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Claire eau de barbe


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Objektbeschreibung

Nachdem Dubuffet sich ausgiebig und in vielfältiger Weise dem materiellen Erscheinungsbild von Texturen zugewandt hat, taucht in seinem Œuvre der späten 1950er Jahren die Figur wieder auf. Die Erfahrungen mit den materiell-haptischen Oberflächen wusste er mit gestaltähnlichen Zügen zu verbinden: Alle Figuren tragen lange Bärte aus verfilzten und filigranen Gewebestrukturen. Um diese Formationen zu erzielen, setzte Dubuffet das Collage-Verfahren ein. Raffiniert spielen Malspuren mit grafischen Feinstrukturen zusammen und bilden eine reliefartige Oberfläche. In „Claire eau de barbe“ (Klares Bartwasser) verschmelzen Figur und Bart zu einer Struktur. Dabei gibt die Textur einen lebendigen Rhythmus vor, in den sich das Gesicht aus Punkten für die Augen und einem Strich für den Mund integriert. Als pelziges Wesen gewinnt die Gestalt eine alptraumhafte Präsenz und erinnert an Riesen und Ungeheuer aus Märchen. Deren furchterregendes Erscheinungsbild ist nicht selten mit hilflos-rührenden Zügen gepaart, die sich auch in Dubuffets Monsterwesen finden. Dieses Werk ist einmal mehr Ausdruck dessen, was Dubuffet unter den Begriff „Art brut“ fasste, ist Ausdruck einer elementaren und unverfälschten Darstellungsweise, wie man sie bei Kindern oder Naturvölkern anzutreffen glaubt. | Melanie Franke