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Object type: Zylinderbureau
Zylinderbureau mit Blumenbouquets
Kunstgewerbemuseum
Das Zylinderbureau ist eine stilistische Weiterentwicklung des frühklassizistischen Modells (Inv. Nr. 1910,49), von dem es sich auf den ersten Blick durch seinen flachen Aufsatz, die florale Marketerie sowie eine weniger additive und ausgewogener proportionierte Architektur unterscheidet. Marketerie und vergoldete Bronzen sind zurückhaltend eingesetzt und verhelfen dem Möbel zu einer routiniert in Szene gesetzten Eleganz. Seit seinem erfolgreichen Pariser Auftritt im Frühjahr 1779 trug David Roentgen den prestigevollen Titel eines „Mécanicien privilégié du Roi et de la Reine“. Schon im Frühsommer schickte er ein weitere „Parthie neuer Arbeit“ in die Stadt, richtete ein Warenlager ein und stellte ihm als Geschäftsführer seinen „comis“ Johann Gottlieb Frost voran. Obwohl David Roentgen im Verlauf des Jahres eine bedeutende Anzahl auch bestellter Stücke an den König und die Königin verkaufte und er mit dem österreichischen Gesandten Mercy d’Argenteau über sehr gute Kontakte verfügte, führten seine diplomatischen Bemühungen nicht zu dem erhofften Privileg, seine Möbel gegen den Widerstand der Pariser Ebenisten ohne „schwere Kosten“ nach Paris einführen und in der Stadt verkaufen zu können. Eine vorübergehende Lösung bot der Verkauf in Kommission bei dem Händler Brébant in der Rue St. Martin, einem der Luxuswarenhändler (Merchands-Merciers) der Stadt. Im Mai 1780 erwarb David Roentgen für nahezu 1.000 Livres (ca. 330 Gulden) das kostspielige Meisterrecht der Pariser Gilde der Ebenisten und konnte fortan seine Möbel unter eigenem Namen verkaufen. Wie eine Anzeige vom Januar 1781 und seine Visitenkarte belegen, führte er sein Geschäft in der Rue de Grenelle nahe der vornehmen St. Honoré und offerierte dort ein umfangreiches Sortiment: „Schreibtische verschiedener Formen, Kabinettsessel, Toilettentische, Geldschränke, Mechanismen, Klaviere, Quadrilletische, Tricktracktische und andere“. Die Stücke waren von „dernière perfection“, folgten dem neuen Geschmack und waren “aus Mahagoni sorgfältig ausgeführt und poliert wie Marmor.“ Im Dezember 1785 übergab David Roentgen das Geschäft an Gottlieb Frost, der es in die Rue Croix des Petits-Champs verlegte, dort eine Werkstatt mit zehn Arbeitern führte und bis zu seinem Konkurs im Sommer 1789 fortfuhr, „Möbel zu verkaufen, die wegen ihrer Form und ihrer Politur sehr gesucht“ waren. Wie alle in Paris zugelassenen Ebenisten unterlag Roentgen damit den Kontrollbestimmungen der Pariser Gilde, die vorsahen, alle Waren ihrer Mitglieder durch möglichst untilgbare Namensstempel auszuweisen. Offenbar jedoch war diese seit spätestens 1751 gültige Regelung durch die Privilegien der Luxuswarenhändler nur schwer zu kontrollieren, denn trotz seiner über neun Jahre nachgewiesenen Tätigkeit in Paris ist für David Roentgen bisher nur ein einziges Möbel mit einem solchen Schlagstempel, nämlich das hier vorgestellte Zylinderbureau bekannt geworden. ASt
Zylinderbureau mit Aufsatz
Kunstgewerbemuseum
Der Möbeltyp des Zylinderbureau‘s nahm in Neuwied lange Jahre die führende Position unter den repräsentativen Schreibmöbeln ein. Statt der schräg gestellten geraden Schreibklappe der Pultschreibmöbel hat es eine gewölbte Schiebeklappe, die der Bogenform eines Viertelzylinders folgt. Diese gewölbte Klappe ist bei fortgeschrittenen Ausführungen so mit der darunter befindlichen Schreibplatte verbunden, dass sie sich gleichzeitig mit dem Hervorziehen dieser Schreibfläche öffnet und im Bogen hinter dem Pultinneren im Möbelkorpus verschwindet. Der Möbeltyp bietet eine bequeme Handhabung und den Vorteil, dass auf der Schreibfläche auch im geschlossenen Möbel Papiere und Schreibutensilien liegen gelassen werden können, was bei den Klapppulten nicht möglich ist. Das Berliner Exemplar gehört zu einer kleinen Gruppe von frühklassizistisch gestalteten Zylinderbureaus mit chinoisem Motivrepertoire. Der für den Möbeltyp ungewöhnlich hohe Aufsatz verleiht ihm zusammen mit dem sehr ähnlichen Petersburger Exemplar eine besondere Stellung, an der seine reiche Ausstattung mit vorzüglichen Marketerien reichen Anteil hat. Mit der Einführung der „Chinesischen Figuren“ in den Motivschatz der Marketerien folgten die Roentgens Ende der 1760er Jahre dem Rokoko, das mit dieser Mode seine Vorliebe für die fernöstliche Welt entdeckt hatte. Als „chinois“ wurden dabei nicht nur die sehnsüchtig betrachteten fernen Motive mit ihren orientalischen Gestalten, tropischen Vögeln und Pflanzen, oder die importierten Waren wie Porzellan und oder Tee bezeichnet, sondern auch die für europäische Augen ungewohnt spannungsvolle Bildkomposition, die auf die perspektivische Staffelung von Vorder-, Mittel- und Hintergrund weitgehend verzichtet, Architekturen dem Blick öffnet und sie mit Landstücken wie schwebend in den Flächenraum setzt. Die Entwürfe für die Chinoiserien stammten von Malern wie Januarius Zick oder Johannes Juncker, die Druckgraphiken nach François Boucher (1703-1770) oder Jean Pillement (1728-1803) als Vorbilder verwendeten. Diese fanden ihren Weg in die Werkstätten über Vorlagenbüchern wie The Ladies Amusement des Londoner Verlegers Robert Sayer. Diese äußerst erfolgreiche Vorlagensammlung erschien 1760, 1762 und 1771 und zeigte unter den mehr als 1.500 in Kupferstich gesetzten Zeichnungen eine ganze Serie von Chinoiserien und Papageien. In den Tafeln finden sich unmittelbare Motivvorlagen für die Neuwieder Marketerien und sie prägen zugleich deren dekorativen Charakter, der ein beliebiges Arrangement einzelner Elemente möglich macht. ASt