Portrait
Objektbeschreibung
Mit feinen Strichen und Punkten ist ein Gesicht zu Papier gebracht, das zu der Gruppe von WOLS’ „Köpfen“ gehört. Auf den ersten Blick könnte es sich hier um eine angedeutete Landkarte handeln, deren Hebungen und Senkungen besonders hervorgehoben sind. Die Kopfform mit Augen und Kinn ist geprägt von einer vom Scheitel bis über die rechte Kinnseite hinunter verlaufenden Kerbe oder einem Wulst, was neben der Teilung des Gesichts eine Verwundung oder eine Narbe anzeigt. Der Mund wird durch eine geschwungene Linie und fünf emporragende spitze Zähnchen gebildet, die Nase besteht lediglich aus zwei asymetirschen Nasenlöchern. Das linke Auge ist weit geöffnet, das rechte hingegen schmal, als wäre es zugeschwollen. WOLS beschäftigte sich bereits als Fotograf mit dem Porträt und suchte auch in diesem Zusammenhang nach Wegen der Verfremdung, der unkonventionellen Darstellung. Was hier mit feiner Feder gezeichnet wurde, sollte in späteren Gemälden kompositionell verwandt und mit dicker, intensiver Farbe in informeller Manier weiterverfolgt werden. Insbesondere eine Zone wie jene des die Ansicht längs durchlaufenden Wulstes ist ein Charakteristikum, das in WOLS’ Gemälden durch sehr pastosen Farbauftrag Volumen annimmt und oft als Krater- oder Wundrand gelesen wird. | Kristina Lowis