Logo

Menu du banquet des amis du roman philosophique


FacebookAuf Facebook teilen

Objektbeschreibung

An den pornografischen Schriften des Marquis de Sade, die in den 1920er Jahren wiederentdeckt worden waren und viele der Surrealisten zu künstlerischen Motiven anregten, interessierten Salvador Dalí insbesondere jene Passagen, in denen de Sades Protagonisten zur Steigerung des Vergnügens Samen, Blut und Exkremente essen und trinken. Der Titel des Werkes, „Menu du banquet des amis du roman philosophique“ (Speisekarte für das Bankett der Freunde des philosophischen Romans), ist eine direkte Anspielung auf de Sades Roman „La philosophie dans le boudoir“ (Die Philosophie im Boudoir). Dalí rückt die Ausscheidungen in den Mittelpunkt des Geschehens. Die betonte Hässlichkeit der Dargestellten ist auch ein direkter Bezug zu de Sades Behauptung, viele Menschen zögen eine alte, hässliche und sogar stinkende Frau einem frischen, jungen Mädchen vor. In seinem „Le jeux lugubre“ (Das finstere Spiel ) aus dem Jahre 1929 hatte Dalí erstmals eine sexuelle Vereinigung mit Gewalt und Exkrementen in Verbindung gebracht und war damit nicht nur auf das Unverständnis von Ausstellungsbesuchern gestoßen – auch die Surrealisten, insbesondere André Breton, zeigten sich schockiert. Dalí reagierte enttäuscht, aber auch stolz auf die Empörung. Über die ihm auferlegten Tabus notierte er im Nachhinein: „Ich stieß hier wieder auf die gleichen Verbote wie bei meiner Familie. Das Blut war mir gestattet. Ein bisschen Kacke allein, das gab’s nicht. Die Darstellung des Geschlechts wurde mir bewilligt, aber keine analen Fantasmen …“ | Silke Krohn