Fleur illuminée
Objektbeschreibung
Einer der französischen symbolistischen Dichter, die ehemals gefeiert wurden und heute kaum mehr bekannt sind, der aus Griechenland stammende und in Frankreich naturalisierte Jean Moréas, erfasste in dem achtzeiligen Gedicht „Les Stances“ (1899) eine Stimmung, die dem kostbar-melancholischen Blatt von Odilon Redon erstaunlich nahekommt: „Ne dites pas: la vie est un joyeux festin / Ou c’est d’un esprit sot ou c’est d’une âme basse. / Surtout ne dites point: elle est malheur sans fin; / C’est d’un mauvais courage et qui trop tôt se lasse. // Riez comme au printemps s’agitent les rameaux,/ Pleurez comme la bise ou le flot sur la grève, / Goûtez tous les plaisirs et souffrez tous les maux; / Et dites: c’est beaucoup et c’est l’ombre d’un rêve.“ Diese Ambivalenzen von Lebenslust und Todesbewusstsein, von frohsinnig-farbiger Extrovertiertheit und melancholischer Innenschau, von Wirklichkeit und Traum charakterisierten Redons Blatt. Dessen französischer Originaltitel „Fleur illuminée“ ist weitaus sprechender als der nunmehr gängige deutsche Titel Mädchenprofil mit Blumen, denn das Wort „illuminiert" transportiert treffend das Erleuchtete – der Farbe wie der Transzendenz gemäß –, und der Begriff „Blüte“ lässt die marianische Zartheit ebenso anklingen wie die Gesamtform einer farbenreichen, erleuchteten Blüte. | Bernhard Maaz