Josué arrêtant le soleil
Objektbeschreibung
Dargestellt ist eine Szene aus dem Alten Testament. Das Buch Josua schildert dessen kriegerische Taten zur Eroberung des dem Volk Israel verheißenen Landes Kanaan. Nicht nur die Mauern Jerichos ließ Josua durch Posaunenschall fallen, nach einer schon erfolgreichen Schlacht befahl er: „Sonne, stehe still zu Gibeon, und Mond, im Tal Ajalon!“ Und sie standen still, „bis daß sich das Volk an ihren Feinden rächte.“ (Kap. 10, Vers 12 f.) Diese Geschichte eröffnete Ensor die Möglichkeit zur Darstellung von Menschenmassen, Heerscharen, in Angriff und Flucht. Rechts hinter dem berittenen Josua kommen die durch parallele Senkrechten als schlagkräftig charakterisierten Israeliten, links erahnt man an den gegenläufigen Strichlagen den Zustand der flüchtenden Amoriter. Ensor verzichtete auf genaue Zeichnung. Er charakterisierte die Situation mithilfe eines das ganze Blatt gleichmäßig bedeckenden Lineaments. Er verzichtete zudem auf einen geschlossenen, perspektivischen Raum: Die hoch liegende Horizontlinie ist verunklärt, es gibt keine seitlichen Begrenzungen, keinen festen Punkt außer der Sonne und der dargestellte Raum kippt gleichsam nach vorn ab. Das ganze Blatt wird von einer gleichmäßigen, gleichgültigen Helligkeit beherrscht. Ab 1885 begann Ensor seinen Visionen von Panik und Aussichtslosigkeit bildlichen Ausdruck zu geben, dazu gehören weitere Schlachtendarstellungen, ähnlich aufgebaut aus kleinen Figürchen in einem kalten Linienstil. | Angelika Wesenberg