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Object type: Kelchglas
Kelchglas mit Bacchuszug
Kunstgewerbemuseum
Kelch aus farblosem, leicht gelbstichigem Glas mit ansteigendem Fuß dekoriert mit einem Spitzblattfries, Abrissnarbe am Boden, dem am Ofen geformten Schaftbaluster wurde eine längliche Luftblase eingestochen, darüber ein kleiner Nodus. Sowohl der Baluster als auch der Nodus sind mit einem Kranz aus Oliven verziert. Am Ansatz der becherförmigen Kuppa wiederholt sich der Spitzblattdekor vom Fuß, dazu eine Reihe kleiner geblänkter Oliven, die Kuppawandung ist umlaufend mit dem mattgeschnittenen Triumphzug des Bacchus auf einem baumbestandenen Landschaftssockel dekoriert: der einen Pokal haltende Weingott sitzt auf einem Fass in einem Wagen, gezogen von einem Pferd, auf dem ein Amorknabe reitet. Die Gegenseite trägt die Darstellung eines zweiten Amorknaben mit Früchtekorb. Den verwärmten Mündungsrand schmückt ein Kranz aus mattgeschnittenen Kugeln. Der Dekor vereint typische Motive des brandenburgisch-preußischen Glasschnitts: Auf zahlreichen anderen Gläsern ist der Bacchuszug dargestellt, der Wagen mal von Leoparden, mal von Panthern, mal von Bacchanten gezogen (vgl. Stiftung Stadtmuseum Berlin, Inv. Nrn. II 60/229 A und II 62/517 A; Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg Inv. Nr. XIII 1022; Schade, Deutsches Glas, 1968, Taf. 60–62; Papendorf, Märkische Gläser, 1965, Abb. 57, S. 146). Amor- oder Bacchusknaben sowie sogenannte "Früchtekinder" mit Körben voller Früchte und Blumen sind überdies wiederkehrende Themen. Die Bestimmung dieses Potsdamer Kelchs als Weinglas spiegelt sowohl das Sujet, als auch im Kleinen der abgebildete Pokal. Der etwas grob bzw. einfach ausgeführte Schnitt auf diesem Kelch spricht für eine Werkstattarbeit, wie auch der nicht versenkte Spitzblattdekor sowie der unpolierte Kugelfries am Mündungsrand. Das Glas stammt aus der Königlichen Kunstkammer, Berlin. [Verena Wasmuth] MAKR
Kelchglas mit Bildnis Friedrich II. von Preußen
Kunstgewerbemuseum
Pokal aus farblosem, manganstichigem Glas, Abrissnarbe am Boden, Glockenfuß mit einem Facettenfries in Schälschliff, der Schaft aus Nodus und gekehltem Übergang zum massiven Kugelbaluster mit fünf konzentrisch eingestochenen Luftblasen ist wabenfacettiert, der Übergang zur becherförmigen Kuppa gekehlt und ebenfalls wabenfacettiert. Am Eisboden der sich konisch darüber weitenden Kuppa wiederholt sich der Luftblasendekor vom Schaft sowie der radiale Facettendekor vom Fuß. Die Schauseite der Kuppa zeigt eine bekrönte Rollwerkkartusche mit dem mattgeschnittenen Profilbildnis König Friedrichs II. in Harnisch, die Haare zum Zopf gebunden; darüber die Inschrift: Es lebe der König. Den verwärmten Mündungsrand ziert ein fein geblänkter Perlfries. Dieser Pokal aus der Zechliner Glashütte zeigt ein Brustbild des als Friedrich der Große bekannten Preußenkönigs Friedrich II. (1713–1786), jugendlich kräftig in Harnisch. Die Darstellung geht auf eine Silbermünze von Johann Conrad Marmé (1710–1772) aus dem Jahr 1751 zurück (vgl. Münzkabinett SMPK, Inv. Nr. 18205935). Sie diente auch einem anderen Zechliner Glasschneider für einen Pokal mit Vergoldung als Vorbild (Baumgärtner, Porträtgläser, 1981, Abb. 16, S. 24). In der frühen Neuzeit ließ man mit derartigen Vivatgläsern seinen Landesherren mit dem Zutrunk aus einem gläsernen Pokal hochleben und trank auf seine Gesundheit. Sie werden daher auch als Gesundheitsgläser bezeichnet. [Verena Wasmuth] MAKR
Kleines Zechliner Kelchglas mit vergoldeten Rändern
Kunstgewerbemuseum
Kelch aus farblosem Glas, Bodenkugel, der breite aber zarte Fuß steigt steil an und hat einen vergoldeten Rand. Der angesetzte Schaft ist aus einem gekehlten, schlanken Baluster verziert mit langen, dünnen Parallelrillen unter einem sehr großen, gedrückten Kugelbaluster komponiert. Die Kuppa auf einer vergoldeten Ringscheibe ist trichterförmig und hat einen Eisboden, der verwärmte Mündungsrand ist beidseitig vergoldet, der Rand des Fußes hingegen nur auf der Oberseite. Das Glas ist krank. Robert Schmidt bildet 1914 in seinem Standardwerk zum Thema einen Kelch ab, der vermutlich mit dem hier aufgeführten identisch ist. Der Kelch im Kunstgewerbemuseum wurde im Jahr 1956, nach Rückführung der kriegsbedingten Auslagerungen, unter einer neuen Inventarnummer nachinventarisiert. Schmidt befindet, es sei "zwischen 1760 und 1770 entstanden [... und] im Gegensatz zu den früheren Arbeiten sehr schlecht proportioniert". Weiter beurteilt er, der "Aufbau des Schafts mit dem viel zu dicken facettierten Knauf lässt die feine Eleganz der Vorbilder gänzlich vermissen. Die gute Zechliner Vergoldung ist zum Schmucke der Ränder dieser Gläser herangezogen." An dieser Kritik lässt sich nicht rütteln, hingegen liegt das Glas wunderbar in der Hand! Es hat damals bereits "Haarrisse" aufgewiesen (Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, S. 103 und 153). [Verena Wasmuth] MAKR
Flötenglas mit Monogramm FWR in einer Kartusche
Kunstgewerbemuseum
Flötenfragment aus farblosem Glas, breiter Scheibenfuß mit mattgeschnittener Weinranke, angesetzt ein wabenfacettierter Balusterschaft mit eingestochener Luftblase zwischen Ringscheiben und eine sich konisch weitende, sehr hohe Kuppa. Deren Ansatz ist ebenfalls wabenfacettiert, die Wandung zeigt das mattgeschnittene Monogramm von König Friedrich Wilhelm I. in einem Medaillon, das seitlich von je einem Adler gehalten wird, flankiert von zwei sich überkreuzenden Palmwedeln. Den Mündungsrand ziert derselbe Weinrankendekor vom Fuß, darunter rechts vom Monogramm die Inschrift: Redintegrata. Das Glas ist zerscherbt und geklebt, ein großer Teil der Kuppa ist Verlust. Robert Schmidt bildete diese Flöte 1914 in dem Band "Brandenburgische Gläser" in noch intaktem Zustand ab und schrieb sie der Hofglashütte in Potsdam zu. Zwar wies er auf die Verwandtschaft zu sächsischen Flöten hin, folgerte jedoch fälschlich, sie seien in der preußischen Residenzstadt als Geschenk an Kurfürst Friedrich August I. (1670–1733), genannt August der Starke, entstanden. Das Weinlaub-Ornament ist für Potsdam allerdings ebenso ungewöhnlich wie die Facettierung des Kuppaansatzes und Deckelknaufs. Ein Vergleich mit Flöten, die sich ehemals in Schloss Moritzburg befunden haben und bei Gisela Haase publiziert sind beweist, dass es sich bei der Gruppe um Produkte aus Dresden handelt (Haase, Sächsisches Glas, 1988, Kat. 182–201, S. 340–343). Sie weisen die charakteristischen Merkmale Dresdner Flötengläser auf, den ornamentalen Schnittdekor an Fuß und Mündungsrand sowie die „Muscheln“ am Ansatz der Kuppa. Schmidt zitiert die Inschrift mit "Amicitia Redintegrata" (Wiederherstellen der Freundschaft). Friedrich Wilhelm I. besuchte August den Starken in der sächsischen Residenzstadt für einen ganzen Monat im Winter 1728, vom 13. Januar bis 12. Februar. Friedrich Wilhelm I. brachte von dieser Reise 77 Gläser der Dresdner Hütte als Geschenk Augusts des Starken mit, darunter einige Flöten (Maureen Cassidy-Geiger: Meissen Porcelain for Sophie Dorothea of Prussia and the Exchange of Visits between the Kings of Poland and Prussia in 1728, Metropolitan Museum Journal, Bd. 37, 2002, S. 133–166, hier S. 150). Sehr wahrscheinlich gehörte dieses Glas zu dem Konvolut. [Verena Wasmuth] MAKR
Kelchglas mit Chronos und Fortuna
Kunstgewerbemuseum
Trichterförmiger Pokal bzw. Spitzkelch aus dickwandigem, farblosem Glas. Flache Fußscheibe, Fuß- und Schaftteil mit einem vertieften und polierten Rundbogenfries dekoriert, der im Wechsel mit stehenden Bogenfacetten einen schuppenähnlichen Effekt am Schaft bildet ("Muscheln"). Auf der Kuppawandung die tiefgeschnittene Darstellung des an einem Baum lagernden Chronos, die Personifikation der Zeit, als geflügelter, alter Mann mit Sichel, in der ausgestreckten Rechten eine Kugel, auf der Fortuna, die Personifikation des Schicksals bzw. Glücks, zu tanzen scheint und eine lange Fahne trägt. Darüber die Inschrift: Zeit und glück hat seine Tück. Den verwärmten Mündungsrand ziert ein geblänkter Kugelfries. Das Glas ist fortgeschritten krank. Der Form nach datiert der Pokal in die Zeit 1730 bis 1745, könnte demnach entweder noch aus der Potsdamer Glashütte stammen, die bis 1736 aktiv war, oder aber bereits aus der Nachfolgerin als brandenburgisch-preußische Hofglashütte in Zechlin, die 1737 die Arbeit aufnahm. Beide Hütten beschäftigten nacheinander dieselben Glasmachermeister und -veredler. Ein nahezu identisches Glas mit demselben Sujet und mit der Signatur von Elias Rosbach (tätig 1727–1765) und um 1735 datiert befand sich in der Sammlung Ernesto Wolf (Klesse/Mayr, Veredelte Gläser, 1987, Kat. 137). Dessen Schnittdekor weist eine noch detailreichere und feinere Qualität auf. Die allegorische Verbindung der Vergänglichkeit und des Glücks fand in der Kunst des Barockzeitalters europaweit Verbreitung. [Verena Wasmuth] MAKR