Selbstbildnis
Objektbeschreibung
Das 1926 entstandene Schulterstück zeigt den 37-jährigen Künstler in Dreiviertelansicht vor dem Ausschnitt eines Tafelbildes mit massivem Keilrahmen. Die Konstruktion der Bildfläche, die zu einem wesentlichen Merkmal von Glöckners Arbeiten werden sollte, kündigt sich hier bereits an. Für sein Gemälde hat der Maler eine zurückhaltende, erdige Farbigkeit gewählt, wobei er verschiedene Malschichten übereinandersetzte. Die Gesichtszüge sind mit Deckweiß ausdrucksstark modelliert. Akkurat in weißes Hemd und hellblauen Kittel gekleidet, blickt er aus dem Bild. Das Selbstporträt entstand zu einer Zeit, in der Glöckner zu seinem eigenen künstlerischen Stil fand und sich als freischaffender Maler etablierte. Schon während seiner Ausbildung zum Musterzeichner für Textilien zwischen 1904 und 1907 hatte er regelmäßig Abendkurse an der Kunstgewerbeschule in Dresden besucht. Erste Bildnisse und Landschaften entstanden, doch durch den Ersten Weltkrieg, an dem er vier Jahre lang als Soldat beteiligt war, mussten seine künstlerischen Ambitionen zurückstehen. Nach dem Krieg besuchte er Zeichenkurse der Abendschule, bis er 1923/1924 durch die Vermittlung des Malers Otto Gussmann Aufnahme an der Kunstakademie in Dresden fand, die er jedoch nur ein Jahr später wieder verließ. Sein Entschluss aber, als freischaffender Künstler zu arbeiten, stand fest – er äußert sich wenig später auch in seinem selbstbewussten Porträt als Maler. | Maike Steinkamp