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Object type: Statue (Rundbild )
Standfigur einer Priesterin
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Statuen aus Bronze wurden ab der 25. Dynastie (746–655 v. Chr.) deutlich beliebter und vielfältiger. Großbronzen in Vollguss dieser Form sind heutzutage aber selten. Auch diese bronzene Frauenfigur ist gekennzeichnet von Spuren der vergangenen Zeit, da ihre beiden Arme fehlen. An einigen Stellen der Statue sind zudem noch Reste einer früheren Vergoldung zu finden. Besonders an der Figur ist vor allem ihre abnehmbare Perücke sowie ihr besonderer Frauenkörper. Dieser zeigt ein ganz neues Frauenideal. Der Körper wird üppiger und vor allem die Brüste und die Hüfte werden stärker betont und voller und langgestreckter dargestellt. Ansonsten wird der Körper von einem dünnen, durchscheinenden Gewand bedeckt, das bis zu den Füßen reicht. Bedeckt wird ihr Kopf von einem Diadem, das ebenfalls unter anderem aus Gold bestand. Die Statue ist zudem mit mehreren Götterdarstellungen eingraviert. Am Bauch befindet sich die Barke des Unterweltsgottes Sokaris, der oft mit seinem Schiff den Übergang zwischen Leben und Wiedergeburt darstellte. Auf der linken Hüfte ist Osiris mit Zepter dargestellt und auf der rechten Hüfte wird Osiris mit Krummstab dargestellt. Auf dem Rücken befindet sich eine Form des Osiris-Fetischs, die die abydische Herkunft des Osiris in abstrakter Weise darstellt. Die starke Repräsentation des Gottes Osiris könnte einerseits mit der Herkunft der Statue erklärt werden: Nach ägyptischem Glauben befand sich in Abydos das Grab des Osiris, sodass diese Statue ein Gegenstand späterer Praktiken gewesen sein könnte. Dies würde auch die abnehmbare Perücke erklären, da diese somit austauschbar war, womöglich um zu verschiedenen kultischen Ereignissen zu passen. Zugleich könnte die Statue als eine Darstellung einer verstorbenen Person interpretiert werden, da nur Götter der Totenwelt dargestellt werden. Die Verbindung von Sokaris und Osiris zur Totenwelt kann durch ihre Repräsentation auf der Statue den Übergang ins Jenseits unterstützen. Der Osiris-Fetisch ist bewusst auf der Rückseite der Statue angebracht. Diese Platzierung unterstreicht seine Funktion als Symbol des Jenseits, das sich ikonographisch „hinter“ der dargestellten Figur befindet. Er ist unter anderem mit der Sonnenscheibe geschmückt und verweist auf die untergehende Sonne im westlichen Gebirge. Beim Betrachten der Statue liegt das Jenseits somit im Rücken der Figur; dies deutet darauf hin, dass sie sich bereits in der jenseitigen Welt befindet und gleichsam aus ihr heraus in die Welt der Lebenden blickt. M. Suckau
Sitzfigur des löwenköpfigen Gottes Mahes
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Der Kriegsgott Mahes wird hier als Mann mit Löwenkopf, auf einem Thron sitzend dargestellt. Mahes ist mit einem kurzen, dreiteiligen Schurz und einem breiten Halskragen bekleidet. Seine Haartracht reicht bis auf die Schlüsselbeinpartie herab. Von seinem Kopfschmuck hat sich lediglich ein Uräenkranz erhalten, an dessen Stirnseite eine aufgerichtete Uräusschlange solitär gesetzt ist. Mahes gilt als Sohn der Göttin Sachmet und weist wie diese kriegerische Eigenschaften auf, die ihren Ausdruck auch in seinem Beinamen „Herr des Gemetzels“ finden. Sein Hauptkultort liegt im unterägyptischen Leontopolis, wo man ihn in Gestalt eines lebendigen Löwen verehrte, der nach seinem Tod unter großem Aufwand beigesetzt wurde. Die Seitenflächen sowie die Rückseite des Thrones dieser Statue sind mit Szenen versehen, die den Gott Horus zeigen, mit dem er unter dem Namen Harmios gleichgesetzt wurde. Zwei Ösen, die jeweils im unteren Bereich des Thrones zu bemerken sind, dienten einer Tragestangenvorrichtung, mit der das Götterbild im Rahmen einer Prozession aus dem Tempel herausgeleitet werden konnte. A. Herzberg-Beiersdorf
Orakelstatue der Aphrodite Arsinoe II. Philadelphos in griechisch-ägyptischem Stil
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Die Statue aus der Villa Hadriana vereint charakteristische Merkmale sowohl der ägyptischen als auch der griechischen Kunst. Der lokale dunkle Stein und die schreitende Haltung der Königin spiegeln den ägyptischen Stil wider, während das dünne, faltenreiche Gewand, das sich hinter den Beinen faltenreich staut, und die symmetrisch angeordnete Lockenfrisur an griechische Meisterwerke erinnern. Das Gesicht mit flachen Wangen, weit geöffneten Augen und markanten Ohren ist typisch für die Bildnisse ptolemäischer Herrscherinnen. Auch die als Diadem getragene Stirnbinde gilt als Symbol für Herrscherkult und Deifizierung (Vergöttlichung). Die Statue trägt einerseits die Porträtzüge der um 270 v. Chr. vergöttlichten Arsinoe II. Philadelphos, die in einem Kult verehrt wurde. Sie war die älteste Tochter von Ptolemaios I. und heiratete ihren Bruder Ptolemaios II., was den Beginn einer Reihe ähnlicher Verbindungen in der ptolemäischen Dynastie markierte. Die Verbindung der vergöttlichten Arsinoe mit Aphrodite ist durch zeitgenössische Quellen belegt. Andererseits ist sie als Nischenstatue konzipiert, mit einer roh belassenen Rückseite. Unterhalb des Halses befindet sich eine Bohrung, die durch den Körper verläuft und am Rücken austritt. Beide Merkmale deuten darauf hin, dass die Statue als Orakelstatue diente, an die Menschen mit praktischen Fragen herantraten. Mit Hilfe eines aus der Bohrung in den Nebenraum geleiteten Rohres konnte orakelt werden. Arsinoe II. Philadelphos war also auch als kultische Ratgeberin gefragt. Von der Statue sind der Körper, die Oberschenkel und der linke Arm original antik; die übrigen Teile wurden später ergänzt. Das linke Bein und der Fuß passen zueinander, während das rechte Bein und der Fuß nicht genau zusammenpassen. Diese Ungenauigkeiten wurden geschickt durch die Gewandfalten kaschiert. Die stilistischen Besonderheiten der Skulptur deuten darauf hin, dass sie möglicherweise ein Werk des römischen Eklektizismus ist, bei dem Elemente verschiedener vergangener Stile kombiniert wurden. Einige der Ergänzungen könnten auch im 18. Jahrhundert entstanden sein. I. Regulski
Statue eines sitzenden Mannes in langem Mantel ("Abusir-Mann"/ "Gelber Mann")
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Diese Steinskulptur der frühdynastischen Zeit ist eine der ältesten erhaltenen ägyptischen Steinplastiken überhaupt. Der Dargestellte sitzt auf einem Hocker ohne Lehne, zwischen dessen Beinen bogenförmige Streben aus Holz oder Rohr eingespannt sind. Er ist in einen langen Mantel gehüllt, der die rechte Schulter freiläßt und auf dem Rücken einen nicht näher bestimmbaren Zierat aufweist. Der große Kopf ruht fast halslos auf dem wuchtigen Rumpf. Eine mittelgescheitelte Strähnenperücke bedeckt sein Haupt. Die tiefen Augenhöhlen hatten ursprünglich Einlagen aus anderem Material aufgenommen. Die Finger und Zehen sind nur durch schmale Rillen angedeutet. Der auf den Knien liegende Unterarm ist mit dem Vorderteil des Bildnisses weggebrochen.
Oberteil der Figur eines betenden Affen
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Von dieser sorgfältig aus poliertem Stein gefertigten Affenstatue ist nur der obere Teil erhalten. Auch die Ohren, Augenbrauen und Hände sind beschädigt. Das Tier erscheint im Gebetsgestus mit erhobenen Händen. Die Ägypter hatten beobachtet, dass die Tiere sich bei Sonnenaufgang strecken und brüllen. Sie interpretierten dies als Begrüßung und Anbetung des Sonnengottes. Für die alten Ägypter waren die Affen deshalb die prototypischen Verehrer der auf- und untergehenden Sonne. Das „Geschwätz“ der Affen enthielt geheimes Wissen. Vor allem in der ägyptischen Spätzeit wurden in den Tempeln Paviane für das morgendliche Ritual gehalten. I. Regulski
Kopf einer meroitischen Ba-Statue
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
Der Ba ist ein besonderer seelischer Aspekt einer Person, der sich trotz einer tiefen Verbindung mit dem Körper von diesem ablösen und entfernen kann. Nach dem Tod konnte der Ba das Grab verlassen, musste jedoch regelmäßig zurückkehren, um sich mit der Mumie zu vereinen und so seine Existenz zu sichern. Häufig wurde der Ba als Vogel mit einem menschlichen Kopf dargestellt, was seine Fähigkeit symbolisiert, zwischen den Welten zu reisen. Die Nubier der meroitischen Periode (ca. 270 v. Chr. – 350 n. Chr.) übernahmen die Vorstellung der Seele als geistigen Teil einer Person und schufen ihre eigene Art von Ba-Statuen mit menschlichen Körpern und Vogelflügeln. Sie fertigten diese Skulpturen für die Beigabe in Gräber in einem Stil, der sich der Abstraktion annähert. Oft ist der Kopf vom Körper getrennt, möglicherweise als Ergebnis eines Rituals, oder sie konnten separat auf den Körper einer Ba-Statue gesetzt werden. Großformatige Exemplare, wie dieses Objekt, ersetzten wahrscheinlich die Statue selbst und wurden ausschließlich auf den Kopf reduziert. Der Kopf ist grob ausgearbeitet und zeichnet sich durch einen schmalen Mund mit breiten Lippen, eine markante Nase und leicht abstehende Ohren aus. Die Augen treten ohne detaillierte Ausarbeitung plastisch aus dem umgebenden Stein hervor, wodurch der charakteristische starre Blick dieser Objektgruppe verstärkt wird. An der Stirn befinden sich horizontale und vertikale Einritzungen, die möglicherweise den Haaransatz andeuten. I. Regulski