konstantinopel und Jerusalem (Golgathakirche) standen. In der Kunst tritt das Kreuz mit Stufenunterbau erstmals 578/79-582 auf Münzen des byzantinischen Kaisers Tiberios II. Konstantinos auf. Damit gewinnen wir einen gewissen Anhaltspunkt für die Datierung der koptischen Stele. Die das Kreuz umgebende griechische Grabinschrift lautet übersetzt: »+ Der in Frieden entschlafenen Theodote. [Sie starb am] 22. Mechir [im] 6. [Jahr] der Indiktion«.
Grabstele der Maria
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Unter einer fast völlig verwilderten Ädikula mit plumpen Säulen, flüchtig gearbeiteten Akroterien und Muschelaufsatz erscheint ein Kreuz, das fast vollständig in einer kreuzförmigen Blattkomposition mit diagonal eingestreuten Akanthuswedeln aufgeht. Die Kreuzkomposition ist als Variante des Lebensbaumkreuzes zu verstehen. Die Säulenschäfte sind mit eingetieften Kreuzen verziert. In den zu einer breiten Fläche umgebildeten »Architrav« ist eine griechische Grabinschrift eingeritzt: »Herr, lass die Seele deiner Dienerin Maria ausruhen«.
Grabstele des Goldschmiedes Andromachos
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das Relief gehört zu einer charakteristischen Gruppe oberägyptischer Grabstelen, die aus einheimischem Sandstein gefertigt worden sind und sich durch einen in nur wenigen Variationen wiederholten Bildschmuck auszeichnen. Die Ädikula ist fast vollständig zu einer schematischen Umrahmung für das zentrale Symbol erstarrt. Dieses besteht aus einem griechischen Kreuz, eingerahmt von einem Blattkranz. In den vier Zwickeln und im Giebel sind plastische Kreise mit Punktfüllung angebracht. Der zu einer schmalen Leiste reduzierte »Architrav« trägt eine mit roter Farbe ausgelegte koptische Inschrift: »Andromachos der Goldschmied«.
Grabstele des Apa Sansno
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Der ornamental wirkende Bildschmuck der Stele, der ihre gesamt Fläche überzieht, ist in negativem Relief gearbeitet. Säulen und Architrav deuten die architektonische Rahmung des im Zentrum erscheinenden Kreuzes an. Über dem Architrav erhebt sich eine Arkade in Gestalt eines Dreiviertelkreises, gefüllt mit einer Rosette. Tatsächlich aber sind Kreuz, Architrav und Dreiviertelkreuz auf der Grundform eines großen Henkelkreuzes konzipiert. So verschmelzen hier zwei separate Bildtraditionen der spätantik-ägyptischen Grabeskunst zu einer symbolischen Komposition, deren Sinn in der dominierenden Lebensbedeutung des Kreuzes zu finden ist. Die in koptischer Sprache verfassten Inschriften unterstreichen die Identität von Leben, Kreuz und Christus. Auf dem Architrav, d.h. auf dem Querbalken des Henkelkreuzes, steht: »Jesus [dein] Christus +«. Unterhalb der Ädikula: »Apa Sansno, Gott ist mit dir +«. Der Weinrankendekor in den oberen Zwickeln, das Zickzackmuster auf dem Ringhenkel und die tief ausgehobenen Inschriften verraten das Bestreben, kein Stück der Bildfläche unausgefüllt zu lassen.