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Objektbeschreibung

Ein weibliches Wesen wendet sich mit schüchtern-lockendem Blick über die Schulter an den Betrachter. Das hochgerutschte Hemd wirkt provokativ. Bei genauem Hinsehen jedoch bricht die erotisch-kokette Ausstrahlung und offenbart die groteske Versehrtheit der Gestalt. Arme und Beine fehlen ganz; gestützt auf zwei Prothesen, lehnt das puppenhafte Geschöpf halb entblößt und hilflos an einer Wand. „La poupée“ gehört zu den zehn Fotografien, die Bellmer von seiner ersten, 1934 fertiggestellten Puppe aufgenommen hat. Sie mag zur Sublimierung seiner sexuellen Obsessionen gedient haben. Zudem schuf er einen bizarren Antitypus zum Idealbild der Frau, das die nationalsozialistische Propaganda zeitgleich feierte: gesund, stark, fruchtbar. Bellmers Schöpfung ist mithin auch als Protest gegen ein Regime zu verstehen, dem der eigene Vater begeistert anhing und dem er selbst auf keinen Fall dienen wollte. „Die Herkunft meiner Bilder ist skandalös“, so Bellmer, „weil die Welt für mich ein Skandal ist.“ | Kyllikki Zacharias