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Objektbeschreibung

Ernst entwickelte die Technik der Frottage im Sommer 1925 in Pornic in der Bretagne. Dorthin war der Künstler mehr oder weniger geflohen, da die Surrealisten den Marokkokrieg der französischen Regierung heftig kritisiert hatten. Ernst entging durch diese Reise seiner Verhaftung durch die Pariser Polizei. So schildert er selbst zumindest die Situation in seiner real-fiktiven Bestandsaufnahme Jenseits der Malerei, wie bei Goethe ist es wohl »Dich-tung und Wahrheit«. In seinem Hotelzimmer hätte an einem Regentag die Holzmaserung des Fußbodens seine Aufmerksamkeit erregt. Diese Struktur wurde im Durchreibeverfahren auf Papier gebannt und zeichnerisch nachbe-arbeitet. Dadurch erhielten die Frottagen For-men wie aus Fauna und Flora entlehnt: Laub, Bäume, hühnerähnliche Vögel und solche, die an Turteltauben erinnern. Dieser Gestaltungs-vorgang, der sich aus einem meditativen Ele-ment, das Starren auf den Fußboden, einem konstruktiven, der formgebenden Nachbe-arbeitung des Durchriebs, und einem assozi-ativen, der Benennung des Abbildes, zusam-mensetzt, findet sich auch in den Collagen des Künstlers wieder. Ähnlich wie diese entstehen die Frottagen wiederum in einer Zeit, in der die oben erwähnten tagespolitischen Umstände dem Künstler unerträglich scheinen. Nachdem ihn sein mündlich artikulierter Protest an der Regierung dazu zwang, Paris zu verlassen, findet Max Ernst eine Formensprache, die den Rückzug auch künstlerisch nachvollzieht. Die technisierten Schaltpläne der frühen Collagen, das Ergebnis einer bewussten Suche nach ne-uen Ausdrucksmöglichkeiten, weichen verfrem-deten Abbildern der Natur, deren Ausgangs-punkt nach Ernsts Bekunden der Zufall war. Dem Fußboden kommt bei der Frottage die Rolle des »optischen Provokateurs « zu, wie Ernst es ausdrückt. Bereits die frühen DADA-Collagen basierten auf Fundstücken, an denen sich die Imagination des Künstlers entzündete. Ernst gab unumwunden zu, dass er für seine Arbeiten diese Anstöße von außerhalb durch die »objets trouvé« benötigte. Damit erteilte er nicht nur dem genuinen künstlerischen Schöpf-ungsakt eine Absage, sondern stellte gleich-zeitig auch den Geniekult des vergangenen Jahrhunderts infrage. 36 dieser Frottagen stellte Ernst in der Mappe Histoire Naturelle zusammen. Erneut weckt der Titel Erwar-tungen beim Rezipienten, im vorliegenden Fall eine enzyklopädische Schöpfungsgeschichte vorzufinden, die durch den Inhalt der Mappe und ihren Entstehungsprozess ad absurdum geführt werden. | Katharina Wippermann