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Objektbeschreibung

In tumultartiger Gleichzeitigkeit unterschiedlicher, miteinander verzahnter Motive zeigt George Grosz in seiner Zeichnung Versatzstücke großstädtischen Lebens mit strichmännchenhaft dargestellten Männern, nackten Frauenleibern und Tieren, die sich um die Caféhausszene mit einem dumpf an einem Tisch brütenden Herrn ranken. Die Grenzen zwischen innen und außen sind aufgehoben, die Gestalten aus dem Interieur mit dem Straßenraum, der als Gebäudewirrwarr die Szenerie bogenartig umfasst, verzahnt. Ein verdichtetes Liniennetz aus unterbrochenen und verwinkelten Strichen mit Zacken und Kanten überschneidet und durchkreuzt die Figuren, deren Anordnung nicht mehr einem logischen Raumkonzept folgt. In dieser futuristisch anmutenden, schwankenden Verschachtelung spiegelt sich Ludwig Meidners 1914 in seiner „Anleitung zum Malen von Großstadtbildern“ formulierte Forderung nach der geraden Linie als dem einzig adäquaten Stilmittel des Großstädtischen wider: „Sind nicht unsere Großstadtlandschaften alle Schlachten von Mathematik! Was für Dreiecke, Vierecke, Vielecke und Kreise stürmen auf den Straßen auf uns ein. Lineale sausen nach allen Seiten. Viel Spitzes sticht uns. Selbst die herumtrabenden Menschen und Viecher scheinen geometrische Konstruktionen zu sein.“ Mit den Mitteln dieser facettierten Zersplitterung stellt Grosz das Nachkriegsberlin als ausgelaugte, an der Kapitulation zerbrochene und von sozialen Unruhen aufgerüttelte Stadt dar. In seinem „Caféhaus“ zeigt er eine wahnwitzig wirkende Gesellschaft, um auf den Irrsinn der Zeit aufmerksam zu machen. Aus dem Kriegsdienst bei der Infanterie heimgekehrt, trat er in die Kommunistische Partei ein, stellte seine Kunst in den Dienst des Proletariats und nutzte seine Zeichnungen und Karikaturen als politische Waffe. | Hanna Strzoda