Métamorphose
Objektbeschreibung
Die wie rasch hingeworfen wirkenden gezeichneten Figuren stehen im Gegensatz zu den steifen Schneiderpuppen, die Miró wahrscheinlich aus einem Katalog ausgeschnitten und scheinbar spontan angeordnet, überzeichnet und übermalt hat. Die verschiedenen Elemente der Collage – Schneiderpuppen, Varietétänzerin, Trauben und gezeichnete Figuren – vereinen weibliche Formen. Mirós Collagen fußen auf dem Prinzip des Objet trouvé, dem Umgang mit zufällig Gefundenem. Die verwendeten Ausschnitte stammen aus Werbeanzeigen, Postkarten und Kinderbüchern. Mit „Métamorphose“ nahm er ein zentrales Thema der Surrealisten auf. Diese hegten eine Faszination für Schneiderpuppen und vor allem Schaufensterpuppen – beflügelten sie doch ihre Vorstellung von einer übermenschlichen Idealfrau. In Mirós Collagen erfüllt sich die Sehnsucht der Surrealisten nach vorbewussten Bildern in besonderer Weise. Mit scheinbar kindlicher Unschuld gelangen ihm formvollendete Kompositionen, er setzte die surrealistische Idee der Rückgewinnung der Kindheit am konsequentesten um. Im „Ersten surrealistischen Manifest“ hieß es, von der Kindheit ginge „ein Gefühl der völligen Ungebundenheit aus“. André Breton bezeichnete den Spanier, der seit 1924 an den wichtigsten Ausstellungen der surrealistischen Vereinigung beteiligt war und die Gruppe weniger durch Diskussionsbeiträge denn durch seine Kunst beeinflusste, einmal als den surrealistischsten Künstler unter den Surrealisten. | Silke Krohn