ein Paar Götter
Objektbeschreibung
Der Ernsthaftigkeit, mit der am Bauhaus die Regeln bildhaften Gestaltens kodifiziert wurden, begegnete Klee immer wieder mit spielerischer Ironie. Wie eine Satire auf die Debatten im Lehrbetrieb wirkt das zu Beginn des Jahres 1924 entstandene Blatt „ein Paar Götter“. Die beiden im Brustbild gezeigten männlichen Figuren halten Skizzenbücher, kleine Bildertafeln und Sprechblasen vor sich, in welche sich die kosmischen Symbole Sonne, Mond und Stern eingezeichnet finden. Die Gesichtszüge bestehen aus den Grundformen Punkt (beziehungsweise Kreis), Linie und Quadrat, jeweils mit außenräumlicher Schraffur. Die Augen der rechten Figur, welche einen Malerkittel trägt, leuchten in mystischem Grün. Die Form der Köpfe folgt jener Schematisierung, die Klee bei seinen Selbstbildnissen entwickelt hatte, etwa in der Lithografie „Versunkenheit“ von 1919. Da Klee 1924 noch seinen Vollbart trug, scheint es möglich, im rechten Kopf eine Selbstdarstellung zu sehen. Wenn im linken Kopf die dunklen, mit den schwarzen Augenbrauen korrespondierenden Wellen unterhalb der Nase aufgeworfene Lippen meinen sollten, könnte dies als Erkennungsmerkmal Wassily Kandinskys gedeutet werden. Aus dessen Kopf entschlüpft ein Gedanke, symbolisiert durch einen Pfeil, der zur Umsetzung drängt. Die beiden Bauhaus-Lehrer als Götter der Zeichnung und der Farbe – möglicherweise ironisierte Klee mit dieser Darstellung die Sicht der Bauhaus-Studenten auf ihre Meister, die mit ihren Absolutheitsansprüchen wie Götter erschienen. | Dieter Scholz