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Objektbeschreibung

1927 setzte sich Max Ernst innerhalb einer ganzen Serie mit dem Waldmotiv auseinander. Gut zehn Jahre später entstehen seine Dschungelbilder, deren fruchtbare, grün-vegetabile Verschlungenheit in völligem Gegensatz steht zu den vorangehenden schwarzen Grätenwäldern – Baumleichen nach einem Waldbrand. Undurchdringlich in ihrer Dunkelheit, abgeschlossen und sich jedweder Orientierungsmöglichkeit entziehend, lösen sie beim Betrachter ein Gefühl der tiefsten Verunsicherung aus. Das vorliegende Gemälde bildet insofern eine Ausnahme, als es im Vergleich zu den anderen Bildern der Serie fast freundlich-hell gestimmt ist. Während die Sonne in den anderen Bildern blutrot oder blendend weiß vor einem grauschwarzen Horizont glimmt, leuchtet sie hier gelb vor einem strahlenden Himmelsblau. Zwar wird das Sonnenrad in der unteren Hälfte farblich von den Bäumen überdeckt, doch bleibt jenes Segment des Himmelskörpers auch in diesem Bereich sichtbar. Die hermetische Abgeschlossenheit wird damit aufgehoben und verliert so ihre Bedrohlichkeit, zumal die Baumrinden im Gegenlicht partiell aufscheinen. Vorläufer und Verknüpfung der Wald- und der folgenden Stadtserie ist das Werk „Dadaville“, ein Gips-Korkrelief von 1924. Dessen Struktur und schematische Anordnung wirken in der Waldserie wie durch Grattage auf die Leinwand übertragen. In der Stadtserie der späten 1930er Jahre werden die senkrechten Elemente in die Horizontale versetzt. Der Kontrast zwischen Wald und Stadt, von Natur und Zivilisation findet hier seine Entsprechung. Themenblöcke auf diese Weise, motivisch oder technisch, miteinander zu verbinden, ist bezeichnend für das Œuvre von Max Ernst. Des Weiteren wurden auch Titel dazu genutzt, Bezüge zwischen den Serien herzustellen: „Der versteinerte Wald“ und „Die versteinerte Stadt“. Handelt es sich bei Ersterem um ein durch den gewaltigen Lauf der Erdzeitalter hervorgebrachtes Phänomen, so bezeichnet Letzteres vordergründig die Bausubstanz der Ansiedlung, andererseits aber auch den Gemütszustand seiner Bevölkerung in zunehmend bedrohlichen und politisch instabilen Zeiten. Unter diesen veränderten Vorzeichen und aus dem daraus resultierenden Wunsch nach Zivilisationsflucht heraus erhält der Wald in seiner Abgeschiedenheit rückblickend ein beschützendes Moment. | Katharina Wippermann