Ohne Titel
Objektbeschreibung
Auf blassem, roséfarbenem Hintergrund liegen flächig Strichknäuel, aus denen entstehen amorphe Gebilde und Volumen. Immer wieder entdeckt man die für WOLS typischen kreisförmigen Verdichtungen mit sternförmig davon ausgehenden kurzen Strichen, die der Betrachter mal als Augen, mal als Amöben zu lesen versucht ist. Was ist also das verstrickte Durcheinander in diesem Bild? Sollen hier in Kritzeln die Farben Frankreichs, sein Blau-Weiß-Rot, zerfetzt werden? Diese Assoziationen scheinen naheliegend, da Frankreich dem exilierten Deutschen zahlreiche Enttäuschungen zugemutet hatte. Lassen sich die Striche als Fäden an Stricknadeln lesen? Sind die beiden im Bildmittelpunkt zu erahnenden Wesen in etwas verstrickt? Solche Assoziationen können sich bei der Betrachtung der offenen Formen einstellen. Und dies ist von WOLS durchaus legitimiert, hatte er doch bereits als Fotograf Objektkompositionen so weit entfremdet aufgenommen, dass sie teilweise nur noch durch freie Assoziation und das Wissen um WOLS’ eigene Vorstellungswelt verständlich scheinen. Dass WOLS später kunsthistoriografisch als „Vater des Tachismus“ bezeichnet wurde, lässt sich insbesondere an diesem Werk nachvollziehen, da es dem Informel in Dynamik und Duktus durchaus verwandt ist. | Kristina Lowis