18 results
Object type: Mensch (Grabausstattung / Sarg/Sarkophag)
Deckel des anthropomorphen Sargs des Chaa/Chai-Hor
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Im Jahr 1908 wurde der anthropomorphe Holzsarg des zweiten Priesters der Neith Chai-Hor aus Kom Ombo, Sohn von Nechet-Hor-heb und Cha-bas, zusammen mit der darin befindlichen Mumienhülle aus Kartonage und der Mumie nach Berlin gebracht. Ursprünglich gehörte zu dem Ensemble noch ein äußerer Sandsteinsarkophag. Der Holzsarg des Chai-Hor wurde schwarz grundiert und polychrom dekoriert. Der proportional sehr große Kopfteil des bauchigen Holzsarg, dessen Vorderteil mit dem Gesicht und einem Teil der Perücke extra ausgearbeitet und an den Deckel befestigt wurde, hat eine fast quadratische Form. Das breite Gesicht des Sargdeckels ist umrahmt von einer schwarzen Perücke, deren einzelnen Haarsträhnen durch Längs- und Querstriche in gelber Farbe gekennzeichnet werden. Die Innenzeichnungen zeigen deutlich, dass es sich hier um eine gestufte Perücke handelt, die sich in der Ptolemäerzeit großer Beliebtheit erfreute. Unterhalb des schmalen Blütenhalskragens lässt sich eine Darstellung eines geflügelten Skarabäus mit einer Sonnenscheibe zwischen den Vorderbeinen erkennen, gefolgt von der knienden Himmelsgöttin Nut mit ausgestreckten Flügeln. In den darunter befindlichen drei Registern sieht man die Darstellungen der verschiedenen Gottheiten vor den unterschiedlichen Erscheinungsformen des Osiris: Im oberen Register die erste Erscheinungsform des Osiris. Sie wird von Isis und Nephthys angebetet, die jeweils von zwei Horussöhnen flankiert werden. Im mittleren Register folgt die Darstellung von Horus und Thot vor einem Djed-Pfeiler mit dem Kopf des Osiris. Im unteren der drei Register sind Isis und Nephthys in Gestalt der geflügelten Göttinnen noch einmal abgebildet, die mit ihren ausgebreiteten Flügeln den mumienförmigen Osiris beschützen. Den Abschluss der Dekoration des Sargdeckels bilden die Darstellungen weiterer mumienförmiger Gottheiten, Anubis und Upuaut in Gestalt zwei sich gegenüberstehenden, auf Schreinen liegenden Schakalen im Fußbereich, sowie auf der Vorderseite der Basis die Szene des von Maat zu den vier mumiengestaltigen Gottheiten geführten Verstorbenen. Des Weiteren begrenzen Inschriftenbänder die Dekoration des Sargdeckels seitlich. Sie sind auch auf den Seiten der Sargwanne vorhanden. (I. Liao)
Innerer, anthropomorpher Sarg der Tairkap (Deckel)
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Im Alten Ägypten war es, bis auf wenige Ausnahmen, üblich, Frauen etwas einfacher für das Jenseits auszurüsten als Männer. Dies spiegelt sich im Sargensemble der Tarekap deutlich wieder. Auch wenn alle Sargkomponenten in einer handwerklich hoch stehenden Qualität angefertigt worden sind, beschränkt sich die Dekoration auf ein knappes Maß an Illustrationen. Sowohl Deckel als auch die Wanne des inneren Sargs wurden gänzlich mit Texten aus dem Totenbuch überzogen. Dem schließen sich ausführliche genealogische Angaben mit einer Aufzählung verstorbener Verwandter an. Da die Holzsärge aus dem Grab des Amunpriesters Paestenfi stammen (ÄM 52/01), ist auch die Zugehörigkeit der Verstorbenen zur thebanischen Oberschicht nicht verwunderlich. Tarekap selbst trägt in den Inschriften den Titel der „Verhüllten“, ein Hinweis auf ihren Status als Frau eines Priesters. Mit dem Anch-Zeichen, einem Symbol, das für das Weiterleben im Jenseits steht, wurde sogar der Sockel des Sargdeckels mit hieroglyphischen Zeichen ausgeschmückt. Die ikonographische Ausstattung des Sargdeckels wurde weitgehend konventionell gehalten. Vom Mittelteil des Sargdeckels führen je fünf paarweise Darstellungen ab, die außer den vier Horussöhnen zwei Erscheinungsformen des Gottes Anubis, die Gottheiten Geb und Nut sowie zwei Udjat-Augen zeigen – eine Aufteilung, die in leichten Variationen typisch für diese Zeit war. Auch die Darstellungen der geflügelten Göttinnen Nut und Isis am Scheitel sowie im Fußbereich des Sargs waren gängige Motive. Im Kontrast zu den eher unscheinbaren Darstellungen und den schwarzen Hieroglyphen auf weißem Grund finden sich allerdings vor allem in der oberen Hälfte des mumienförmigen Sargs einige Farbakzente. Ein feines Accessoire stellt die wie eine Vignette gemalte Darstellung der Toten im Brustbereich dar. Als Zeichen ihres Weiterlebens im Jenseits liegt der Leichnam der Tarekap dort auf einer Bahre unter einer strahlenden Sonnenscheibe. Neben dem bunten Blütenkragen verleiht dem Sarkophag vor allem das von einer schwarzen Perücke umgebene, grün bemalte Gesicht ein bemerkenswertes Aussehen – mit Bezug auf den Gott der Unterwelt Osiris ein Symbol der Regeneration." (Olivia Kühne)
Äußerer, anthropomorpher Sarg der Tairkap (Deckel)
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die beiden anthropomorphen Särge der Tare-kap (ÄM 3, ÄM 4) sind in ihrer Dekoration ähnlich aufgebaut. Sie wurden mit wenigen Illustrationen und vielen Texten geschmückt, wobei die Wannen gänzlich mit Texten aus dem Totenbuch überzogen sind. Die ikonographische Gestaltung des äußeren, anthropomorphen Sargdeckels der Tare-kap entspricht weitgehend der damaligen Konvention: Das Gesicht des Sargdeckels, das von einer ehemals blau bemalten Perücke umgeben ist, wurde als Symbol der Regeneration und mit Bezug auf den Jenseitsgott Osiris grün bemalt. Die Darstellungen der geflügelten Schutzgöttinnen Nephthys, Nut und Isis am Scheitel, auf der Brust sowie im Fußbereich gehören ebenfalls zu gängigen Motiven. Unterhalb des breiten Halskragens und der Göttin Nut mit ihren ausgestreckten Flügeln folgt der tatsächliche Teil mit den Dekorationen. Er beginnt mit einer genealogischen Aufzählung der verstorbenen Verwandten und einer kurzen Anrufung der Nut. Im Anschluss daran führen vom Mittelteil je fünf Darstellungen seitlich ab, die die vier Horussöhne, zwei Erscheinungsformen des Gottes Anubis und des Geb sowie zwei auf dem Neb-Zeichen ruhende Udjat-Augen zeigen. Des Weiteren lässt sich im Mittelteil im Brustbereich des Sargdeckels eine vignettenartige Darstellung der Mumie der Verstorbenen auf einer Löwenbahre finden. Über ihr fliegt der Ba-Vogel. Das zierliche Brustbild fungiert als zentrales Schmuckelement des dezent dekorierten Körpers. Auch die Aufteilung der Bild- und Textfelder des äußeren Sargdeckels der Tare-kap sind typisch für seine Entstehungszeit und variieren nur leicht. Da das Sargensemble der Tare-kap im thebanischen Grab des Amun-Priesters Pa-es-tenfi gefunden wurde, ist die Verstorbene der thebanischen Oberschicht zuzuordnen. Tare-kap trägt außerdem in den Inschriften den Titel „Verhüllte“, der auf ihren Status als Frau eines Priesters hinweist. (I. Liao nach: Helmbold-Doyé, J. / Jancziak, J. (Hrsg.), “Wechselnde Identitäten”. Eine Ausstellung mit Werken von Gelb Bas, Sonderschriften der Ägyptischen Sammlung 4, Berlin 2015, S. 70; Germer, R. / Kischkewitz, H. / Lüning, M., Berliner Mumiengeschichten. Ergebnisse eines multidisziplinären Forschungsprojektes, Regensburg 2009, S. 50ff.)
Sarg der (Hathor-)Ibet
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Der anthropomorphe Sarg der Ibet zählt zu den besterhaltenen aus den Grabungen der Papyruskommission unter Otto Rubensohn in der Nekropole von Abusir el-Meleq. Er stammt aus einem Familiengrab, in dem auch ihr Mann und ihre drei Kinder bestattet wurden. Zur Bestattung der Ibet gehörte auch ein einfacher Kalksteinsarkophag und vergoldete Mumienauflagen. Der weiß grundierte Sarg zeigt wohlerhaltene polychrome Malereien. Das große Gesicht mit den abstehenden Ohren ist braunrot gefasst und wird von einer gestreiften dreiteiligen Perücke umgeben. Auf der Brust befindet sich ein reichverzierter Halskragen, der an den Schultern Falkenkopf-Schließen aufweist. Im Bauchbereich breitet eine geflügelte, kniende Göttin ihre Schwingen aus. Sie sitzt auf einem Inschriftenblock, der aus fünf senkrechten Inschriftenkolumnen besteht. Diese enthalten die Sprüche der Horussöhne und Pyramidentexte: "Es spricht Amset: Ich bin dein Sohn, (ich) bin dein Schutz – Es spricht Duamutef: Ich bin dein Sohn, (ich) bin dein Schutz. Es spricht Hapi: (Ich) bin dein Sohn, (ich) bin dein Schutz – Es spricht Kebechsenuef: Ich bin (dein) Sohn, (ich) bin dein Schutz. Sie mögen dir Gunst geben." und "Es spricht Osiris Jb.t, die Tochter des P(A)-dj-Wsjr, geboren von der Herrin des Hauses Jhw: Deine Mutter Nut breitet sich über dir aus in ihrem Namen „S.t-p.t“. Sie hat bewirkt, dass du existierst als Gott ohne Feinde in deinem Namen „Gott“. Sie bewahrt dich vor jeder üblen Sache in ihrem Namen „Xnm(.t)-wr(.t)“. Du bist das Größte unter ihren Kindern. Geb ist dir gnädig. Er hat dich geliebt (und er hat dich beschützt), er hat dir deinen Kopf gegeben und er hat veranlasst, dass Thot dich zusammenfügt, damit das, was an dir ist, aufhöre, Osiris Jb.t, Tochter des P(A)-dj-Wsjr (geboren von der Herrin des Hauses Jhw), gerechtfertigt." Dieser Inschrift wird zu beiden Seiten von je zwei mumiengestaltigen Horussöhnen mit Maat-Federn in den Händen flankiert. Der Fußbereich birgt zwei sich gegenüber sitzende Schakale auf einem Pylon. Auf dem podestartigen Sockel befindet sich auf der Vorderseite eine Inschrift, die die Opferformel enthält: "Ein Opfer für Osiris, den Großen Gott, den Herrn von Abydos.". Die Rückseite zeigt einen plastisch abgesetzten Rückenpfeiler, auf dem im oberen Bereich eine stehende Göttin in einem roten Trägerkleid und mit Sonnenscheibe auf dem Haupt sowie Leinenstreifen (Stirnbänder?) in den ausgestreckten Händen abgebildet ist. Unter ihr erstreckt sich ein Inschriftenblock aus drei Kolmnen, der mit polychromen Hieroglyphen versehen ist. Diese sind z.T. unvollständig bzw. zeigen rote Vorzeichnungen. Leider ist die Inschrift an einigen Stellen unverständlich. Sie enthält aber wie auf der Vorderseite Passagen aus den Pyramidentexten.
Mittlerer Sarg des Mentuhotep
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Das dreiteilige Sargensemble des Haus- bzw. Gütervorstehers Mentuhotep aus der 12. Dynastie wurde am 6. Dezember 1823 zusammen mit den Grabbeigaben in seinem Grab in Assasif intakt aufgefunden. Der äußere Sarg fiel leider dem zweiten Weltkrieg zum Opfer. Der bemalte mittlere Sarg ist ein für das Mittlere Reich typischer Kastensarg aus Holz. Auch typisch für seine Entstehungszeit ist das Dekorationsschema, das der Auffassung vom Sarg als Wohnhaus des Verstorbenen für die Ewigkeit entspricht. Die vertikalen und horizontalen Inschriftenbänder gliedern die Außenseiten in mehrere Bildfelder, in denen das Motiv ägyptischer Palastfassaden dargestellt ist. In dem rechten Feld der linken Längsseite sind zudem ein Paar sogenannter Udjat-Augen zu sehen. Sie richteten sich nach der zeittypischen Seitenlage der Mumie im Sarg. Somit stellt das Augenpaar nicht nur die Verbindung des Verstorbenen mit der Außenwelt dar, sondern es dient auch zum magischen Schutz des Toten. Die Innenseiten des Sarges sind ebenfalls dekoriert. Unterhalb der hieroglyphischen Opferformel sieht man die Darstellungen verschiedener auf den Tischen gestellter Möbel, Kleider, Speisen, Getränke usw. Mithilfe dieser Darstellungen sollte alles, was man im irdischen Leben genießen konnte, dem Toten auch im Jenseits zur Verfügung gestellt werden. Die darunter befindlichen Sprüche gehören zu den sogenannten Sargtexten. Es sind Sprüche, die sich auf die Transformation des Verstorbenen in eine neue und ewige Existenz im Jenseits beziehen. (I. Liao nach: Germer, R., Das Geheimnis der Mumien. Ewiges Leben am Nil, 2. erweiterte Ausgabe, München / New York 1998, S. 137ff.)
Anthropomorpher Sarg einer Frau
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Der schwarz grundierte Sarg aus Achmim gehörte einer uns heute unbekannten Frau. Er hat eine recht schlanke Form und einen quadratischen Sockel, der vorne länger als die Füße ist. Da die in gelber Farbe aufgemalten Dekorationen heute kaum erhalten sind, lässt sich nur der Name des Vaters der Verstorbenen als Mes-chensu lesen. Ihr Name bleibt jedoch unklar. Aufgrund des hell bemalten Gesichts ohne Götterbart sowie der Anrede der Verstorbenen als „Hathor NN“ ist der Sarg eindeutig als der einer Frau zu identifizieren. Zudem gibt das sorgfältig bearbeitete Gesicht des Sarges möglicherweise ein Hinweis darauf, dass die Verstorbene aus einer Familie gehobenen sozialen Standes stammte. Die noch sichtbaren Dekorationen des anthropomorphen Sargs zeigen unterhalb des breiten Halskragens mit den Falkenköpfen als Abschlussstücke die Reste der knienden Himmelsgöttin Nut mit ausgetreckten Flügeln. Links und rechts von ihr ist je ein Udjat-Auge zu sehen, wobei hier die inneren Augenwinkel zum Sargäußeren gerichtet sind. Eine senkrechte, wohl zweizeilige Mittelinschrift lässt sich noch vage erkennen; die Darstellungen seitlich davon sind jedoch nicht mehr zu identifizieren. Auf der Vorderseite des Sockels sind zudem zwei auf Schreinen liegende Schakale dargestellt. Ein kleiner Schen-Ring ziert die Fußplatte der Sargwanne. Mithilfe stilistischer Vergleiche mit anderen Särgen gleichen Typs kann ÄM 8511 in die Zeit der 30. Dynastie bis in die frühe Ptolemäerzeit datiert werden. (I. Liao nach Brech, R., Spätägyptische Särge aus Achmim. Eine typologische und chronologische Studie, Gladbeck 2008, S. 135f.)
Anthropomorpher Sarg der Ta-dit-Hor-pa-Re, Tochter von Ruru
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Für eine Frau namens Ta-dit-Hor-pa-Re aus der dritten Zwischenzeit, deren einer Elternteil den Name Ruru trug, wurde der anthropomorphe Sarg in Achmim geschaffen. Der mumienförmige Sarg im schlechten Erhaltungszustand verleiht in seiner Ausformung einen leicht gedrungenen Eindruck, wobei das Gesicht des Sargdeckels recht sorgfältig ausgearbeitet wurde. An einigen Stellen des Deckels wurde die Schnitzarbeit in Ton nachmodelliert. Die plastisch ausgearbeiteten Ohren und der klar erkennbare Sockel geben Hinweise auf die Datierung des Sarges in die 25./26. Dynastie. Die Datierung wird zudem durch die Schreibung des Gottesnamen Osiris mit der Hieroglyphe für „Gott“ weiter bestätigt. Die einfach gehaltenen Dekorationen wurden auf den weißen Untergrund des Sargdeckels aufgemalt. Die Wanne bleibt undekoriert. Unterhalb des Halskragens ist im Mittelstreifen über der Inschrift mit einer Opferformel und einer kurzen genealogischen Angabe ein Abydos-Fetisch zu sehen. Seitlich davon sind in symmetrischer Anordnung je ein Udjat-Auge und in vier darauf folgenden Registern je eine mumienförmige Gottheit mit über der Brust gekreuzten Armen dargestellt. Erkennbar sind Selket im linken Bildfeld des oberen Registers, gefolgt von Horus auf der linken Seite und Thot auf der rechten sowie Chnum links im darunter befindlichen Register. Auf der Vorderseite des Sockels ist links und rechts je ein Sokar-Falke im Umriss gezeichnet. Das Dekorationsschema lässt sich nicht in einem der bekannten Designtypen einordnen. Die gedrungen wirkende Gesamtausformung des Sarges, das einfache Dekorationsschema, und die im schlechten Duktus abgefasste Inschrift stehen jedoch im deutlichen Gegensatz zu dem relativ gut ausgearbeiteten Gesicht. Da die Särge mit aufwendiger und qualitativer Handwerkarbeit kostspielig waren, lässt sich vermuten, dass man bei der Gestaltung des Sarges bewusst auf die Ausmodellierung des schönen Gesichts konzentriert hatte. (I. Liao nach Brech, R., Spätägyptische Särge aus Achmim. Eine typologische und chronologische Studie, Gladbeck 2008, S. 44f., 51. )
Mittlerer, anthropomorpher Sarg des Ken-hor, Priester des Min
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Der mittlere, anthropomorphe Sarg des Ken-Hor ist schlicht ausgestaltet. Sowohl der Deckel als auch die Wanne sind mit roter Farbe grundiert, die in altägyptischer Farbsymbolik für Dauer und Wiederauferstehung steht. Das Gesicht des Sargdeckels ist als Regenerationssymbol und in Bezug auf Osiris grün bemalt. Eine fein gesträhnte, dunkle Perücke umrahmt das Gesicht. Über der Perücke lassen sich Reste von Federstirnband und Flügelhaube ohne Sonnenscheibe erkennen. Zwischen den Haarsträhnen schmückt ein Brustbild mit zwei Registern den Sargdeckel. Im oberen Register sieht man die Göttin Isis vor Osiris. Im zweiten Register ist das Aufrichten des Abydos-Fetischs dargestellt. Unterhalb des Halskragens ist ein vertikales Inschriftenband, mit einer Opferformel an Ptah-Sokar-Osiris, die Unterwelt durchziehende Nachtsonne, auf dem ein Schakal liegend dargestellt ist, das einzige Dekorationselement am Körperbereich des Sargdeckels. Die Wanne, die im Vergleich zu dem relativ flachen Deckel tief ausgearbeitet ist, blieb undekoriert. (I. Liao nach: Brech, R., Spätägyptische Särge aus Achmim. Eine typologische und chronologische Studie, Gladbeck 2008, S. 76; Germer, R. / Kischkewitz, H. / Lüning, M., Berliner Mumiengeschichten. Ergebnisse eines multidisziplinären Forschungsprojektes, Regensburg 2009, S. 127.)
Pfostensarg der Tadja
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die schlichte Dekoration des Pfostensarges der Tadja, eines jung verstorbenen Mädchens, das in Abusir el-Meleq bestattet wurde, ist heute fast gänzlich zerstört. Der gewölbte Deckel birgt eine mit schwarz aufgetragene, senkrechte Inschrift auf dem Mittelbrett. Die Pfosten- und Rahmenhölzer der Sargwanne sind dunkelbraun gestrichen und tragen hieroglyphische Inschriften. Es handelt sich hierbei hauptsächlich um Opferformeln, die den Namen der Vorstorbenen bergen. Die eher schlichte, farbig aufgetragene Dekoration, die nur auf den Außenseiten des Sarges zu finden ist, besteht an den Langseiten aus je vier mumienförmigen Göttern in Schreinen, die durch heute kaum noch erkennbare rote Scheintüren voneinander getrennt werden. Sie blicken in Richtung Sargende, wo der Kopf der Verstorbenen ruhte. Zwei von diesen Figuren können dank der erhaltenen Beischriften als Duamutef und Kebechsenuef, als zwei der Horussöhne, identifiziert werden. Die Dekoration an der Schmalseite am Kopfende des Sarges ist heute vollständig verloren. Alte Inventaraufzeichnungen belegen die Darstellung von zwei Udjat-Augen und einem zentralen nfr-Zeichen. Am Fußende ist ein weiterer Schrein angebracht, auf den - laut älteren Aufzeichnungen - die Tote zu schreiten soll. Die vollständig erhaltene Bestattung, die aus ca. 60 weiteren Objekten besteht, darunter ein Innensarg, Musikinstrumente, Skulpturen, Schmuck und Kopfstützen, wird heute in Berlin aufbewahrt.
Anthropomorpher Sargdeckel des Sa-Iset
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
„Sarkophag“ ist griechisch und bedeutet „fleischfressend“. In der Ägyptologie bezeichnet der Begriff steinerne Särge, von denen solche aus Holz zu unterscheiden sind. Es können zwei Typen an Sarkophagen unterschieden werden. Solche, die dem architektonischen Typ angehören und ein Grab oder einen Schrein nachbilden, und solche, die anthropomorph sind und eine Mumie oder einen Menschen darstellen. Der früheste Beleg eines Sarkophages stammt aus der Zeit von König Djoser (3. Dynastie) aus Saqqara. Der Sarkophagdeckel des Sa-Iset gibt ein idealisiertes Bild des „königlichen Schreibers der beiden Scheunen“ wieder. Dieser ist teilmumifiziert dargestellt, und nur Unterarme und Kopf sind unbedeckt. Mittig über der Stirn liegt eine Lotosblüte, ein Symbol für Wiedergeburt. In seiner linken Hand hält Sa-Iset einen Tjt-Knoten („Isisblut“) und in der rechten einen Djed-Pfeiler. Beides sind Schutzsymbole, wie auch der Sarkophag an sich als Schutzhülle für die Mumie des Verstorbenen diente. Ferner trägt Sa-Iset aufgemalte Armreife und einen breiten Halskragen. Neben der vertikalen Inschriftenzeile in versenktem Relief sind die Kniescheiben des Verstorbenen aus dem Stein herausgearbeitet worden. Sa-Iset ist mehrfach belegt, so befinden sich Statuen von ihm sowohl im Metropolitan Museum of Art in New York als auch im Brooklyn Museum. (J. Jancziak)
Anthropomorpher Sarg des Djed-Mut-iu-ef-anch, Wasserträger am Tempel des Amun
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Der anthropomorphe Sarg gehörte einem Mann namens Djed-Mut-iu-ef-anch, Sohn des Mut-dit-ef. Er war Wasserträger des Amun-Tempels. Sein Sarg datiert in die oberägyptische 22. Dynastie. Unterschiedliche und ungewöhnliche Anfertigungstechniken kann man an verschiedenen Komponenten des Sargdeckels feststellen: Auf dem Sargdeckel wurde vom Kopf bis zur Brust eine Leinwandschicht kaschiert, worauf sich die Grundierung und eine Malschicht befinden. Die Augenbrauen und Augenlider sind aus hartem Wachs modelliert, in vorgeformten Vertiefungen ins Holz eingelassen und bemalt. Auch das Dekorationsprogramm unterhalb des breiten Halskragens mit einem Phönixamulett ist ungewöhnlich. Es beginnt mit den Ba-Vögeln in den Schulterbereichen. In den beiden folgenden Bildfeldern sind alle vier Horussöhne mit Menschenköpfen dargestellt. Eigentlich werden diese in der Regel menschen-, pavian-, schakal- sowie falkenköpfig abgebildet. Sie tragen zudem die Tracht der Lebenden. Hinter ihnen stehen links ein Falke und rechts ein Reiher auf Standarten. Die mittleren Bildfelder zeigen links den hinter Götterstandarten stehenden Osiris-Fetisch und rechts eine Barke mit dem Sokar-Falken. In den untersten Bildfeldern sieht man Horus und Thot vor den geöffneten Schreinen, in denen sich jeweils eine Mumie befindet. Auf den Schreinen steht jeweils ein Horus-Falke mit der Doppelkrone. Als Abschluss der Dekoration des Sargdeckels des Djed-Mut-iu-ef-anch ist am Fußbereich der Gott Upuaut in Schakalgestalt, auf der Standarte stehend, zweimal zu sehen. Im Kontrast zu dem aufwendig dekorierten Sargdeckel ist die gelb grundierte Sargwanne des Djed-Mut-iu-ef-anch lediglich mit einem hieroglyphischen, die gesamte Wanne umlaufenden Inschriftenband geschmückt. (I. Liao nach: Germer, R. / Kischkewitz, H. / Lüning, M., Berliner Mumiengeschichten. Ergebnisse eines multidisziplinären Forschungsprojektes, Regensburg 2009, S. 80ff.)
Dekoriertes Mumienbett eines Kindes mit Löwenbeinen (Löwenbahre mit kastenförmigem Aufsatz)
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Das römische Mumienbett ÄM 12708 ruht auf vier Beinen, die in Löwengestalt ausgearbeitet sind. Darüber erhebt sich ein schreinförmiger Aufsatz, der die auf dem Bett liegende Mumie von allen Seiten einschloss. Aufgrund der kleinen Maße des Bettes ist davon auszugehen, dass es für ein früh verstorbenes Kind bestimmt war. Die vier Pfosten des Aufsatzes tragen horizontale Inschriften in polychromer Ausführung. Zwischen den Pfosten bilden an allen vier Seiten sonnenbekrönte Uräenfriese den obersten Abschluss des Aufsatzes, gefolgt von einem horizontalen Inschriftenband auf beiden Längsseiten und der Rückseite. Auf seiner Vorderseite sind unter dem Uräenfries ein Paar den Schutz symbolisierende Udjat-Augen und zwischen ihnen ein Djed-Pfeiler, der für Dauer und Beständigkeit steht, aufgemalt. Im unteren Bildstreifen befinden sich die Darstellungen der hockenden, Messer in den Händen haltenden Totenrichter mit senkrecht angeordneten Beischriften. Sie sind separat herausgearbeitet und eingesetzt worden. Das Motiv der Palastfassade ziert die vier Seiten des Bettes sowie die untersten Bereiche des Aufsatzes. Außerdem bilden horizontale und vertikale Holzstreifen mit Inschriften einen gewölbten Deckel. Die Gestaltung des eigentlichen Mumienbetts als Löwen folgt einer alten ägyptischen Tradition. Das Löwenbett verleiht dem darauf ruhenden Verstorbenen den Schutz des kämpferischen, Feinde vernichtenden Tieres. Zugleich verhilft das Löwenpaar dem Toten zur Wiedergeburt, ebenso wie es den Sonnengott bei seiner Regeneration unterstützt. Eine ähnliche apotropäische Funktion besitzen auch die Uräenfriese als Überkrönung des schreinartigen Aufsatzes. Die Friese aus aufgereihten, aufgerichteten Uräen, welche zum Schutz von Göttern und Königen dienten, wurden häufig über den Fassaden oder Eingängen von Bauwerken angebracht. Hier wurde das Schutzsymbol aus sakralen Kontexten übernommen. Ebenso beschützen die Udjat-Augen und der Djed-Pfeiler auf der Vorderseite des Aufsatzes den Verstorbenen. Des Weiteren sind auf dem Berliner Mumienbett 18 hockende, Messer haltende Totengottheiten dargestellt. Im ägyptischen Totenbuch waren neben Osiris als der höchste richtende Gott insgesamt 42 Richtergottheiten für die 42 ägyptischen Gaue genannt, die über die Toten richten. Die Messer in ihren Händen kennzeichnen ihre Richterfunktion. Möglicherweise sollen sie hier nicht in ihrer ursprünglichen Funktion als Totenrichter verstanden werden, sondern sie sind vermutlich – ähnlich wie die anderen Schutzsymbole auf dem römischen Objekt – als Totengottheiten, die den Verstorbenen im Jenseits beschützen sollten, interpretiert worden. Die Inschriften sind in sogenannten „Pseudohieroglyphen“ ausgeführt. Die Vorlagen sind leicht zu identifizieren: Die horizontalen Zeilen um den Aufsatz imitieren wohl die hieroglyphischen Inschriften des Holzsarges des Senj aus der späten 6. Dynastie aus Achmim (Kairo, CG 28005). Die Inschriften der Kolumnen auf den Pfosten, vor den Totengöttern sowie auf dem Deckel scheinen Auszüge der Opferliste desselben Sarges nachzuahmen. Diese pseudohieroglyphischen Inschriften auf ÄM 12708 dienten primär dekorativen und darüber hinaus vielleicht auch apotropäischen Zwecken. Sie geben keine Hinweise auf das verstorbene Kind, für dessen Mumie das Mumienbett bestimmt war. Aber aufgrund des Herkunftsorts der Vorlage für die Pseudohieroglyphen lässt sich annehmen, dass es wahrscheinlich ebenfalls aus Achmim stammte. (I. Liao)
Anthropomorpher Sarg der Hat
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts beschrieben Reisende das Achmimer Nekropolengebiet. Aus den ausgedehnten Nekropolen in Achmim sind uns viele wertvolle Funde überliefert. Darunter zählt auch der anthropomorphe Sarg der Hat aus der Ptolemäerzeit, der ein sehr guten Erhaltungszustand aufweist. 1884 kam der Sarg der Hat, Tochter des Pa-di-Chonsu-ii und seiner Frau Udja-nabes, zusammen mit ihrer Mumie nach Berlin. Ob zu ihrer Bestattung weitere Särge gehörten, bleibt unklar. Sowohl die bauchige Form des Sarges als auch der voluminöse Halskragen, der nahezu den halben Deckel überdeckt, sind für den Herstellungsort typische gestalterische Merkmale der Särge. Unterhalb des Blüten-Halskragen mit den Falkenköpfen als Abschlussstücke kniet die geflügelte Göttin Nut auf einem fassadenartigen Gebilde, gefolgt von einem breiten Inschriftenband mit genealogischen Angaben und Opferformeln. Der ptolemäischen Theologie folgend, besitzen die verstorbenen Frauen zwei jenseitige Existenzformen. Daher wird Hat in den Inschriften sowohl als „Osiris Hat“ als auch als „Hathor Hat“ bezeichnet. Seitlich davon zieren je zwei in Schreinen befindliche Horussöhne sowie die klagenden Göttinnen Isis und Nephthys den Sargdeckel. Im Fußbereich bilden die auf den verschlossenen Schreinen liegenden Anubis-Schakale den Abschluss der Dekorationen. Auf der Unterseite des kastenförmigen Sockels, der an den Seiten mit Schutzsymbolen für Leben und Wohlergehen geschmückt ist, sieht man den laufenden Apis-Stier in einem Schen-Ring – Symbol für Ewigkeit. Auf dem Rücken des Apis ist die Mumie der Verstorbenen platziert; über sie fliegt der Ba-Vogel, der zwischen seinen Krallen wieder einen Schen-Ring hält. Seit der saitischen Zeit wurde der zum Grab laufende Stier, oft die Mumie des Toten auf dem Rücken tragend, als „Osiris, der lebende Apis“ bezeichnet und ebenfalls als Schutzsymbol verstanden. Häufig wurde er auf der Fußplatte von Särgen oder Kartonagen gemalt. Darüber hinaus ist in der Sargwanne die Himmelsgöttin Nut noch einmal dargestellt. Sie steht auf einer Standarte und hält die Maat-Federn in ihren Händen. (I. Liao nach: Helmbold-Doyé, J. / Jancziak, J. (Hrsg.), “Wechselnde Identitäten” Eine Ausstellung mit Werken von Gelb Bas, Sonderschriften der Ägyptischen Sammlung 4, Berlin 2015, S. 84; Germer, R. / Kischkewitz, H. / Lüning, M., Berliner Mumiengeschichten. Ergebnisse eines multidisziplinären Forschungsprojektes, Regensburg 2009, S. 135.)
Innerer Sarg des Pestjenfi, Priester des Amun in Karnak
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Der innere Sarg des thebanischen Amun-Priesters Pa-es-tenfi ist anthropomorph in Gestalt einer auf dem Podest stehenden Mumie angefertigt. Im Vergleich zu seinem schlicht gehaltenen mittleren Sarg (ÄM 51) wurde der innere Sarg reichlich dekoriert, wobei er ähnlich wie die anderen Särge des Pa-es-tenfi in handwerklich sehr hoher Qualität geschaffen wurde. Diese erkennt man zum Beispiel bei dem sorgfältig bearbeiteten Gesicht mit dem geflochtenen Götterbart und den Augen aus Glaseinlagen sowie bei den filigranen Dekorationen des Sarges. Das Dekorationsschema des Sargdeckels ist bis auf einige ungewöhnliche Elemente meistenteils typisch für seine Entstehungszeit. Die zwei geflügelten Schutzgöttinnen Nephthys auf dem Scheitel und Isis am Fußbereich rahmen den Sargdeckel ein. Gemeinsam mit der Himmelsgöttin Nut mit ausgebreiteten Flügeln auf der Brust sichern sie ihren Schutz und Opfer dem Verstorbenen zu. Der Bereich zwischen Nut und Isis wird durch horizontale und vertikale Inschriftenbänder in Bildfeldern in vier Register gegliedert. Auf die vier Horussöhne, die Schutzgottheiten der Eingeweide des Verstorbenen, folgen zwei Darstellungen des für die Mumifizierung zuständigen Gottes Anubis und zwei Erscheinungsformen des Gottes Geb und Horus. Sie sind die Schutzgötter der Balsamierungshalle und werden alle stehend in den Kapellen mit Osirisbögen dargestellt. Im untersten Register befinden sich zwei auf einem Neb-Zeichen ruhenden Udjat-Augen als schützende Symbole für den Toten. Auch der Sockel des Sargdeckels ist mit aufgereihten Schutzsymbolen eingefasst – die für das Leben stehenden Anch-Zeichen, die Djed-Pfeiler für die Dauer sowie die was-Zepter für das Wohlergehen. Ungewöhnlich ist es jedoch, dass hinter den Darstellungen des Anubis und den Udjat-Augen Texte für das rituelle Opfer angebracht sind, in denen der Sonnengott Re und Behdeti von Edfu als Sprecher vorkommen. Behdeti von Edfu erscheint zudem als geflügelte Sonnenscheibe um die Kopfpartie des Inneren des Sargdeckels und der Wanne. Unterhalb der geflügelten Sonnenscheiben werden die Innenseiten des Sargdeckels und der Wanne des Pa-es-tenfi vollständig mit den Sprüchen aus dem Totenbuch überzogen. Da Pa-es-tenfi in den Inschriften seiner Särge auch den Titel eines „Künstlers am Tempel des Amun“ trägt, lässt sich eine individuelle Vorgabe an die Handwerker vermuten. Das erklärt möglicherweise auch das Vorkommen der untypischen Dekorationselemente seines inneren Sarges. (I. Liao nach: Helmbold-Doyé, J. / Jancziak, J. (Hrsg.), “Wechselnde Identitäten”. Eine Ausstellung mit Werken von Gelb Bas, Sonderschriften der Ägyptischen Sammlung 4, Berlin 2015, S. 76; Germer, R. / Kischkewitz, H. / Lüning, M., Berliner Mumiengeschichten. Ergebnisse eines multidisziplinären Forschungsprojektes, Regensburg 2009, S. 42ff.)
Mittlerer Sarg des Pestjenfi, Priester des Amun in Karnak
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Im Neuen Reich bildete sich in Theben eine einflussreiche Amun-Priesterschaft heraus, die zur damaligen Oberschicht gehörte. Die Familie des Pa-es-tenfi war eine der Priesterfamilien, die seit Generationen im Amun-Tempel in Karnak tätig waren. Der hohe Status des Pa-es-tenfi, der auch den Titel eines Amun-Priesters in Karnak trug, spiegelt sich zum Beispiel in seinem dreiteiligen Sargensemble, das in handwerklich sehr hoher Qualität angefertigt und mit zierlichen Dekorationen verziert wurde, wider. Der mittlere, anthropomorphe Sarg des Pa-es-tenfi war ehemals bemalt. Von der roten Bemalung des Körpers sind heute jedoch nur vereinzelte Farbspuren erhalten. Auch das Gesicht muss einst bemalt gewesen sein. Obwohl im Vergleich zu seinen beiden anderen Särgen der mittlere bewusst mit weniger Dekoration ausgestattet wurde, fungiert das fein modellierte Gesicht des Sargdeckels mit eingelegten Augen und geflochtenem Götterbart am Kinn als deutlicher „Eye-Catcher“. Auf dem Scheitel der blauen Strähnenperücke wird die Göttin Nephthys mit ausgestreckten Flügeln dargestellt; die sonst im Fußbereich bildlich präsente Isis wird hier jedoch nur im begleitenden Text erwähnt. Unterhalb des breiten Halskragens verlaufen mittig eine rechteckige Darstellung und ein in drei Kolumnen geteiltes Inschriftenband. Das Bildfeld der Brust zeigt den Verstorbenen im Anbetungsgestus vor dem mumienförmigen Jenseitsgott Osiris in Begleitung von Isis. Zusammen mit der Opferformel auf dem Inschriftenband wird der Wunsch des Verstorbenen für die Versorgung des Leibes und für ein schönes Begräbnis ausgedrückt. Die Wanne des mittleren Sarges des Pa-es-tenfi wurde auch nur dezent dekoriert. Bis auf die Inschriftenzeile in blauen Hieroglyphen an den Außenseiten der Wanne und der Darstellung der Göttin der thebanischen Nekropole am inneren Wannenboden bleiben die anderen Flächen undekoriert. (I. Liao nach: Germer, R. / Kischkewitz, H. / Lüning, M., Berliner Mumiengeschichten. Ergebnisse eines multidisziplinären Forschungsprojektes, Regensburg 2009, S. 41f.)
Anthropomorpher Sarg der Hat (Deckel)
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die Ruinen der Tempel des am östlichen Nilfufer Oberägyptens liegenden Achmim galten noch im Mittelalter bei den arabischen Schriftstellern als Weltwunder. Heute sind diese Bauwerke nahezu komplett verschwunden. Dank den ausgedehnten Nekropolen in Achmim sind uns dennoch viele kostbare Funde erhalten geblieben, so z. B. der mumienförmige Sarg der Hat. Der Herstellungsort spiegelt sich gleich in zwei gestalterischen Elementen wieder. Die ausladende Gestalt des Sarges und der voluminöse Halskragen, der sich fast über den halben Deckel erstreckt, sind typisch für die achmimischen Särge. Doch nicht nur der Halskragen wurde sehr detailliert ausgearbeitet, auch den anderen Darstellungen wurde viel Raum gegeben: Den Scheitel schmückt auf rotbraunem Untergrund eine geflügelte, grünhäutige Nephthys, die in jeder Hand eine Maat-Feder hält. Die untere Hälfte des Sargdeckels zieren außerdem die vier Horussöhne in Schreinen, gefolgt von den knienden Göttinnen Nephthys und Isis mit ihren jeweiligen Hieroglyphen auf dem Kopf. Den Abschluss bilden im Fußbereich zwei auf Scheintüren liegende Schakale – die Tiergestalt des Anubis, dem altägyptischen Gott der Totenriten. Die Schakale tragen jeweils eine Geißel – eine zentrale Insignie des Königtums, mit deren Klappergeräuschen, aber auch böse Geister ferngehalten werden sollten. Bei den Inschriften beschränkte man sich dagegen auf ein Minimum. Unter dem üppigen Halskragen bildet ein vierzeiliges, gelbgrundiges Inschriftenband mit genealogischen Angaben und einigen Opferformeln den einzigen Text des Sargdeckels. Die neuen Einflüsse, die die ptolemäische Zeit mit sich brachte, werden nicht nur durch die individuelleren Gesichtszüge des mumienförmigen Sarges, sondern auch anhand von Textpassagen deutlich. Entsprechend der Theologie dieser Epoche konnte eine Frau in ihrer jenseitigen Existenz zwei Seinsformen haben. So wird die Tote hier zum einen als „Osiris Hat“ und zum anderen als „Hathor Hat“ bezeichnet. Sinnbildlich für alles Leben, alle Dauer und alles Wohlbefinden schmücken außerdem magische Ornamente den Sockel des Sargdeckels. Die Mumie der Hat fand 1884 in diesem Holzsarg allein ihren Weg nach Berlin. Ob einst noch weitere Särge zur Grabausstattung gehörten, ist unklar." (Olivia Kühne)
Anthropomorpher Sarg des Chnum-sa-na-pah-su, Rindervorsteher des Min-Tempels - Typ "Yellow Coffin/Gelber Sarg"
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Aus den ausgedehnten Nekropolen von Achmim stammte der anthropomorphe Sarg des Chnum-sa-na-pah-su, der als Rindervorsteher im Min-Tempel tätig war. Er kam zusammen mit der darin befindlichen Mumie nach Berlin. Der beige grundierte, bunt bemalte Einzelsarg des Chnum-sa-na-pah-su ist anthropoid gestaltet, mit plastisch ausgeformten, über der Brust gekreuzten Armen. Die Ausmodellierung der über dem Halskragen liegenden Arme und Hände ist ein wichtiges Merkmal, das die eindeutige Zuweisung des Sarges in die 21. Dynastie ermöglicht. Zudem zeigen die Dekoration des Deckels ebenfalls zeittypische Motive, wie zum Beispiel der geflügelte Skarabäus über den gekreuzten Armen und die kniende Göttin Nut mit ausgestreckten Flügeln unterhalb des breiten Halskragens. Von einer mittigen, vertikalen Inschriftenzeile führen an den beiden Seiten jeweils fünf Bildfelder ab. In den oberen Bildfeldern sind das Trankopfer durch den falkenköpfigen Gott Harendotes in Begleitung des anbetenden Verstorbenen an Osiris, Isis und Nephthys dargestellt, gefolgt von zwei Anbetungsszenen des Chnum-sa-na-pah-su vor Osiris, Isis und Nephthys. Die darunter befindliche Variante zeigt zweimal Osiris in Gestalt des Abydos-Fetischs, der in Begleitung von Isis und Nephthys Trankopfer von dem falkenköpfigen Harsiese und dem schakalköpfigen Anubis empfängt. Den Abschluss der Dekorationen des Deckels bilden die Darstellungen der Horussöhne, des Osiris am Opfertisch und der auf den Gold-Hieroglyphen hockenden Göttinnen Isis und Nephthys im Klagen-Gestus am Fußbereich. Darüber hinaus ist die Sargwanne des Chnum-sa-na-pah-su vollständig in mehreren Szenen ausdekoriert. Am Scheitelbereich sieht man die stehende Göttin Maat mit ausgetreckten Flügeln. Unter ihren Flügeln beschützt jeweils ein liegender Schakal den Grabeingang an den beiden Seiten. Diese zentrale Darstellung wird wiederum von der den Djed-Pfeiler beschützenden Maat flankiert. Die weiteren Bildfelder der Wanne sind mit Opfer- und Anbetungsszenen vor Osiris, Isis und Nephthys sowie Totenbuchvignetten dekoriert, wie zum Beispiel die Darstellung des Totengerichts auf der rechten Wannenseite. (I. Liao nach Brech, R., Spätägyptische Särge aus Achmim. Eine typologische und chronologische Studie, Gladbeck 2008, S. 27ff., 49. )
Innerer Sarg des Pestjenfi, Priester des Amun in Karnak (Deckel)
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Während des Neuen Reichs hatte sich in Ägypten der Kult des Gottes Amun vor allem in Theben etabliert und eine einflussreiche Priesterschaft hervorgebracht. Seit vielen Generationen gehörte auch die Familie des Pa-es-tenfi zu dieser thebanischen Oberschicht. Nicht nur das üppig ausgestattete Grab, auch der innere seiner drei Särge lässt mit seiner außergewöhnlichen Qualität und seinem Reichtum an Dekoration und Farbigkeit keinen Zweifel am gesellschaftlichen Stellenwert des Besitzers aufkommen. Das Gesicht besticht vor allem durch die auffallenden Augen. Die Einlagen aus zweifarbigem Glas verleihen den Gesichtszügen große Lebendigkeit. Typisch ist dagegen der Bezug auf den Gott der Unterwelt Osiris, der nicht nur durch die mumienförmige Gestalt des Holzsargs, sondern auch durch den Götterbart zur Geltung kommt. Einen weiteren Akzent setzt der farbenfrohe Blütenkragen, der sich über die Brust sowie die Schultern erstreckt. Der Umriss des Sargdeckels ist anthropomorph gestaltet und wird durch zwei geflügelte Gottheiten auf dem Scheitel und im Fußbereich eingerahmt. Die Göttinnen Nut und Isis sichern nicht nur symbolisch, sondern auch in Form von Beischriften ihren Schutz und Opfergaben dem Verstorbenen zu. In dem von ihnen eingefassten Bereich des Sargs sind vier Register zu sehen: Auf die Horussöhne, die als Schutzgötter der Kanopen und Toten galten, folgen je zwei Erscheinungsformen des für die Mumifizierung zuständigen schakalsköpfigen Gottes Anubis und des Sonnengottes Re. Das folgende Register wird durch den Erdgott Geb, den falkenköpfigen Horus und den mumiengestaltigen Ptah ausgefüllt. Die Komposita im untersten Abschnitt des Sargs aus Udjat-Augen, Neb-Zeichen und Scheintüren stellen eine weitere Schutzformel dar. Auch der Sockel des Sargdeckels wurde mit Schutzsymbolen eingefasst, die sogenannten Anch-Zeichen stehen sinnbildlich für das Weiterleben im Jenseits. Innen ist der Sargdeckelvollständig mit Sprüchen aus dem Totenbuch überzogen, die dem Verstorbenen als Jenseitsführer dienen sollten. In ihren Formulierungen weichen einzelne Sprüche jedoch vom standardisierten Text ab. Da Pa-es-tenfi in den Inschriften seiner Särge als „Künstler am Tempel des Amun“ bezeichnet wird, lässt sich eine individuelle Vorgabe an die Handwerker vermuten. (Olivia Kühne)