Zerreißt den Gestellungsbefehl
Objektbeschreibung
1951 zeigte Ebel „Zerreißt den Gestellungsbefehl“ auf der Ost-Berliner Ausstellung „Künstler schaffen für den Frieden“. In dem Bild sitzt ein junger Mann umgeben von Familienmitgliedern angespannt am Tisch. An der Wand hängen Schwarz-Weiß-Porträts von Männern in Uniformen des Ersten und Zweiten Weltkriegs – vermutlich Gefallene. Die Figuren im Bild scheinen einander zu trösten, sie reden und gestikulieren. Der Titel, wohl an die (männlichen) Betrachter gerichtet, appelliert an Mut und Ungehorsam. Denkt man an den Ausstellungtitel, so erscheint das Bild als prosaische Umsetzung der Ausstellungsthematik, geht es hier doch um die individuelle Kriegsdienstverweigerung als direkten pazifistischen Akt. Das Bild suggeriert, dass die großen politischen Ziele von Frieden und Freiheit auch von jedem Einzelnen durchgesetzt werden können. Die Lebensgeschichte der Malerin Toni Ebel ist ungewöhnlich. Sie wurde als Arno Ebel geboren, änderte 1929 ihren Vornamen und gehörte zu den weltweit ersten Personen, die eine geschlechtsangleichende Operation vornehmen ließen. Sie überlebte den Nationalsozialismus in Brünn und Prag, zog nach Kriegsende zurück in ihre Geburtsstadt Berlin, wo sie 1947 SED-Mitglied wurde. Bereits seit 1930 verdiente sie ihr Geld mit Malerei. In der DDR wurde über ihre Operation an Magnus Hirschfelds Institut für Sexualwissenschaft nicht gesprochen; möglicherweise war diese nicht bekannt. Sie erhielt als sozialistische Künstlerin Anerkennung. | Emily Joyce Evans