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Objektbeschreibung

Als Dichter anschaulicher Sprache bekannt und als Schlüsselgestalt der europäischen literarischen Romantik gefeiert, hinterließ der französische Schriftsteller neben meist frühen Gedichten vor allem so berühmte Romane wie „Nôtre Dame de Paris“ (1831) und „Les misérables“ (1862) sowie zahlreiche höchst faszinierende und irritierende Zeichnungen. Die frei assoziierten und noch weitaus moderneren, ja geradezu exzentrischen Blätter Victor Hugos kamen aber erst im Laufe des 20. Jahrhunderts ins öffentliche Bewusstsein. Die sogenannten „Ruines féodales“ vermitteln den Eindruck längst untergegangener feudaler Größe und sie haben die irritierende Wirkung eines Vexierbildes. Die strukturelle Brüchigkeit des trockenen Pinselduktus lässt die Formen zwischen Deskription und Abstraktion changieren: Sie gleichen einem Zinnenkranz vor dem Meer, auf dem sich das Licht feiner Wellen sammelt. Auch die Aquarelltechnik, die seit dem späten 18. Jahrhundert in England durch Künstler wie John Constable und William Turner gepflegt wurde, stand mit den feinen Nuancen hier Pate. Victor Hugo geht mit seinen vermeintlich feudalen, tatsächlich aber ruinösen Fragmenten einen Weg, der an Radikalität alles übertrifft, was die deutsche Kunst zeitgleich zu bieten hatte. Die monochrome Düsternis erweist sich hier wie in vielen anderen Blättern Victor Hugos als eine bevorzugte Ingredienz romantischer Schauer- und Hamletstimmung. | Bernhard Maaz