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Object type: Kabinettschrank
Prunkkabinett mit Uhr
Kunstgewerbemuseum
Das kleine Kabinett besitzt einen ausgesprochen differenzierten architektonischen Aufbau, der die Eigenschaften eines kleinteiligen Sammlermöbels mit denen einer figürlich reich verzierten Tischuhr verbindet. Im Sockel sind zwei flache Schubkästen versteckt, die einen Toilettenspiegel und eine Sammlung kleiner silberner vergoldeter Gerätschaften bergen: darunter ein Kerzenleuchter, ein Fernrohr, ein Notizbuch, ein Blasebalg, zwei Glasflakons und zwei Onyxschalen. Das gesamte Gehäuse ist mit Schildpatt überzogen und von teils vergoldetem Silberschmuck, darunter feinste geprägte Silberfolien bedeckt. In einen Fond aus wuchernden Ranken und Blüten sind Plaketten und Figuren eingebettet, die sich vor allem der Liebe widmen. Das Thema ist auch in den Gemälden aufgegriffen, die zwei Szenen aus der Geschichte von Pyramus und Thisbe darstellen. In diesem Kabinettstück kulminiert eine lange Tradition Augsburger Kabinett- und Silberschmiedekunst: dem Besitzer eröffnet sich ein Mikrokosmos aus Preziosen und kunstvoller Technik - reiche Beschäftigung für einen humanistisch geschulten Geist. ASt
"Walbaum-Kabinett"
Kunstgewerbemuseum
Dieser rundum ansichtige Kabinettschrank gehört zu den exquisiten Werken deutscher Möbelkunst, für die Augsburg im ausgehenden 16. Jahrhundert an den Höfen ganz Europas gerühmt wurde. Als Sammlungsschrank für die Schätze einer Kunstkammer konzipiert, bildet das Möbel die Summe Augsburger Prachtentfaltung: Der opulente Silberschmuck bezeugt den im Erzbergbau erlangten Reichtum und die Blüte der Goldschmiedekunst, während im Ebenholz der Überseehandel aufscheint, durch den sich die Stadt der Fugger ihre Bedeutung erworben hatte. Das Möbel ist das Resultat einer über Zunftgrenzen hinausreichenden verlagsartigen Zusammenarbeit, bei der Kistler, Goldschmiede und kaufmännische Kunstagenten die Hauptakteure waren, von denen allein der Goldschmied Matthias Walbaum (um 1554–1632) namentlich bekannt ist. ASt
Kabinettschrank mit Steineinlagen und Goldlackmalerei
Kunstgewerbemuseum
Im Inneren dieses großen Kabinettschranks offenbart sich eine nach venezianischer Architektur gestaltete Front. Die Goldlackmalerei mit ihrem Maureskendekor wurde von den Venezianern als ›alla zemina‹ oder ›petteniera turchesca‹ – in der persischen oder türkischen Manier – bezeichnet und gehört zu den ersten europäischen Lackarbeiten. An ihre Seite treten die farbige Pracht verschiedenster Halbedelsteine sowie die schillernde Farbigkeit von bemaltem Perlmutt. Die Frontklappe des Kabinettschranks ist ungewöhnlich konzipiert, lässt sie sich doch ganz herunterklappen: So scheint der prachtvolle Kasten auf einem schlichten Tischgestell zu stehen, das mit einem kostbaren orientalischen Teppich gedeckt ist – eine im 16. und 17. Jahrhundert geläufige Form der Präsentation. ASt
Münz- und Medaillenschrank aus dem Antiken- und Medaillenkabinett der königlichen Kunstkammer im Berliner Schloss
Kunstgewerbemuseum
Der mächtige Kabinettschrank verdankt seine Bekanntheit dem seltenen Umstand, dass er bereits 1696 auf dem Titelkupfer zur mehrbändigen Prachtausgabe der brandenburgischen Münz- und Antikensammlung von Lorenz Beger dargestellt ist. In dieser Ansicht eines idealen Sammlungssaals sieht man vier der Schränke, die auf ihrem charakteristischen Dach Skulpturenaufsätze tragen. Eine Illustration von 1704 zeigt König Friedrich I. beim Studium seiner Sammlung, wozu einer der Schränke geöffnet und ein Münztableau herausgezogen ist. Der Schrank gilt als wichtigste erhaltene Arbeit von Gérard Dagly (1657/60–1715), durch dessen Wirken Berlin zu einem frühen Zentrum der europäischen Lackkunst wurde. Die viel gerühmte Qualität der Lacktechnik Daglys wurde erst jetzt nach der Restaurierung in ihrem ganzen Ausmaß sichtbar: Unter der Übermalung des frühen 20. Jahrhunderts kam mit dem barocken Malduktus auch die kostbare Streulacktechnik zum Vorschein, die feinste Metallspäne in einem klaren Bindelack fixiert. Im Vergleich zur üblichen Öltechnik erzeugt sie eine ungleich höherer Brillanz und Farbtiefe, die gemeinsam mit dem feinen Relief zur erfolgreichen Imitation der fernöstlichen geschnittenen Lackarbeiten beitrug. Als Meister erweist sich Dagly auch in der Übernahme der für europäische Augen ungewohnt spannungsreichen Komposition der Bildflächen, die ein Paar von Phönixen vor bizarrer Felslandschaft zeigt. ASt
Vorderfront eines Schreibkabinetts
Kunstgewerbemuseum
In einer in wesentlichen Teilen erst aus dem 19. Jahrhundert stammenden Montage sind 27 vergoldete Messingplaketten zu einem Ensemble vereint, das wie die Frontseite eines von spanischen Vorbildern – den sog. Escritorii – beeinflussten süddeutschen Schreibkabinetts aus der Mitte des 16. Jahrhunderts erscheint. Um ein türartiges Mittelfeld mit seitlichen Hermen-Pilastern und einem zentralen Relief unter einer Doppelarkade gruppieren sich 26 quadratisch gerahmte Rundplaketten. Kleine Knäufe in den unteren Rahmenprofilen evozieren den Eindruck von Vorderseiten kleiner Schubkästen, die in fünf Reihen und sechs Spalten angeordnet sind. Von dem bedeutenden Nürnberger Goldschmied Wenzel Jamnitzer (1508–1585) wissen wir, dass er sich spätestens seit 1551 sehr intensiv mit der Gestaltung von derartigen „kunstlichen und wolgetzierten“ Kassetten und Schreibmöbeln befasst hat. Gliederung, Ornamentik und Figuren des Mittelfeldes sowie die zierliche Ornamentleiste der Plakettenwand des Berliner Kunstgewerbemuseums können jedenfalls mit gesicherten Goldschmiedearbeiten und -entwürfen Wenzel Jamnitzers in engsten Zusammenhang gebracht werden. Jamnitzer hat auch an verschiedenen mit seinem Meisterzeichen versehenen Werken aus Edelmetall Plaketten nach Entwürfen von Peter Flötner (um 1490–1546) verwendet. Die 26 Rundbilder entstammen aus zwei unterschiedlichen Plakettenserien Peter Flötners. Von den insgesamt zwölf verschiedenen Motiven kommen acht zweimal, drei sogar dreimal vor. Die eine Serie der Flötner-Plaketten zeigt sitzende Personifikationen von acht Tugenden: die vier Kardinaltugenden Justitia (Gerechtigkeit), Prudentia (Klugheit), Fortitudo (Stärke) und Temperantia (Mäßigung), dazu die drei christlichen Tugenden Fides (Glaube), Spes (Hoffnung) und Caritas (Nächstenliebe) sowie die in Bildserien häufig hinzugefügte Patientia (Duldsamkeit). Die zweite Serie zeigt in ganz ähnlicher Bildauffassung vier berühmte Frauenfiguren der Antike: Dido, Jaël, Cleopatra und Lucretia. Beide Plakettenserien Flötners sind um 1540–1546 entstanden. Die rechteckige Plakette des Mittelfeldes zeigt Fides, die Personifikation des Glaubens, mit entblößtem Oberkörper außerhalb einer Kirche in einer Landschaft sitzend, in deren Hintergrund eine Stadt brennt. Ihr Attribut, das Kreuz, liegt achtlos vor ihr auf dem Boden. Fides ist von vier sie bedrängenden Spukgestalten umgeben, die jenen der Bildwelt des Hieronymus Bosch ähneln: ein Mann mit einer Wurst, eine Hündin mit weiblicher Maske, ein Vogel mit menschlichem Gesicht und ein vogelreitender Mönch mit Fasskörper. Wohl nach 1535 entstanden, offenbart diese Plakette Flötners insbesondere mit der antiklerikalen Mönchsfigur eine deutlich kirchenkritische Haltung. Die um sie herum angebrachten Rundplaketten mit den Darstellungen der Tugenden und tapferer Frauen der Antike erscheinen in diesem Kontext wie ein humanistischer Lehrkommentar, auf welche Weise einer solchen „Versuchung des Glaubens“ durch lasterhafte Übel zu begegnen sei: einzig durch Tugendhaftigkeit. An der Vorderfront eines Schreibkabinetts vor Augen gestellt, erlangt ein derartiges Bildprogramm eine zusätzliche, auf die aktive Vermittlung dieser geistig-moralischen Werte abzielende Bedeutung. Lothar Lambacher
Lackierter Kabinettschrank aus dem Holländischen Palais in Dresden
Kunstgewerbemuseum
Ende des 17. Jahrhunderts galt die Faszination der europäischen Höfe den exotisch anmutenden Bilderwelten der fernöstlichen Kultur, die sie vor allem im Porzellan und den hochglänzenden perfekten Lackarbeiten schätzten. Wurden anfangs die aus Japan und China importierten Kabinettkästen auf Tische gesetzt, wandelte sich diese Kombination unter dem Bemühen, die kostbaren Importe zu imitieren, zu dem "Cabinet de la Chine" genannten, eigenständigen neuen europäischen Möbeltyp. Auf den Außenseiten des Möbels bildet Schwarz den Rahmen für die farbigen Lackmalereien, die auf ehemals weißen – und heute stark vergilbten – Flächen angelegt sind. Sie zeigen auf den beiden Türen figürliche Szenen und den Seiten Felslandschaften mit Bäumen und Blüten. Beim Öffnen der Türen offenbart sich ein anderer Farbklang, hier tragen goldene Rahmen leuchtend rote Füllungen mit Goldmalerei. In den dargestellten Szenen vermischen sich europäische Phantasien mit fernöstlichen Vorbildern. Die Gestaltung des Gestells und Details der Lackarbeit weisen das Stück als Dresdner Arbeit aus. Dort war Martin Schnell (um 1675 - um 1740) seit 1710 der führende Lackkünstler. Das Lackkabinett kann unter den wenigen erhaltenen Arbeiten besonderen Rang beanspruchen, denn es läßt die Nähe zum Porzellan auf ungewöhnliche Weise anschaulich werden. Die großen, früher weißen Tafeln mit der farbigen Malerei liegen hinter illusionistisch gemalten Schattenkanten leicht vertieft in den schwarzen Rahmen und sind offensichtlich als Imitation von Porzellanfüllungen konzipiert. ASt