Logo

FacebookAuf Facebook teilen

Objektbeschreibung

Entstanden im Jahr 1926, gehört das unbetitelte Blatt zur frühen Werkgruppe der sogenannten Papiers collés, die 1927 in Magrittes erster Einzelausstellung in der Brüsseler Galerie Le Centaure gezeigt wurden. Nach dem Prinzip der Collage sind wesensfremde Elemente scheinbar willkürlich auf der Bildfläche verteilt. Inspiriert durch das Werk von Max Ernst, verwendet Magritte diese Technik, um die für ihn wirkungslose traditionelle Malerei und die damit verknüpften Sehgewohnheiten zu durchbrechen. Vertraute alltägliche Gegenstände wie der Zeitung entnommene Darstellungen menschlicher Körperteile, ein Tisch und ein Ballfangspiel werden zusammengesetzt, um ihnen eine neue, schockierende, aber dennoch poetische Bedeutung zu verleihen. Die einzelnen Elemente wurden fast alle in früheren Werken Magrittes schon einmal verwendet, wie etwa der Tisch mit einem Frauen- anstelle eines Tischbeines, das aus dem Notenblatt ausgeschnittene Spielzeug und auch die aufgebrochene Erde, die hier durch die auf ihr angeordneten Frauenköpfe und den männlichen Oberkörper wie die unruhige See anmutet. Der Handschuh auf dem Tisch könnte auf das Werk „Das Lied der Liebe“ (Il canto d’amore) von Giorgio de Chirico aus dem Jahr 1914 anspielen, auf dem der Maler einen Gummihandschuh und den Kopf einer antiken Statue vereinte. Magritte hatte das Gemälde, welches Anfang der 1920er Jahre in der Galerie Paul Guillaume in Paris zu sehen war, 1923 durch Marcel Lecomte in einer Reproduktion kennengelernt und war davon zutiefst beeindruckt. Die eigenwillige Ästhetik, die bei dem Zusammenführen von nicht zu vereinbarenden Gegenständen auf einem gemeinsamen, den Gegenständen fremden Untergrund entsteht, hatte der frühzeitig verstorbene Schriftsteller Comte de Lautréamont bereits 1868 in seinem einzigen Werk „Die Gesänge des Maldoror“ beschrieben: „[…] Schön wie […] die zufällige Begegnung einer Nähmaschine und eines Regenschirms auf einem Seziertisch“. | Juliane Pönisch