Objektbeschreibung
Oberflächen, die an alte Mauern erinnern, dicke Farbschichten und Abblätterndes faszinierten Antoni Tàpies sein Leben lang. Texturen dieser Art tauchen in seinen Materialbildern immer wieder auf. In der Verwendung verschiedener Stoffe geht es ihm nicht um eine formale Analyse der ästhetischen Möglichkeiten von Material. Vielmehr konzentriert er sich auf die Suche nach ihren magischen Eigenschaften und ihrem Verwandlungspotenzial. Im Œuvre von Tàpies tauchen deshalb immer wieder rätselhafte Zeichen sowie der Name „Llull“ auf, auch Kreuze und die Initialen A und T treten in Erscheinung. „Llull“ bezieht sich auf Raimundus Lullus, den mittelalterlichen Universalgelehrten, und dessen Idee des mechanischen Kombinierens von Begriffen und Zeichen. Insgesamt verweist Tàpies’ Selbstverständnis auf den Künstler als Schamanen und und Alchemisten, der die Natur der Materialien erkennen, Substanzen verändern und dem Leben Sinn verleihen kann. Dabei spielen seine ästhetischen Forderungen mit existenzialistischen Strömungen zusammen. Dazu gehört sein Prinzip der Wiederholung, sein ständiges Fragen sowie das Gemahnen an den Tod. Daran erinnert auch der Totenschädel, den Tàpies nicht nur als Symbol, sondern auch als Materie begreift, indem er seine Oberfläche durch Einkerbungen und Schwärzungen betont. | Melanie Franke