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Object type: Kleidung
Fragment eines liturgischen Gewandes
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das rechteckige Fragment bildete einst das Mittelstück des Rückenteils einer aus mehreren Teilen zusammengesetzten Dalmatik. An der linken Kante sind eine Naht und Stoffreste erhalten, die von einem keilförmigen Einsatz stammen, welcher entsprechend an der rechten Kante zu ergänzen ist. Die obere Kante ist in der Breite der Halsöffnung gesäumt und mit rot-weißen Seidenfäden umstickt. Am Schulteransatz ist beidseitig eine Verschlussöse angebracht. Die einstige liturgische Verwendung des Fragments ist aus der Darstellung und ihren Beischriften abzuleiten, die - geringfügig variiert - mehrfach bei zeitgleichen vollständigen Dalmatiken bezeugt sind. In den Zwickeln des großen Kreuzes mit geschweiften Enden stehen als nomen sacrum abgekürzt die Worte "Jesus Christus, Gottes Sohn". Der dreizeilige arabische Text darüber lautet: "Gefertigt für den gesegneten Sohn, den ehrwürdigen Diakon, den Meister (...), Sohn des Meisters Ibrahim Chalil. Gott schütze ihn!" Unter dem Kreuz thront Maria mit dem Christuskind zwischen der Engelgarde: zu ihrer Rechten Michael, ein Schwert schulternd, zu ihrer Linken Gabriel. Zuunterst sind zwei Reiter auf nach rechts sprengenden Pferden wiedergegeben, die mit ihren Lanzen je einen Drachen bekämpfen. Der linke schwingt darüber hinaus ein Krummschwert. Der rechte ist durch einen Schriftzug als heiliger Georg identifiziert. Die Datierung dieses Stückes ist umstritten. Zwar sind Baumwollgewebe in Ägypten seit römischer Zeit nachzuweisen, in großen Mengen produziert wurden sie aber erst ab dem 13. Jahrhundert.
Ovaler Besatz mit Knospen in Rautengitter
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Ab dem späten 5. Jahrhundert kamen in der ägyptischen Textilkunst zunehmend vielfarbige Muster und Motive auf. Beeinflusst von orientalischen Seidengeweben entstand eine bestimmte Stilrichtung, die sich im 6.-7. Jahrhundert durchsetzte. Abgesehen von der Vielfarbigkeit zeichnet sie sich durch eine symmetrische Anordnung und Reihung von immer denselben Motiven auf einem meist roten Hintergrund aus. Die kostbaren Seidengewebe wurden in der Technik der Wirkerei aus preiswerteren Materialen – Wolle und Leinen – nachgeahmt, so dass sie für jedermann erschwinglich waren. Der ovale Besatz ist ein typisches Zierelement für die Schulter- und unteren Gewandpartien einer Tunika. Er stellt eine Variante der Buntwirkereien mit einem etwas anderen Farbspiel dar. Figuren, Motive und Ornamente erscheinen in einer reizvollen Farbkombination hier nicht auf einem roten, sondern auf einem blauen Hintergrund. Das Mittelfeld zeigt einen Ausschnitt von einem Rautenrapport mit Knospen in den durch kleine Striche und hell umrandete rote Punkte gebildeten Rhomben. Es wird von einem roten Band mit einer stilisierten hellen Ranke gerahmt. Cäcilia Fluck (2017)
Mittelteil einer Tunika
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Bei dem Fragment handelt es sich um das Mittelstück des Vorder- oder Rückenteils einer in Form gewebten roten Wolltunika. Die ursprüngliche Länge des Halsschlitzes der Tunika, deren obere Kante heute zerstört ist, entsprach dem Abstand zwischen den beiden clavi. Er fällt mit 14,5 cm äußerst gering aus, weshalb das Fragment nur von einer Kindertunika stammen kann. Die erhaltene Gesamtlänge muss ziemlich genau mit der Originallänge der Tunika übereinstimmen. Das Tunikafragment ist mit zwei senkrechten Streifen verziert, die in der mittleren Bahn auf bräunlichem Grund eine Reihe stilisierter Löwen aus hellem Wollgarn mit bräunlichen Binnenzeichnungen und roten Zungen in aufgelösten, nur noch durch sporadische gekrümmte Linien angedeuteten Medaillons zeigen. Die Löwen sind um 90 Grad zur Leserichtung nach rechts versetzt wiedergegeben und bewegen sich nach oben zur Schulterpartie der Tunika hin. Die Mittelbahn ist beidseitig durch den so genannten „laufenden Hund“ (siehe Inv.9104) eingefasst. Ein schlichter bräunlicher Streifen grenzt direkt außen an den rechten clavus. Links ist er nicht bewahrt. Die Partie unter dem Halsschlitz zwischen den beiden clavi zeigt drei helle menschliche Figuren mit nach oben gestreckten Armen und überkreuzten Beinen. Diese Haltung ist insbesondere auf Textilien typisch für die Darstellung von Tänzern. Solche Tänzer wurden oftmals in der Brust- und Nackenpartie von Tuniken unter Arkaden bzw. zwischen Säulen oder Blattstäben stehend wiedergegeben. Hier ist dieses Motiv variiert oder auch missverstanden worden, denn die Köpfe der Tänzer hängen an kurzen, mit einem S-förmigen Motiv verzierten Säulen. Um den Hals tragen sie eine Kette mit Amulett (bulla). Etwa in Hüfthöhe ist zwischen die Figuren eine bräunliche Sternrosette in einem hellen Kreis als Füllmotiv eingefügt worden. Tuniken aus Wolle mit einem direkt in das Grundgewebe eingewirkten Dekor aus tanzenden Figuren im Brust- oder Nackenbereich und gereihten figürlichen und pflanzlichen, oftmals von Medaillons oder Ranken gefassten Motiven in den clavi sind mehrfach erhalten. Sie bilden eine spezielle Gruppe, die vielleicht typisch für eine bestimmte Region oder Werkstatt war. Obschon die meisten Tuniken unvollständig sind, lassen sich einige technische Besonderheiten, die allen Stücken gemeinsam sind, beobachten: Zum einen wurden die Schussfäden des Grundgewebes im Brust- und Nackenbereich nicht weitergeführt, sondern kehrten unterhalb der Bildzone um. Dadurch entstand zwischen dem gewirkten Bildfeld und dem Grundgewebe ein Schlitz, der nachträglich durch einen separaten Faden in der gleichen Farbe wie das Grundgewebe geschlossen wurde. Zum anderen fällt auf, dass die Motive in den clavi immer um 90 Grad zur Leserichtung liegen, entweder in beiden clavi übereinstimmend nach links oder nach rechts, aber so gut wie nie spiegelbildlich zueinander. Bei näherer Betrachtung ist auch festzustellen, dass die beiden clavi nie genau gleich ausgeführt sind. Oft stimmt die Anzahl der Motive nicht überein; zudem sind die Figuren in einem der clavi – in diesem Fall im rechten – in der Regel etwas detailreicher und sorgfältiger ausgeführt als im anderen. Dies könnten Indizien dafür sein, auf welcher Seite der Tunika der Weber seine Arbeit begann. Bei dem vorliegenden Fragment war es vermutlich die rechte, die beim Weben waagerecht vor ihm lag. Die Löwen wären dann allerdings entgegen der Leserichtung eingearbeitet worden. Die Kombination aus Tänzern in den horizontalen Bruststreifen und laufenden Vierbeinern in den clavi ist nicht ungewöhnlich. Sie findet sich auf einer Vielzahl von Leinentuniken wieder, in die der Dekor in purpurfarbener Wolle eingewirkt wurde. Meist sind die Figuren hier natürlicher und detailreicher wiedergegeben als in den gröberen Wolltuniken. Diese Stilkriterien sind kein Indiz für eine frühere Entstehungszeit. Vielmehr hängt das unterschiedliche Erscheinungsbild von Material und Stärke der verwendeten Garne und nicht zuletzt von der Kunstfertigkeit des Wirkers ab. Veröffentlichung: C. Fluck / K. Finneiser, Kindheit am Nil, Berlin 2009, S. 20-21, Nr. 5 (Cäcilia Fluck 2017)
Kindertunika
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die vollständig erhaltene Kindertunika besteht aus einem einzigen Gewebestück aus ungefärbtem Leinen. Sie wurde, wie die meisten Tuniken aus dem spätantiken bis früh-islamzeitlichen Ägypten, quer gewebt, das heißt, der Weber oder die Weberin begann und endete mit den Ärmeln. Vorder- und Rückenteil mit den typischen parallelen Zierstreifen (clavi) lagen folglich bei der Herstellung horizontal auf dem Webstuhl, der Halsschlitz dagegen senkrecht. Für die Herstellung dieser Kindertunika war eine Webstuhlbreite von mindestens 131 cm erforderlich, was der doppelten Länge der Tunika entspricht. Alle Dekorelemente, die Ärmelstreifen, die beiden clavi sowie die Hals- und Nackenborte, sind direkt in das Grundgewebe eingewirkt worden. Die farbigen Wollfäden sind in den Ärmelstreifen völlig und in den übrigen Wirkereien zum Teil ausgefallen. Auch der Halsschlitz in der Mitte des Gewebes entstand bereits während des Webvorgangs. In diesem Bereich kehrten die Schussfäden beidseitig um, wodurch man einen geraden Spalt erhielt. Die fertig gewebte Tunika hatte die Form eines großen Kreuzes. Nach der Abnahme vom Webstuhl musste sie um 90 Grad gedreht und in der Horizontalachse gefaltet werden. Die Seiten und Ärmel waren ursprünglich bis auf einen Bewegungsschlitz unter den Achseln geschlossen. Heute sind die Nähte gelöst, Spuren von Einstichlöchern und Nähgarnreste sind noch erkennbar. Die Ärmel wurden zum Handgelenk hin etwas schmaler. Dafür schlug man die Längsseiten schräg nach innen ein. Eine kleine Stopfstelle in der Mitte des Vorder- bzw. Rückenteils beweist, dass Kleidung mit großer Sorgfalt behandelt wurde, so dass sie lange getragen werden konnte. Die clavi und Ärmelstreifen sind mit jeweils einer Reihe herzförmiger roter Blätter in heller Umrandung auf grünem Grund verziert. Jede Reihe endet mit länglichen halben Ovalen. In den Zwickeln sind kleine rote Punkte zu erkennen. Die herzförmigen Blätter kehren im doppelten Zierstreifen an der Halsöffnung, diesmal jedoch liegend, wieder. Darunter setzt eine Bogenreihe an. Die Flächen zwischen den Säulen mit verdickten Enden als Basis sind mit roten, dunkelvioletten und gelben gestielten Blättern mit heller Binnenzeichnung gefüllt. Ein wellenförmiges Randmotiv, das gemeinhin als „laufender Hund“ bezeichnet wird, verläuft zu beiden Seiten der clavi und Ärmelstreifen sowie an der oberen Kante der Zierstreifen an der Halsöffnung. Diese Kante ist zusätzlich mit einer geflochtenen, rot-weißen Schnur eingefasst. Veröffentlichung: C. Fluck / K. Finneiser, Kindheit am Nil, Berlin 2009, S. 12-13, Nr. 1 (Cäcilia Fluck 2017)
Kinderkleid
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
ie Fragmente des Kinderkleides aus ungefärbtem Leinen wurden auf ein modernes Stützgewebe aufgenäht, das die ursprüngliche ausgestellte Form des Kleidchens nachahmt. Im Gegensatz zur in Form gewebten Tunika Inv. 9104 ist es aus insgesamt sieben einzelnen Teilen zusammengenäht worden. Vorder- und Rückenteil mit dem Ansatz der Ärmel bestehen aus einem einzigen, zugeschnittenen Stück. In der Mitte ist eine halbrunde Halsöffnung ausgespart, welche auf der rechten Schulter in einen spitzen Einschnitt mündet. Er wurde beim Tragen mit einem rotgrünen, heute beschädigten Verschluss zusammengehalten. Für die Ärmel sind zwei rechteckige Gewebeteile an die angeschnittenen Ärmelansätze genäht worden. An die Längsseiten des Vorder- und Rückenteils fügte man keilförmige Einsätze (insgesamt vier), die mit der Spitze etwa in Taillenhöhe ansetzen und zum Saum an den Unterkanten auslaufen. Erst dann wurde das Kleid in der Horizontalachse gefaltet und im Anschluss an den Seiten und Ärmeln zusammengenäht, wobei die Ärmel unten leicht schräg eingefasst wurden. Hals- und Schulteröffnung sowie die Unterkante der Ärmel wurden mit schmalen, hellgrundigen Borten besetzt. Sie sind mit einem Band aus gitterartig unterteilten, violetten Rauten gemustert. Die vordere Mitte des Kleides war durch eine von der Halsöffnung bis etwa in Kniehöhe reichende Seidenborte betont, von der nur noch ein Rest unten erhalten ist. Spuren der Naht, die sie einst mit dem Grundgewebe verband, sind aber über die gesamte Länge bewahrt. Außerdem ist das ehemals unter der Borte liegende Grundgewebe in diesem Bereich spürbar heller. Den Bortenrest zieren auf blau-schraffiertem Grund Reihen aus je vier kleinen Rechtecken, Blättern oder Rosetten. Der Schnitt des Kleides und die Betonung der Vorderseite durch eine in der Mitte aufgebrachte, vertikal verlaufende Borte sind von der persischen oder syrischen Tracht beeinflusst. Vergleichbare Gewänder für Erwachsene wurden um die Wende zum 20. Jahrhundert mehrfach in einem der Friedhöfe der mittelägyptischen Stadt Antinoupolis entdeckt. Oftmals sind sie wie das Kinderkleid mit Seidenapplikationen verziert. An einigen dieser Kleidungsstücke wurden in den vergangenen Jahren Radiocarbonanalysen (14C) zur Altersbestimmung durchgeführt. Sie haben ergeben, dass einige der Seidenbesätze älter sind als die Grundgewebe der Kleidungsstücke. Wegen ihrer Kostbarkeit hat man die Seiden offenbar mehrfach verwertet. Insgesamt erbrachten die Analysen eine Datierungsspanne von der Mitte des 3. bis zum 7. Jahrhundert für die Seidengewebe und vom 5. bis zur Mitte des 7. Jahrhunderts für die Grundgewebe. Das deckt sich mit dem Zeitraum, in dem die Sasaniden (224-642 n. Chr.) das persische Großreich beherrschten. Ein dem Bortenrest auf dem Kinderkleid sehr ähnliches Seidengewebe datiert in die Zeit von 420-580 n. Chr. Die 1996 im Katalog der Ausstellung „Ägypten. Schätze aus dem Wüstensand“ in Hamm vorgeschlagene Datierung vom 7.-9. Jahrhundert ist damit hinfällig. Nach wie vor ist ungeklärt, ob an der persischen Tracht orientierte Kleidungsstücke importiert oder in Ägypten selbst angefertigt wurden. Der Fundort des Berliner Kinderkleides ist zwar unbekannt. Aber mehrere Parallelen zum Dekor auf der Seidenborte sind unter den zahlreichen in Antinoupolis ausgegrabenen Seidengeweben nachzuweisen. Da zudem die Technik der Seidenborte – Samit mit einer Haupt-, einer Bindekette und mehreren Schusseinträgen – mit den dortigen Funden übereinstimmt, kommt Antinoupolis als Fundort für das Berliner Kinderkleid jedenfalls in Betracht. Veröffentlichung: C. Fluck / K. Finneiser, Kindheit am Nil, Berlin 2009, S. 14-16, Nr. 2 (Cäcilia Fluck 2017)
Tunikafragment (Vorder- oder Rückenteil) mit Zierstreifen
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das Fragment (sowie Inv. 18/68) gehörte ursprünglich zu einer Tunika aus roter Wolle. Es zierte einst das Vorder- oder Rückenteil. Erhalten geblieben ist das Ende einer der beiden clavi mit dem angehängten sigillum. Um die dargestellten Motive besser erkennen zu können, ist der clavus hier entgegen des eigentlich korrekten vertikalen Verlaufs quer abgebildet. In der Mitte des sigillum ist auf apricotfarbenem Grund eine Figurengruppe aus einer vermutlich sitzenden Gestalt und einem nackten Kind wiedergegeben. Die sitzende Gestalt trägt ein dunkelrotes Gewand, einen auffälligen Brustschmuck und hat langes schwarzes Haar. Das Kind mit einer ungewöhnlichen Frisur aus senkrecht abstehenden Strähnen liegt quer auf ihrem Schoß. Was der Wirker mit dieser ikonographisch äußerst ungewöhnlichen Darstellung auszudrücken beabsichtigte, lässt sich nicht genau sagen. Die Figuren sind verzerrt, die Körperformen aufgelöst, die Gliedmaßen der sitzenden Gestalt sind unsinnig miteinander verschmolzen. Es könnte die Züchtigung eines Kindes gemeint sein, z. B. Aphrodite, die ihren Sohn Eros bestraft. Eventuell sind hier aber auch verschiedene Motive unsinnig miteinander kombiniert worden. Auf einer Wirkerei in der Abegg-Stiftung in Riggisberg (Schweiz) ist zum Beispiel eine auf einem personifizierten Seeungeheuer reitende Nereide zu sehen, die stilistisch und kompositorisch den Figuren auf den Berliner Fragmenten nahe stehen. Eventuell ist ein solches Figurenpaar hier mit einem schwebenden Eros „vermengt“ worden. Das gleiche Figurenpaar kehrt im clavus zweimal spiegelbildlich zueinander angeordnet wieder. Dazwischen und am rechten Rand des Fragments ist eine weitere Figur in purpurfarbenem Gewand streng frontal abgebildet. Sigillum, Verbindungssteg und die Längsseiten des clavus sind von einer relativ breiten Randzone mit bunten, miteinander verzahnten Zickzackmotiven umgeben, welche am gebogenen Abschluss des clavus in ein Muster aus Halbkreisen und stilisierten S-förmigen Blatt- und Blütenranken übergehen. 2019 wurde das Tunikafragment von der New Yorker Künstlerin Gail Rothschild porträtiert. Das Gemälde war unter dem Titel "Head and Shoulders" vom 1. Juli 2022 bis zum 5. Februar 2023 in der Ausstellung "Think Big! Gail Rothschild porträtiert spätantike Textilfunde aus Ägypten" zu sehen. Veröffentlichung: C. Fluck / K. Finneiser, Kindheit am Nil, Berlin 2009, S. 44-45, Nr. 17b; C. Fluck / K. Mälck, Think Big! Gail Rothschild porträtiert spätantike Textilfunde aus Ägypten, Regensburg 2022, S. 75-77, Nr. 3a-b. (Cäcilia Fluck 2017, bearbeitet 2022)
Fragment aus dem Seitenbereich einer Tunika mit Ziermedaillon
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das Fragment (sowie Inv. 19/68) gehörten ursprünglich zu einer Tunika aus roter Wolle. Es stammt aus dem Seitenbereich. Dafür sprechen der an einer Kante erhaltene Randabschluss aus verkordelten Kettfäden und der in mehrere Bahnen unterteilte helle Streifen, welcher parallel dazu im Grundgewebe verläuft. Solche Streifen sind ein gängiges Dekorationsprinzip von Wolltuniken. Das Fragment zeigt neben dem schlichten hellen Zierstreifen ein ovales Dekorelement, in dessen Mitte emblemartig von einem bunten Perlband eingefasst eine kleine hockende Gestalt mit Nimbus zu erkennen ist. In der ausgestreckten Hand hält sie einen nicht identifizierbaren Gegenstand. In der Bildzone um das Zentralmotiv wechseln sich vier schwimmende oder schwebende nackte Gestalten, welche ein Gefäß mit langem Hals vor sich tragen, mit kleinen Medaillons ab, die einen bunten Vogel (Hahn?) enthalten. Die Randzone besteht wie beim clavus aus verzahnten bunten Zickzackmotiven. Veröffentlichung: C. Fluck / K. Finneiser, Kindheit am Nil, Berlin 2009, S. 44-45, Nr. 17a (Cäcilia Fluck 2017)
Fragment einer Kindertunika
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Vom ursprünglich symmetrisch angeordneten Dekor dieses Tunikafragments aus roter Wolle sind der größte Teil des in zwei Zonen unterteilten waagerechten Brust- oder Nackenstreifens und der rechte clavus bis auf das untere Ende bewahrt. Auch dieses Fragment weist wie Inv. 9245b in Brusthöhe bzw. an entsprechender Stelle auf dem Rückenteil einen horizontalen, nachträglich zusammengefügten Schlitz auf, der den Übergang (vom Grundgewebe zur Wirkerei markiert. In der oberen horizontalen Bildzone des Brust- oder Nackenstreifens sind auf braunem Grund noch vier Bögen einer Arkade zu erkennen, welche aus Blattstäben gebildet sind. Unter jedem Bogen bewegt sich je ein Tänzer nach links, während sein im Halbprofil wiedergegebener Kopf nach rechts blickt. Ein Arm ist erhoben, der andere hängt angewinkelt am Körper herab und scheint in der leicht abknickenden Hand eine Klapper zu halten. Jeder Tänzer trägt um den Hals einen kleinen Umhang, welcher hinter der rechten Schulter herabfällt. In der unteren Bildzone „schweben“ drei Tänzer mit überkreuzten Beinen und erhobenen Armen zwischen Säulen nach rechts. Säulenschäfte und -kapitelle sind mit einem S-förmigen Wellenband verziert. Anstelle der Basen sind den Säulen herzförmige Blätter angehängt, welche einen stilisierten Kopf umschließen. Architektur und Figuren sind in heller Wolle mit gliedernden Binnenzeichnungen in roter Farbe ausgeführt. Das Motiv des sich zwischen Säulen bewegenden Tänzers, in der ägyptischen Textilkunst der Spätantike äußerst beliebt und über Jahrhunderte tradiert, ist dem dionysischen Themenkreis entlehnt. Auf den beiden Tunikafragmenten Inv.9245b und Inv.15/86 erscheint es in stark vereinfachter und materialbedingt recht grober Form, die typisch für Wollgewebe ist. Der clavus auf dem Fragment Inv.15/86 verlief nicht wie bei Inv.9245b von der Schulter bis zur Unterkante, sondern endete etwa in der Mitte der Tunika in einem Bogen, an den ursprünglich ein Zierelement (sigillum) angehängt war. Im clavus sind auf gelblichem Grund sogenannte nilotische Motive zu erkennen. Sie symbolisieren Fruchtbarkeit und Unsterblichkeit und sind, wenn sie im alltäglichen Leben, wie hier auf Kleidungsstücken dargestellt werden, als „Glücksbringer“ zu verstehen. Zwischen bunten Lotusblumen mit einer großen Blüte und kleinen Knospen, ist ein Vogel, ein schwimmender Eros oder ein Hase wiedergegeben. Kleine Fische und pflanzliche Motive füllen die Zwischenräume. Die Bildzone ist beidseitig vom „laufenden Hund“ (siehe Inv.9104) in dunkler Ausführung auf hellem Grund umrandet. Der clavus-Streifen bricht oben rechtwinklig um und fasst den horizontalen Zierstreifen im Brust- bzw. Nackenbereich ein. Das rahmende Motiv des „laufenden Hundes“ ist hier nachlässiger ausgeführt. Von der einstigen Bildzone sind nur noch Reste des gelblichen Hintergrundes erhalten. Zahlreiche Vergleichsstücke mit ähnlichem Dekorationsprinzip aus zwei oder drei horizontalen Bildzonen legen nahe, dass sich das Muster des clavus im Bereich der Halsöffnung fortsetzte. Veröffentlichung: C. Fluck / K. Finneiser, Kindheit am Nil, Berlin 2009, S. 22-23, Nr. 6 (Cäcilia Fluck 2017)
Runder Einsatz von einer Tunika
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Der kleine runde Einsatz stimmt in Größe, Technik und Motiv mit Inv. 4594 überein. Vermutlich stammen beide Einsätze von demselben Kleidungsstück oder Tuch. Die musterbildenden Schusseinträge sind über zwei- oder dreifache Kettfäden geführt worden. Das bedeutet, dass die Wirkerei direkt in ein Grundgewebe eingearbeitet wurde. Es handelt sich daher nicht um separat hergestellte Besätze, für die die Weber so gut wie immer gezwirnte Kettfäden verwendeten (siehe Inv. 9169 und 4611). Die Einsätze sind heute mit einem modernen Gewebe unterlegt. Auf blauem Grund ist im mittleren runden Bildfeld jeweils ein Vogel mit üppigen Schwanzfedern in Seitenansicht wiedergegeben. Auf Fragment Inv. 4600 blickt er nach links. Beide Vögel sind in heller Wolle ausgeführt, lediglich die Schnäbel und die kurzen Beine mit den Krallen bestehen aus roter Wolle. Die Flügel über dem Rücken sind dunkel gefasst, die Augen sind ebenfalls dunkel. Mit der Kopfhaltung und dem langgestreckten Schnabel erinnert der Vogel auf Fragment Inv.4600 an eine Ente. Die Bildfelder umläuft außen der „laufende Hund“ in heller Ausführung auf dunklem Grund. Er wechselt in den Längs- und Querachsen seine Laufrichtung. Die gegenständige Ausrichtung der Vögel zueinander legt nahe, dass die beiden Einsätze an gegenüberliegenden Seiten in ein Gewebe eingearbeitet waren, zum Beispiel im Schulter- oder Kniebereich einer Tunika, in den Ecken einer Kapuze oder eines Tuches. Die geringe Größe der Einsätze und die niedlichen Motive lassen vermuten, dass sie ein Textil schmückten, das für ein Kind gedacht war. Dekors in vergleichbarer Größe und mit ähnlichen Motiven sind jedenfalls auf Kinderkleidung aus dem spätantiken Ägypten nachzuweisen. Veröffentlichung: C. Fluck / K. Finneiser, Kindheit am Nil, Berlin 2009, S. 26-27, Nr. 8b (Cäcilia Fluck 2017)
Ärmel einer Kindertunika
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Bei dem Fragment handelt es sich um das untere Ende eines Ärmels. Weil die ehemalige Verbindungsnaht an der Unterseite gelöst ist, sieht man heute den Ärmel in seiner gesamten Breite. Nahtspuren sind noch deutlich an den beiden Längskanten zu erkennen. Das Gewebe der ursprünglich innen liegenden Nahtzugaben ist zudem heller als das übrige Gewebe. Zum Handgelenk hin wurde der Ärmel etwas enger. Durch die aufgenähte Borte über dem Saum wurde das Gewebe an der Kante leicht gekräuselt, so dass sich dort kleine Falten bildeten. Die schmale Saumborte wurde in der Technik der Brettchenweberei hergestellt. Für diese Technik wird kein Webstuhl benötigt, sondern kleine gelochte Brettchen, durch welche die Kettfäden gezogen werden. Durch das Drehen der Brettchen entsteht jeweils ein neues Fach, in das der Schuss eingelegt wird. Er liegt unsichtbar zwischen den sich laufend verdrehenden Kettfäden. Muster werden bei dieser Technik folglich durch verschiedenfarbige Kettfäden erzeugt. Auf der Ärmelborte setzt es sich aus Rauten, herzförmigen Motiven und stilisierten Blüten zwischen jeweils zwei kleinen gegenständigen Dreiecken an den Längsseiten zusammen. Der bunte Zierstreifen wenige Zentimeter oberhalb dieser Borte ist sehr sorgfältig direkt in das Grundgewebe eingewirkt worden. Auf dunkelblauem Grund sind in der Mitte jeweils getrennt durch zwei kleine gelbe Rechtecke rot-gelbe Blüten zwischen kräftig grünen Kelchblättern im Wechsel mit Kreuzrosetten in den Farben grün, rot und weiß zu sehen. Die Enden der mittleren Bildzone kennzeichnen je zwei längliche Stäbchen in gelb-rot und rot-grün mit heller Umrandung. Weiße Linien begrenzen die Mittelbahn seitlich. Die rotgrundigen Randzonen sind durch je eine ebenfalls helle Linie gegliedert. Außen verläuft beidseitig ein „laufender Hund“, der nicht bis an die Bortenenden geführt wird, sondern mit dem jeweils letzten Motiv in der Mittelbahn abschließt. Bemerkenswert ist noch, dass der Händler, bei dem dieses Stück im Winter 1900/1901 erworben wurde, eine Herkunftsangabe auf dem Gewebe hinterlassen hat. In schwarzer Tinte ist am Rand unten links „Achm(im)“ zu lesen. Achmim war in der Antike und ist bis heute ein bedeutendes Zentrum der Textilproduktion und einer der ergiebigsten Fundplätze antiker Textilien. Grundsätzlich ist bei solchen Angaben Vorsicht geboten, denn oft wurde ein Fundort „erfunden“, um den Verkaufswert der Objekte zu steigern. Veröffentlichung: C. Fluck / K. Finneiser, Kindheit am Nil, Berlin 2009, S. 24-25, Nr. 7 (Cäcilia Fluck 2017)
Runder Einsatz von einer Tunika
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Der kleine runde Einsatz stimmt in Größe, Technik und Motiv mit Inv. 4600 überein. Vermutlich stammen beide Einsätze von demselben Kleidungsstück oder Tuch. Die musterbildenden Schusseinträge sind über zwei- oder dreifache Kettfäden geführt worden. Das bedeutet, dass die Wirkerei direkt in ein Grundgewebe eingearbeitet wurde. Es handelt sich daher nicht um separat hergestellte Besätze, für die die Weber so gut wie immer gezwirnte Kettfäden verwendeten (siehe Inv.9169, 4611). Der Einsatz ist heute mit einem modernen Gewebe unterlegt. Auf blauem Grund ist im mittleren runden Bildfeld ein Vogel mit üppigen Schwanzfedern in Seitenansicht wiedergegeben. Er blickt nach rechts. Der Vogel ist in heller Wolle ausgeführt, lediglich der Schnabel und die kurzen Beine mit den Krallen bestehen aus roter Wolle. Die Flügel über dem Rücken sind dunkel gefasst, die Augen sind ebenfalls dunkel. Das Bildfeld umläuft außen der „laufende Hund“ in heller Ausführung auf dunklem Grund. Er wechselt in den Längs- und Querachsen seine Laufrichtung. Die gegenständige Ausrichtung der Vögel zueinander (Inv.4594 und 4600) legt nahe, dass die beiden Einsätze an gegenüberliegenden Seiten in ein Gewebe eingearbeitet waren, zum Beispiel im Schulter- oder Kniebereich einer Tunika, in den Ecken einer Kapuze oder eines Tuches. Die geringe Größe der Einsätze und die niedlichen Motive lassen vermuten, dass sie ein Textil schmückten, das für ein Kind gedacht war. Dekors in vergleichbarer Größe und mit ähnlichen Motiven sind jedenfalls auf Kinderkleidung aus dem spätantiken Ägypten nachzuweisen. Veröffentlichung: C. Fluck / K. Finneiser, Kindheit am Nil, Berlin 2009, S. 26-27, Nr. 8a (Cäcilia Fluck 2017)
Puppentunika
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die kleine Tunika gehört zu den bemerkenswertesten Objekten der Textilsammlung des Museums für Byzantinische Kunst. Die geringen Ausmaße lassen keinen Zweifel daran, dass sie für eine Puppe gedacht war. In ihrer Form und Verzierung ahmt sie die römische Tunika nach. Sie ist jedoch nicht in Form gewebt, sondern aus Resten von zwei verschiedenen Leinengeweben zusammengefügt worden. Vorder- und Rückenteil mit den Ärmelansätzen wurden kreuzförmig zugeschnitten, gefaltet, zusammengenäht und mit einem horizontalen Halsschlitz versehen, dessen Kante sorgfältig versäubert ist. Danach fügte man die unteren Ärmelhälften an. Sie fallen im Verhältnis zum Vorder- und Rückenteil ungewöhnlich eng aus. Der Dekor der kleinen Tunika besteht aus clavi, einer Saumborte und schmalen Borten, von denen Reste an den Ärmelenden und um den Halsschlitz bewahrt sind. Alle dürften wie auch das Grundgewebe von abgelegten Kleidungsstücken stammen und weiter verwertet worden sein. Die im Verhältnis zu den Gesamtmaßen der Tunika ungewöhnlich breiten clavi sind wie üblich spiegelbildlich auf beiden Seiten angebracht, so dass Vorder- und Rückenteil nicht zu unterscheiden sind. Sie reichen bis an die Seiten und sind dort mit in die Naht eingefasst. Einer der clavi reicht nur ungefähr bis zur Mitte der Tunika. Der untere Teil ist nicht etwa zerstört, sondern dem "Schneider" ist offenbar das Material ausgegangen, denn eine Vorstichreihe an der unteren Schmalkante, die den clavus mit dem Grundgewebe verbindet, spricht dafür, dass er hier endete. Die clavi sind mit einem Muster aus grünen, abwechselnd ganzen und halbierten Ovalen und Rosetten mit bunter Binnenzeichnung auf rotem Grund verziert. Gelbe Rosetten und blaugrundige, mit Sternrosetten gefüllte Kreise schmücken die ebenfalls rotgrundige Saumborte. Die Bortenreste an den Ärmeln und um den Halsschlitz bestehen aus blauer Wolle und zeigen noch Reste eines hellen geometrischen Musters in Lanciertechnik. Miniaturausgaben von Tuniken sind in der Masse ägyptischer Textilien aus spätantiker Zeit nur sehr selten nachzuweisen. Mit ihnen wurden aus Holz, Bein oder Lumpen gefertigte Puppen bekleidet [Holzpuppe mit gewebter Tunika, MBK Inv. 10779, 1936 von Albert Figdor angekauft, angeblich aus Achmim (seit dem Krieg vermisst)]. Die wenigen Objekte mit gesichertem Fundkontext stammen aus Kindergräbern. Deshalb liegt die Vermutung nahe, dass sie als Spielzeug dienten. Dafür sprechen zudem die strapazierfähigen, bruchsicheren und teilweise wiederverwerteten Materialen, aus denen die Püppchen und ihre Garderobe hergestellt wurden. Manche Forscher halten sie zwar für magische Objekte, doch sind konkrete Indizien, die auf eine Verwendung im magischen oder religiösen Zusammenhang deuten, aus Ägypten für die Spätantike nicht bekannt. Veröffentlichung: C. Fluck / K. Finneiser, Kindheit am Nil, Berlin 2009, S. 50-51, Nr. 20 (Cäcilia Fluck 2017)
Fragment eines Besatzes mit Resten einer Darstellung der Anbetung der Magier
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Bei dem kleinen Wirkereifragment handelt es sich um einen Ausschnitt entweder aus einem großen Orbiculus oder einer sehr breiten Borte mit einer Bildkomposition, die mit Inv.4614 weitestgehend übereingestimmt haben muss. Auf dem roten Hintergrund ist unten links der Rest der mit einem Nimbus versehenen, sitzenden Gottesmutter Maria zu erkennen, die das Jesuskind, durch den typischen Kreuznimbus gekennzeichnet, vor sich auf dem Schoß hält. Über dem Kopf Marias ist wie in Inv.4614 der „Nilschlüssel“, hier noch stärker abstrahiert, angebracht. Über ihrem ausgestreckten Arm ist als Füllmotiv ein kleiner Vogel eingefügt. Im oberen Bildausschnitt schreitet eine Gestalt in hellem Gewand mit zurückgewendetem Kopf nach links. Ihr Gesicht ist zerstört. Wahrscheinlich stellt sie einen der drei Magier dar.
Reitermantel
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Der Mantel im Stil der orientalischen Reitertracht mit überlangen Ärmeln und ausgestelltem Schnitt wurde aus einem blaugrünen Wollgewebe geschneidert. Er weist überlange Ärmel, ausgestellte Seiten und eine vorspringende Brustklappe auf. Ein Bindeband ist auf der Innenseite der Brustklappe erhalten. Außergewöhnlich sind Bewegungsschlitze im Bereich der Achseln. Alle Kanten sind mit Borten in Brettchenweberei besetzt. In der mittelägyptischen Stadt Antinoupolis wurden gleich mehrere solcher, aus kostbaren Geweben (Seide oder ein Gemisch aus Kaschmir- und Schafwolle) hergestellte Mäntel gefunden. Schnitt und technische Merkmale deuten auf eine persische Herkunft. Vermutlich handelt es sich um Importware für eine wohlhabende Bürgerschicht.
Vorderteil einer Tunika
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die rote Wolltunika, von der der untere Teil der Rückseite fehlt, ist in einem Stück gewebt worden. Die fertig gewebte Tunika hatte die Form eines großen Kreuzes. Sie wurde in der Horizontalachse gefaltet, danach schloss man die Seiten und Ärmel. Letztere wurden zuvor schräg eingeschlagen, damit sie zum Handgelenk hin schmaler wurden. In der Mitte des Vorder- und Rückenteils verlief eine breite Querfalte, die dazu diente, die Länge der Tunika auszugleichen. Nähte und Querfalte sind heute aufgetrennt. Der Dekor der Tunika besteht aus schlichten hellen Streifen an den Seiten und an den Enden der Ärmel sowie aus direkt in das Grundgewebe eingearbeiteten horizontalen Zierstreifen zu beiden Seiten des Halsschlitzes, die seitlich in Längsstreifen (clavi) umbrechen, welche bis zur mit Fransen besetzten unteren Kante reichen. Doppelte Zierstreifen schmücken den unteren Teil der Ärmel. Alle Zierelemente sind einheitlich mit Bändern aus abwechselnd viereckigen und runden Gliedern gemustert, die in regelmäßiger Abfolge Gestalten aus der klassischen Mythologie zeigen: Nereiden, menschliche Gestalten und Eroten, die in ihren vorgestreckten Händen verschiedene Gegenstände halten. Den horizontalen Streifen beidseitig des Halsschlitzes ist jeweils unten eine Arkadenreihe angefügt, in deren Bögen Amphoren stehen.
Rundes Zierstück einer Tunika
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das runde Zierstück gehörte zu einer Tunika. Solche Schmuckelemente saßen entweder auf den Schultern oder in Kniehöhe. Ein grüngrundiger Rahmenstreifen mit nilotischen Sumpfmotiven umgibt ein rotgrundiges Kreisfeld mit zwei Jägern. Zu derselben Tunika gehört die verzierte Halspartie SBM Inv. 6887.
Halsverzierung einer Tunika
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Von einer Tunika mit gerader Halsöffnung ist die vordere Hälfte des Schmuckes des Halsschlitzes erhalten. Entlang der Öffnung verläuft ein hellroter Streifen mit paarweise zuseiten einer Vase sitzenden Greifen. Ein grüngrundiger Streifen darunter knickt rechtwinklig in senkrechte Zierstreifen (Clavi) um und enthält Motive aus einer nilotischen Sumpflandschaft. Ein rotgrundiges Bildfeld zwischen den Clavi zeigt tanzende und musizierende Eroten. Von derselben Tunika stammt auch ein rundes Medaillon (SBM Inv. 6891).
Haarnetz
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Sprang ist eine Flechttechnik, bei der gespannte Fäden miteinander verkreuzt oder verhängt werden. Sie verdrehen sich hierbei automatisch spiegelbildlich an beiden Enden. Das Geflecht wächst so von beiden Seiten aufeinander zu und muss am Schluss auf der Mittellinie fixiert werden, um das Wiederauflösen zu verhindern. Das dabei entstehende, sehr elastische Textil eignet sich besonders gut für Kopfbedeckungen. Für das spitz zulaufende Haarnetz wurde eine Sprangarbeit mit Hilfe der Fixierung in der Mitte stark verjüngt, dann hälftig gefaltet und an den Seiten zusammengenäht. Das Grundmaterial ist dunkelrote Wolle, andersfarbige Fäden bilden variierende Zickzackmuster. Die Deutung solcher Spranggeflechte als Kopfbedeckungen wird dadurch gesichert, dass einige in Gräbern auf den Köpfen von Bestatteten gefunden wurden.
Tunikadekoration
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Die beiden in ein Grundgewebe aus Leinen eingewirkten Zierstreifen (clavi) aus dem Vorder- und Rückenteil einer Tunika sind auffallend und ungewöhnlich bunt gemustert. Rechteckige Felder mit blassorangenem oder violettem Grund wechseln sich ab. In den violetten Feldern sind schwarz konturierte Rauten zu erkennen, die wiederum von kleinen blassorangenen Rauten umgeben sind, wodurch ein gleichmäßiges Rautennetz mit orangenen Linien auf dem violetten Grund aufgespannt wird. Dieser Farbkontrast wird auch in den Randstreifen erneut aufgegriffen, da die violettgrundigen Felder von einem gedehnten, hellblau, grünem Zickzackband auf blassorangem Grund umgeben sind. Die blassorangen Felder enthalten je zwei, teils rotgrundige, teils mit einem roten Kreuz vor hellblauen und grünem Grund gefüllte Kreise und Halbkreise. In alle rotgrundigen Flächen wurden bunte Kreuzrosetten oder Blütenmotive gewirkt. Die Randstreifen der blassorangenen Felder enthalten ein Muster aus violetten geometrischen Motiven in wechselständiger Anordnung auf schwarzem Grund. Sandra Richter (2017)
Clavusfragment
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Vom Clavusstreifen fehlt nur ein kleines Stück am oberen Ende. Das Sigillum ist beschädigt, die Darstellung insgesamt aber noch gut zu erkennen. Eine helle Linie trennt das Mittelfeld von der Randzone, in der eine stilisierte Wellenranke auf blauem Grund wiedergegeben ist. Diese läuft unten in den Verbindungssteg aus und umgibt von dort auch das zentrale Medaillon im Sigillum, das eine Büste mit Nimbus enthält. Im rotgrundigen Bildfeld ist unten zunächst Jesus zu erkennen, als erwachsener Mann in dunklem Gewand, mit dem für ihn typischen Kreuznimbus und der im Redegestus erhobenen rechten Hand. Er wendet sich wie die über ihm abgebildete, in ein gelb-grünes Gewand gekleidete Gestalt nach links. Auch sie besitzt einen Nimbus und scheint mit ihrer rechten Hand eine Schriftrolle zu umfassen. Ihr folgt oben ein eng umschlungenes Figurenpaar. Die linke Gestalt ist in ein dunkles, die rechte in ein gelb-grünes Gewand gehüllt. Darüber erkennt man um 90° versetzt den Kopf eines Ochsen und den eines Esels, dazwischen befindet sich eine winzige liegende Gestalt auf einer Unterlage. Hier ist in reduzierter Form die Krippe in Bethlehem dargestellt. Diese Szene liefert insofern einen Anhaltspunkt für die Deutung der übrigen Figuren auf diesem Clavus, als anzunehmen ist, dass auch sie in Bezug zur Geburt Christi stehen. Die beiden einander umarmenden Figuren geben die Heimsuchung, den Besuch Marias bei Elisabeth, nach Lk 1, 39-56 wieder. In weniger stilisierter Ausführung sind sie auf einigen anderen Textilien ägyptischer Herkunft abgebildet. Ein besonderes Kennzeichen ist außer der Umarmung dabei immer die helle und dunkle Gewandung der beiden Frauengestalten. Schwieriger ist die Identifizierung der auf das Figurenpaar weiter unten folgenden Gestalt. Es könnte sich um den Engel aus der Verkündigungsszene handeln, wie sie zum Beispiel auf einer Stickerei im Besitz des Victoria and Albert Museums in London zusammen mit der Heimsuchung dargestellt ist. Wieder eindeutig ist die Bestimmung der Figur ganz unten im Clavusstreifen als Christus, ausgewiesen durch den Kreuznimbus. Diesmal ist er als Erwachsener dargestellt. Auf dem Berliner Clavusfragment sind also chiffreartig einige Szenen aus dem Lebenszyklus Christi zusammengestellt worden. Eine sehr ähnliche Motivauswahl wurde auf den stilistisch verwandten Besätzen von Tuniken im Field Museum of Natural History in Chicago und im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt getroffen. Auf beiden Stücken sind noch weitere Szenen aus dem Leben Christi angedeutet.
Fragment eines Zierstreifens mit Szene aus der alttestamentlichen Josefsgeschichte
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das Fragment bildete den unteren Abschluss vom Längsstreifen (clavus) einer Tunika. Das längliche Bildfeld war von einer dreiteiligen Randborte mit verzahnten Winkelmotiven in den äußeren Bahnen und gereihten herzförmigen Blüten innen gerahmt. Unten links in der Bildzone sitzt ein Mann mit Nimbus, grauem Haar und Bart auf einer mit Kissen ausgestatteten Bank. Er führt seine linke Hand an den Kopf, während er den rechten Arm nach vorn einer kleinen, vor ihm stehenden Gestalt mit erhobenem rechten Arm entgegenstreckt. Über dieser Szene sind die Füße und Unterkörper von zwei weiteren, sich aufeinander zu bewegenden Personen zu erkennen. Sie sind mit langen Gewändern bekleidet. Zwischen ihnen hängt ein Gewandzipfel herab. Die sitzende Gestalt gleicht bis ins Detail den Darstellungen Jakobs auf etlichen ägyptischen Wirkereien, wie er im Begriff ist, seinen Sohn Josef auszusenden (Gen 37, 13-14). Die Deutung der kleinen Figur vor ihm ist zweifelhaft. Genau diese Figurenkombination kommt an gleicher Stelle auf vollständigeren Clavi vor (zum Beispiel bei den Clavi einer Tunika in derselben Sammlung, Inv. 9109-9110, oder bei einem Exemplar im Nordböhmischen Museum in Liberec, Inv. 1846).
Fragment mit Zierstreifen
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Eine Blattranke erscheint vor einem dunklen Hintergrund, der den gesamten Zierstreifen ausfüllt. Von den Wellen der Ranke gehen wechselständig kleine Voluten und rote herzförmige Blätter mit leicht gebogener Spitze aus. Vier weiße Punkte an den Blatträndern deuten jeweils die Äderung an. Das Stück weist eine Naht auf. Dies spricht dafür, dass das Fragment zu einer Tunika mit einer Querfalte in der Mitte gehörte. Bei dem hier waagerecht wiedergegebenen Zierstreifen handelt es sich daher vermutlich um einen clavus, der seitlich von der Halsöffnung über das Vorder- bzw. Rückenteil nach unten verlief.
Besätze einer Tunika mit Josefszyklus
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
In der ägyptischen Textilkunst ist die Josefsgeschichte bis auf wenige Ausnahmen auf Besätzen abgebildet, mit denen Tuniken verziert wurden. Diese Besätze sind aus farbiger Wolle auf einer Leinenkette gewirkt und als Sets mit aufeinander abgestimmten Bildmotiven hergestellt worden. Inzwischen sind an die hundert solcher runden (orbiculi) und rechteckigen (tabulae oder manicae) Applikationen oder Längsstreifen (clavi) bekannt geworden. Das zugehörige Grundgewebe des Kleidungsstückes, auf dem sie einst aufgenäht waren, ist meist nicht erhalten. Umso bedeutsamer sind größere Fragmente wie das Vorder- bzw. Rückenteil dieser Tunika in Berlin, die anschaulich vermitteln, wie der Dekor ursprünglich angeordnet war. Die Orbiculi sind etwa in Kniehöhe angebracht. Weitere Orbiculi zierten wahrscheinlich auch die heute zerstörten Schulterpartien. Sie zeigen Szenen aus der Josefsgeschichte. Trotz der ausgefallenen Schussfäden ist zu erkennen, dass der große Traumzyklus dargestellt war. Jeweils neun Episoden aus der Geschichte werden beim linken Orbiculus gegen den Uhrzeigersinn, auf dem Pendant auf der rechten Seite spiegelbildlich im Uhrzeigersinn erzählt. Die beiden Lesefolgen werden durch umkehrbare Musterschablonen ermöglicht. Im Zentrum beider Besätze ist – eingefasst von einem hellen Band mit Blüten und Knospen – der schlafende Josef wiedergegeben, der von Sonne, Mond und Sternen (Gen 37, 9-11) und den Korngarben (Gen 37, 5-8) träumt. In der umlaufenden breiten Bildzone ist über den zentralen Medaillons der thronende Jakob zu sehen, der Josef zu seinen Brüdern schickt (Gen 37, 13-14). Es folgen der Fremde, der Josef den Weg nach Dothan weist (Gen 37, 15-17), der Brunnenwurf (Gen 37, 23-24), die Schlachtung des Ziegenbocks (Gen 37, 31) – hier nur angedeutet durch die bloße Wiedergabe des Tieres –, Josef und einer seiner Brüder mit dem blutgetränkten Gewand zwischen sich, der Verkauf Josefs an den Ismaeliter (Gen 37, 28), der trauernde Ruben (Gen 37, 29-30), die Reise nach Ägypten (Gen 37, 28) und der Weiterverkauf Josefs an Potiphar, den Beamten des ägyptischen Pharao (Gen 37, 36 und 39, 1). Die beiden Orbiculi sind außen von einer dreistreifigen Randborte eingefasst mit verzahnten Winkelmotiven in den schmalen äußeren Bahnen und einer Ranke aus Flügelpalmetten in der mittleren Bahn. Die Tunika, zu der die Besätze gehörten, ist unter Nr. 9110 inventarisiert. (Cäcilia Fluck, 2014)
Tunikafragment mit Josefszyklus
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
In der ägyptischen Textilkunst ist die Josefsgeschichte bis auf wenige Ausnahmen auf Besätzen abgebildet, mit denen Tuniken verziert wurden. Diese Besätze sind aus farbiger Wolle auf einer Leinenkette gewirkt und als Sets mit aufeinander abgestimmten Bildmotiven hergestellt worden. Inzwischen sind an die hundert solcher runden (orbiculi) und rechteckigen (tabulae oder manicae) Applikationen oder Längsstreifen (clavi) bekannt geworden. Das zugehörige Grundgewebe des Kleidungsstückes, auf dem sie einst aufgenäht waren, ist meist nicht erhalten. Umso bedeutsamer sind größere Fragmente wie das Vorder- bzw. Rückenteil dieser Tunika in Berlin, die anschaulich vermitteln, wie der Dekor ursprünglich angeordnet war. Die Clavi und Orbiculi zeigen Szenen aus der Josefsgeschichte. Bei den beiden Orbiculi sind die wollenen Schussfäden größtenteils ausgefallen. Trotzdem ist zu erkennen, dass der große Traumzyklus dargestellt war. Jeweils neun Episoden aus der Geschichte werden beim linken Orbiculus gegen den Uhrzeigersinn, auf dem Pendant auf der rechten Seite spiegelbildlich im Uhrzeigersinn erzählt. Die beiden Lesefolgen werden durch umkehrbare Musterschablonen ermöglicht. Im Zentrum beider Besätze ist – eingefasst von einem hellen Band mit Blüten und Knospen – der schlafende Josef wiedergegeben, der von Sonne, Mond und Sternen (Gen 37, 9-11) und den Korngarben (Gen 37, 5-8) träumt. In der umlaufenden breiten Bildzone ist über den zentralen Medaillons der thronende Jakob zu sehen, der Josef zu seinen Brüdern schickt (Gen 37, 13-14). Es folgen der Fremde, der Josef den Weg nach Dothan weist (Gen 37, 15-17), der Brunnenwurf (Gen 37, 23-24), die Schlachtung des Ziegenbocks (Gen 37, 31) – hier nur angedeutet durch die bloße Wiedergabe des Tieres –, Josef und einer seiner Brüder mit dem blutgetränkten Gewand zwischen sich, der Verkauf Josefs an den Ismaeliter (Gen 37, 28), der trauernde Ruben (Gen 37, 29-30), die Reise nach Ägypten (Gen 37, 28) und der Weiterverkauf Josefs an Potiphar, den Beamten des ägyptischen Pharao (Gen 37, 36 und 39, 1). Die beiden Orbiculi sind außen von einer dreistreifigen Randborte eingefasst mit verzahnten Winkelmotiven in den schmalen äußeren Bahnen und einer Ranke aus Flügelpalmetten in der mittleren Bahn. Die Clavi sind etwas besser erhalten, die meisten Darstellungen daher gut zu erkennen. Die Randborte entspricht der der Orbiculi. Die Szenenabfolge ist auf beiden Clavi gleich. Gezeigt wird eine Auswahl der Szenen aus dem großen Zyklus. Die Geschichte beginnt mit dem träumenden Josef in den runden Anhängseln der Clavi (sigilla). Er ist dort um 90° verdreht wiedergegeben, so dass er sich dem Betrachter in aufrechter Haltung darbietet. Der Zyklus wird von unten aufsteigend in den Clavi fortgesetzt: unten ist zunächst der thronende Jakob aus der Aussendungsszene zu sehen. Unklar ist, wen die kleine schwebende Gestalt vor ihm darstellt. Es könnte sich um eine verkümmerte Darstellung des Fremden handeln, dem Josef auf dem Feld begegnet, oder aber um Benjamin, Josefs kleinen Bruder, der jedoch im großen Zyklus auf den Orbiculi nicht vorkommt. Die Reihenfolge der Erzählung ist bei den folgenden Szenen etwas durcheinander gebracht: die stark beschädigte nächste Szene stellt Josef und seinen Bruder mit dem blutgetränkten Gewand dar, darüber folgt der Brunnenwurf. Nun schließt sich die Reise nach Ägypten an, und danach erst erfolgt der Verkauf an den Ismaeliter. Mit dieser Szene ist die Schulterhöhe der Tunika erreicht. Ab hier verlaufen die Darstellungen in entgegengesetzter Richtung weiter, so dass sie auf Vorder- und Rückseite der Tunika richtig ausgerichtet zu sehen waren. Auf dem rechten Clavus ist noch die Szene mit dem Verkauf Josefs an Potiphar in Resten erhalten.
Besatz einer Tunika mit David und Saul
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Den annähernd quadratischen Besatz füllt ein großer, von einer doppelten Randzone eingefasster Kreis. Im Kreisinneren sind zwei menschliche Gestalten abgebildet, die trotz schadhafter Stellen in der Wirkerei gut zu erkennen sind. Beide sind nach rechts gewandt. Die rechte steht leicht erhöht auf einer Art Podest und trägt einen blau-grünen Mantel über einer gelblichen Tunika. Ein Nimbus umgibt ihren Kopf. Mit ihrem linken Arm umfasst sie eine stilisiert wiedergegebene Leier. Die rechte Hand mit gespreizten Fingern ist vor den Körper geführt. Von hinten nähert sich ihr eine weitere, in gelbe Hosen gekleidete Figur mit einem unkenntlichen Gegenstand in der erhobenen linken Hand. Mit der Rechten richtet sie einen waagerecht gehaltenen Speer gegen den Rücken der vor ihr stehenden Person. Neben die Figuren sind einige Buchstaben eingewirkt, die keinen Sinn ergeben. Sie gehen vermutlich auf Namensbeischriften in der Mustervorlage zurück. Dargestellt ist eine Episode aus der Geschichte von David und Saul nach dem ersten Buch Samuel. In der linken Gestalt ist Saul zu erkennen, der nach dem biblischen Text versucht, den musizierenden David zu töten (1 Sam 18, 10-11 und 19, 9-10). David lyricus, der Leier spielende David, ist auf ägyptischen Wirkereien wiederholt abgebildet. Allerdings wird dann meist auf die Berufungsszene (SBM Inv. 6965) Bezug genommen. Der relativ große Besatz gehörte vermutlich zum Dekor einer Tunika und könnte dort etwa in Kniehöhe gesessen haben.
Rechteckiger Besatz von einer Tunika mit menschlichen Figuren
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Der rechteckige Besatz zeigt in stark abstrahierter Form eine figürliche Darstellung vor einem roten Hintergrund. Etwa in der Mitte ist eine nach links blickende Gestalt mit Nimbus in langem, grün-blau gestreiftem Gewand zu erkennen. Sie steht leicht erhöht auf einem Podest, das links spitz nach oben ausläuft. Vor sich hält sie ein vertikal unterteiltes Gebilde, durch das sie eine Hand steckt. Eine weitere Hand befindet sich in Schulterhöhe. Es ist nicht zu entscheiden, ob sie zu dieser Figur oder zum ausgestreckten Arm einer weiteren menschlichen Gestalt in ihrem Rücken gehört. Von dieser ist nur noch der Unterkörper, eingehüllt in ein grünes Kleid mit deutlich abgesetzter Saumborte, erhalten. Links im Bild springt ein Vierbeiner mit erhobenen Vorderpfoten auf die mittlere Gestalt zu. Über seinem Kopf ist ein großes winkelförmiges Objekt wiedergegeben. Kleine stilisierte Blätter, geometrische Formen und N-Motive dienen als Füllsel. Die Bildmotive lassen sich nur durch einen Vergleich mit anderen Denkmälern deuten. In verständlicher Bildsprache sind sie zum Beispiel auf einem der neun zyprischen Silberteller aus dem sogenannten Lambousa-Schatz (7. Jahrhundert) mit Episoden aus dem Leben Davids nach dem ersten Buch Samuel 16, 1-31, 13 wiedergegeben. (Nikosia Inv. J 454). Dort sitzt rechterhand David mit seinem Instrument unter freiem Himmel, der durch Sonne, Mond und Sterne angedeutet wird. Unter der Leier flattert ein Mantelzipfel. Zu seinen Füßen erkennt man weidende Schafe. David hat seinen rechten Arm erhoben und richtet seinen Blick auf eine Gestalt in kurzer Tunika mit wehendem Manteltuch, die ihm von links entgegentritt. In der Linken hält sie einen langen Stab, mit der erhobenen Rechten scheint sie zu grüßen. Es ist der von Davids Vater Isai gesandte Bote (1 Sam 16, 12). Er kommt, um David, der gerade Schafe hütet, abzuholen und ihn zu Samuel zu führen. Um genau diese Szene handelt es sich auch auf der Berliner Borte. Die Person in der Mitte ist als David zu identifizieren, das Gebilde in seiner Hand ist im Vergleich unschwer als Leier zu deuten. Das vierfüßige Tier darf man als Andeutung der Landschaft verstehen, in der David sich aufhält. Und sogar das große winkelförmige Motiv lässt sich mit Hilfe des zyprischen Silbertellers erklären: Gemeint ist das Himmelsegment mit den Gestirnen, welches hier bis zur Unkenntlichkeit entstellt ist. Trotz der starken Stilisierung der einzelnen Motive erweist sich die Darstellung auf der Berliner Borte als ikonographisch ziemlich getreue Nachbildung des Silbertellers. Die gleiche Szene ist auf mehreren ägyptischen Wirkereien in etwas naturgetreuerer Ausführung als auf der hier vorgestellten Borte wiedergegeben (Antwerpen, The Phoebus Foundation, Inv. 382-03). Dort fehlen aber die landschaftlichen Details. Cäcilia Fluck (2017)
Clavus mit Szenen aus der Josefsgeschichte
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Der Clavus ist fast in seiner Originallänge erhalten. Im rotgrundigen Mittelfeld sind untereinander sieben einzelne Figuren angeordnet. Bis auf die mittlere sind alle nach links orientiert. Die Gestalt zuunterst trägt ein blau-grünes Gewand und hatte ursprünglich schwarzes Haar. Sie scheint mit ihrer erhobenen rechten Hand einen Stab zu umfassen; der andere Arm ist diagonal vor den Körper geführt. Die Figur über ihr kennzeichnet welliges, helles Haar und ein blauer Nimbus. Sie ist leicht vorgebeugt und greift nach einem trapezförmigen Gegenstand, den oben ein rundes Motiv krönt. Darüber folgt eine schwarzhaarige Figur in grünem Gewand mit flatterndem Schal im Rücken. Ihren rechten Arm hat sie erhoben, der linke liegt vor dem Körper. Auffällig ist ihr überlanges, merkwürdig nach oben gebogenes linkes Bein. Die mittlere Person ist dunkelhäutig. Sie sitzt in leichter Rechtsdrehung auf einer Bank oder einem Stuhl mit hoher Rückenlehne. Vor ihrem Bauch hält sie einen verzierten ovalen Gegenstand. Die drei oberen Gestalten sind nur noch vage zu erkennen. Zumindest die dem Dunkelhäutigen folgende scheint nimbiert zu sein. Einige charakteristische Details weisen die Dargestellten als Akteure der Josefsgeschichte aus (vgl. die Tunika Inv. 9109/9110), und zwar lassen sich die Opferszene und der Verkauf an den Ismaeliter identifizieren. Der Clavus ist mit einer dreiteiligen Randzone eingefasst. Die mittlere Bahn ziert eine stilisierte Ranke aus Flügelpalmetten; die beiden äußeren Bahnen zeigen wie häufig verzahnte Winkelmotive. Das Randornament läuft am Clavusende im Verbindungssteg weiter und umgibt dann eine Büste mit Nimbus im Zentrum des Sigillums, die vermutlich nichts mit der Geschichte zu tun hat und einer anderen Vorlage entnommen ist.
Clavusfragment
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das Clavusfragment entspricht weitgehend den unter Inv.9962 und 4584 beschriebenen Stücken. Auch hier ist das Sigillum nicht erhalten, und oben fehlen einige Zentimeter. Vor allem im unteren Drittel sind die Wollschüsse ausgefallen. Die dargestellten Motive sind trotzdem noch gut zu erkennen. Die Bildkomposition entspricht genau den genannten Parallelen, der Figurenstil ist nur leicht verändert. Die Randborte besteht auch hier aus dem beliebten Motiv von gereihten Knospen auf hellem Grund innen und verzahnten Winkelmotiven außen. Ein Perlstab fasst das untere und obere Bildfeld des Mittelstreifens seitlich ein. Ganz oben sind noch die nach links schreitenden Füße einer menschlichen Gestalt zu sehen. Im Bildfeld darunter befindet sich durch eine gepunktete Linie abgesetzt das in die Länge gezogene Figurenpaar der Maria mit dem Jesuskind, über dessen Kopf mit Kreuznimbus ein um 90° verdrehter skizzenhafter Vogel und ein kleines Zweigmotiv eingewirkt sind. Im unteren, länglichen Bildfeld erkennt man wieder die Gestalten der drei Magier nach Mt 2, 11 übereinander in gleicher Ausrichtung und Gestik und mit den gleichen Attributen wie bei Inv.9962 und 4584.
Fragment eines Clavus mit Christus- und Marienszenen
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Das Fragment eines Längsstreifen (clavus) gehörte zum Dekor einer Tunika. Eine zweistreifige Randborte aus verzahnten Winkelmotiven außen und aneinander gereihten Knospen außen rahmt eine längliche Bildzone mit übereinander gestellten figürlichen Motiven. Dargestellt sind Maria mit dem Jesuskind und die drei Magier nach Mt 2, 11. Als Füllmotiv hat der Wirker über dem Nimbus von Jesus eine kleine Palmette eingefügt, und über der Figur im unteren Abschluss des clavus erscheint ein kleines Kreuz. Die gleiche Bildfolge findet sich auf den clavi eines seit dem Krieg verschollenen Tunikafragments aus der Sammlung des Museums für Byzantinische Kunst wieder (Inv. 9962).