Logo

Das durchdrungene Geheimnis der Diana von Ephesus (Objet)


FacebookAuf Facebook teilen

Objektbeschreibung

Ein Kreisel aus wabernden, übereinandergelagerten Brüsten balanciert auf seiner Spitze innerhalb zweier sich schneidender geometrischer Kreise. Die nach oben immer voluminöser werdenden weiblichen Busen werden von mehreren Seiten brutal von schmalen, zerbrechlich wirkenden, zirkelähnlichen Stäben und Gelenken durchstoßen, die in tatzenartigen Stützen enden. Der Kreisel, welcher eigentlich im Fallen begriffen ist, wird durch die Konstruktion im Gleichgewicht gehalten. Das Blatt ist Teil von Bellmers fortdauernder Auseinandersetzung mit Diana von Ephesus, der vielbrüstigen griechisch-römischen Fruchtbarkeitsgöttin. Zeitgleich enstand das Pendantblatt „Herostrat und das Geheimnis der Diana von Ephesus“ (1938), hier steht der Brüstekreisel allerdings auf seiner stabilen Seite. Bellmer selbst sah in der Figur der Diana seine Idee von der Vervielfachung einzelner Körperteile visualisiert und zeigt die Göttinnenstatue als „schwarze[n], von Brüsten starrende[n] Kegel“. Der weibliche Körper wird hier nicht nur auf seine Primärmerkmale konzentriert, sondern zeigt sich auch in prekärer Konstitution. Der im Motiv angelegten Spiegelbildlichkeit und damit verbundenen Möglichkeit der Multiplikation und Deformation von Körperteilen widmete sich Bellmer in seiner 1957 erschienen Schrift „Petite anatomie de l’inconscient physique. L’anatomie de l’image“ (Kleine Anatomie des körperlichen Unbewussten oder Die Anatomie des Bildes). | Melanie Franke/Nadine Ott