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Object type: Sarg/Sarkophag (Grabausstattung)
Darstellung des stehenden Osiris mit Netzgewand und Mantel auf einer Löwenkonsole vom Fußende eines Holzsarges
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Der Gott trägt auf dem Kopf die Atef-Krone, ein schulterlanges Kopftuch und am Kinn einen Götterbart. Auf der Brust liegt ein breiter Halskragen und in den Fäusten hält er zwei Geiseln. Er ist in ein knöchellanges Netzgewand gehüllt, das eine Nachbildung einer kunstvollen Wicklung der Mumienbinden darstellt. Seine nackten Füße stehen auf einer hohen Platte, unter der sich ein Löwengesicht befindet. Ursprünglich war er in einen Mantel gehüllt, von dem nur noch ein Fragment erhalten ist. Es handelt sich hierbei um die Darstellung des Verstorbenen selbst, in seiner zu Osiris NN gewordenen Erscheinung. Seine Herrschaft zeigt sich in der en face-Ansicht und der Abbildung der Löwenkonsole. Diese Auflage war Teil einer fußseitigen Dekoration eines Holzsarges, die ursprünglich um eine Ädikula und eine schwebende, geflügelte Sonnenscheibe mit zwei Uraen zu ergänzen ist. J. Helmbold-Doyé
Fragment eines Sargdeckels
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Das an allen Seiten abgebrochene Fragment eines hölzernen, leicht gewölbten Brettes von einem Sargdeckel enthält nur noch eine Kolumne eingravierter, linksläufiger Hieroglyphen mit Kolumnenbegrenzung. Der Text ist sehr sauber graviert. Alle Vertiefungen waren mit blauer Paste ausgelegt, die heute noch partiell erhalten ist. Links und rechts der Kolumne ist die Oberfläche unbearbeitet, so dass jene als mittig auf dem Deckel befindlich angesehen werden kann. Die Inschrift lautet: „N.N., gerecht]fertigt, Sohn des Herrn der Beiden Länder Osorkon Geliebt-von-Amun [///].“ Der Sarg gehörte also dem männlichen Nachkommen eines Königs Osorkon. Herrscher dieses Namens stammen nur aus der Dritten Zwischenzeit ab dem Beginn des 1. Jahrtausends v. Chr., einer Epoche der militärischen Besatzung Ägyptens durch libysche Stämme. Die Hauptstadt war zunächst Tanis, jedoch schwand im Laufe der Zeit die Macht der regulären Pharaonen, so dass mehr und mehr lokale Potentaten zeitgleich die Oberhoheit in den einzelnen Zentren übernahmen und sich kleine Herrschaftsbereiche schufen. Der Besitzer des Sarges war laut der Inschrift ein direkter Nachkomme eines regierenden Königs. Welcher der derzeit bekannten drei libyschen Könige mit dem Eigennamen Osorkon gemeint ist, kann nicht sicher entschieden werden. Leider ist vom Namen oder den Titeln des Verstorbenen nichts mehr erhalten, so dass unklar bleibt, was die genaue Position dieses Mannes einst gewesen war. Dem Verstorbenen war die Notation seiner königlichen Abstammung wichtig. In der Libyerzeit wurde generell verstärkt Wert auf die Angabe der Genealogie gelegt. Nannten die Ägypter vorher meist nur den Vater, teilweise auch noch den Großvater, erweitern sich die genealogischen Angaben in der Libyerzeit massiv, sicherlich dem Einfluss der mündlich geprägten Überlieferungstradition der neuen Oberschicht aus Libyen geschuldet. Ein libyerzeitliches Grabrelief aus Memphis im Berliner Ägyptischen Museum (ÄM 23673) zeigt dabei über 60 Vorfahren des verstorbenen Priesters, die derzeit längste bekannte Genealogie aus Ägypten überhaupt. Auf der Innenseite des Fragmentes sind noch bislang unerwähnte Reste der in rot skizzierten Darstellung einer nach links gerichteten Kobra erhalten, die sich mit aufgeblähtem Brustschild aufrichtet, aber aufgrund der Größenverhältnisse nicht zur originären Sargdekoration gehören kann. Vermutlich handelt es sich hierbei um eine spätere Verwendung als ‚Skizzenblock‛. J. Moje
Anthropomorpher Sargedeckel des Padibastet
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Der flache, anthropomorphe Sargdeckel des Padibastet wurde 1902 bei einer Grabung der Königlichen Museen zu Berlin in der Nekropole von Abusir el-Meleq gefunden. Der Sargdeckel ist mumienförmig gestaltet. Der Fußbereich wurde nicht ausgeformt. Lediglich eine leistenartige Rahmung entlang der Kanten bildet die Seiten und Unterseite des brettartig wirkenden Sargdeckels, zu dem ursprünglich eine sehr tiefe Wanne gehörte. Eine proportional sehr breite, blaue Perücke mit einem geflügelten Kopfschmuck und Verzierungen in Form von Blütenblättern an den Perückenrändern umrahmt das kleine, grün bemalte Gesicht. Rosettenmuster verzieren den Bereich zwischen den beiden Perückensträhnen. Anstelle eines Halskragens, liegen lediglich Darstellungen in zwei Registern vor, sowie Abschlussstücke in Gestalt von mit Sonnenscheiben gekrönten Falkenköpfen an den Schultern. Unterhalb der Falkenköpfe waren zu beiden Seiten jeweils vier mumiengestaltige Figuren vor einem Opferständer zu sehen. Leider lassen sich ihre genauen Ausgestaltungen aufgrund des Erhaltungszustandes nicht mehr bestimmen. Im darunter befindlichen Register thront in der Mitte der Gott Osiris vor einem Opfertisch. Hinter ihm stehen ein falkenköpfiger Gott und zwei menschengestaltige Göttinnen, die jeweils ein Zepter und ein Anch-Zeichen in den Händen halten. Vor Osiris führt der ibisköpfige Thot den Verstorbenen zu ihm, gefolgt von einer Göttin mit Stoff und Anch-Zeichen in ihren Händen sowie einem großen West-Zeichen. Im Gegensatz zu dem feingliedrig geschmückten Kopfbereich des Sargdeckels ist die Körperpartie des mumienförmigen Sargdeckels schlicht dekoriert. Unterhalb des Registers mit dem thronenden Osiris verläuft als einziges Schmuckelement der Körperpartie eine vertikale Inschriftenzeile mit einer an Anubis gerichteten Opferformel für den Verstorbenen namens Padibastet. Die Flächen, die die mittige Inschrift flankieren, bleiben ungrundiert und unbemalt. Der Typus eines flachen Sargdeckels mit breiter Perücke, kleinem Gesicht und ohne den ausgeformten Fußbereich, der in Kombination mit einer tiefen Wanne auftritt, entspricht der charakteristischen Gestaltung von Särgen, die in der dritten Zwischenzeit im Norden Ägyptens entstanden sind. Auch das Dekorationsschema ist typisch für den sogenannten „northern style“, der sich wahrscheinlich aufgrund der politischen Division im Norden Ägyptens entwickelte und einige unterschiedliche Charakteristika zu den Särgen des Südens aufweist. (I. Liao)
Innerer, anthropomorpher Sarg des Nespamai, Priester in Achmim (Deckel)
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Der Deckel dieses Doppelsarges des Nes-pa-maj ist zusammengeflickt. Das Antlitz des Besitzers ist idealisiert wiedergegeben, und der Halskragen konventionell gehalten. Die Darstellungen des auf einem löwenfüßigen Bett aufgebahrten Osiris, beklagt von Isis und Nephtys, die ihrerseits von jeweils zwei sogenannten Horuskindern flankiert werden, finden ebenso wie die flügelstreckende Geiergöttin Nechbet und die langen Reihen spitzenmesserbewehrter Schutzdämonen sowohl auf dem kolossal wirkenden äußeren als auch auf dem zierlichen inneren Sargdeckel ihre Wiedergabe. Dazu gibt es raumfüllende religiöse Texte, die alte Vorstellungen tradieren.
Antropomorpher Sarkophag des Wennofer (Wen-nefer)
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die im Neuen Reich entstandene anthropomorphe Sargform wurde auch für Särge aus Stein benutzt. Diese waren natürlich besonders kostspielig. Der Inhaber dieses Sarges, Wennofer, Sohn der Tanetimen, rechtfertigt nach Ausweis seiner Priesterämter und Hoftitel eine aufwendige Bestattung. Er war „Gottesvater, Bekannter des Königs, Priester des Ptah und Hoherpriester in Letopolis“, einem Ort im westlichen Delta. Diese Stadt spielte eine zentrale Rolle in der Religionspolitik der Ptolemäer. Die Stadtgöttin Uto wurde als Erscheinungsform der griechischen Göttin Leto interpretiert, und der ägyptische Name Chem in Letopolis umbenannt. Ägypter und Griechen sollten zu dieser Göttin gemeinsam beten können. Ein solcher Vorgang mußte theologisch untermauert werden, eine Aufgabe, die einem Hohenpriester sicher zukam. Der Sarg ist innen und außen sorgfältig mit einem Text und eingeritzten Darstellungen versehen. In der Sargwanne erkennt man Imentet, die Göttin der Nekropole (des sog. Westens). Auf ihrem Leib wird der Tote ruhen, um als Stern von der Himmelsgöttin Nut, ihr Bild ist auf der Innenseite des Deckels angebracht, wiedergeboren zu werden. Die Göttinnen sind unbekleidet und vorderansichtig dargestellt. Auf dem Deckel ist unter dem Himmelszeichen eine Speisetischszene zu sehen: Der Verstorbene (rechts) betet vor einem reichen Speisetisch, den er den Göttern Osiris und Atum darbringt. Der Text enthält eine Variante des Totenbuchkapitels 72, in dem der Tote von den Göttern, weil er sie durch Magie und Zauber der Totentexte zu zwingen vermag, Opfer und Bewegungsfreiheit im Diesseits wie im Jenseits verlangt: „… Gebt mir ein Totenopfer: Brot, Bier, Rinder, Kleider … alle guten und reinen Dinge von denen ein Gott lebt!“.“Aus: Kischkewitz, Hannelore, in: Priese, K.-H. (Hrsg.), Ägyptisches Museum Berlin, Museumsinsel Berlin, Mainz 1991, S. 203 (Kat. 122).