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Die große Gaukelei


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Objektbeschreibung

Auf seiner zweiten Reise nach Paris im März 1935 schloss sich Bellmer den Surrealisten an. Einen engen Kontakt baute er zu Georges Hugnet auf. Hugnet eröffnete bereits 1934 in Paris eine kleine Buchbinderei. Hier entstand das Gemeinschaftprojekt „Œillades ciselées en branches“ (Verliebte Blicke in den Ast geschnitzt), zu dem Hugnet die Prosagedichte und Bellmer die Illustrationen beisteuerte (SSG 13– 14). Bellmer arbeitete dabei weniger nach den dichterischen Vorlagen seines Freundes, sondern verarbeitete Ideen und Zeichnungen, welche schon vorher entstanden waren. In den Illustrationen zu „Œillades ciselées en branche“, insbesondere in dem Blatt „Die große Gaukelei“, wird abermals das Thema des Körpers der Kind-Frau (Femme-enfant) als Deformation aufgegriffen: Es kommt zur Multiplikation, Verschmelzung, Verdichtung und Spiegelung einzelner Körper und Körperteile. In der Mitte der aquarellierten Zeichnung scheint eine verspielt- florale Figuration aus in Falten gelegten Stoffbahnen zu schweben. Ein Kugelgelenk visualisiert den Kopf, aus dem Stoffbahnen, einem Federhut gleich, aufsteigen. An der Figuration hängend, stehend oder über ihr schwebend, befinden sich elfenähnliche Mädchengestalten, links davon übereinandergelagerte Bein- und Armpaare in artistischen Verrenkungen. Der Titel spielt auf ein buntes Gauklertreiben an, was das Blatt als süßlich-perfide Deformation visualisiert. | Melanie Franke/Nadine Ott